Warum der heilige Nikolaus natürlich kein Türke war !

Nikolaus von Myra (russische Ikone von Aleksa Petrov, 1294); Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Myra#/media/Datei:Nikola_from_1294.jpg

Seit einigen Jahren geistert nun schon eine Art der „Geschichtsverdrehung“ durch unsere Lande und sie wird dazu genützt, die jüngsten Migrationsströme vor der Bevölkerung politisch und medial zu rechtfertigen. Man verweist auf vermeintlich „ausländische“ Strömungen in der eigenen Kultur und fordert damit die vorbehaltlose Akzeptanz von Migranten ein! Dies ist natürlich pauschaler Unsinn. Einer der klassischen geschichtsrevisionistischen Slogans lautet dabei wie folgt:

Dein Christus ein Jude, dein Auto ein Japaner, deine Pizza italienisch, deine Demokratie griechisch, dein Kaffee brasilianisch, deine Zahlen arabisch, deine Schrift lateinisch und dein Nachbar nur ein Ausländer.

https://www.aphorismen.de/gedicht/55089

Worauf man entgegnen könnte, dass Christus letztlich Europäer (die Römer) zu dem gemacht haben, was er und der christliche Glauben heute ist! Das „japanische Auto“ ist ebenfalls zuerst von Europäern erdacht worden und die Autofabrik steht womöglich auch hierzulande. Desweiteren ist auch die Kaffeekultur europäisch geprägt: Im osmanischen Reich, das einst fast ganz Arabien umfasste, wurde der Kaffee erst 1839 (!) von den herrschenden islamischen Eliten endgültig akzeptiert. Zu dieser Zeit gab es in Venedig bereits seit 200 Jahren Kaffeehäuser! Jüngst trifft die Geschichtsklitterung sogar auch historische Persönlichkeiten wie den heiligen Nikolaus ! Hier wird nämlich Folgendes gerne behauptet:

Der Nikolaus kommt aus der Türkei

https://www.turkischegemeinde.at/der-nikolaus-kommt-aus-der-tuerkei/

Wir werden in diesem Artikel nun diese „These“ hinterfragen und erklären, wie der Nikolaus und das christlich-griechische Erbe der Region historisch zusammenpassen ! Viel Vergnügen beim Lesen !

Kleinasien in der römischen Antike mit dem rot markierten Lykien; Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lykien#/media/Datei:Putzger_Kleinasien.jpg

Der historische Nikolaus und die christliche Nikolaus-Legende !

Der legendäre Nikolaus ist das Produkt zweier christlicher Persönlichkeiten, die beide den griechischen Namen Nikolaus trugen und beide aus der römischen Provinz Lykien kamen. Man kann quasi von einer Kompilation eines Heiligen aus folgenden Personen sprechen: dem Bischof Nikolaus von Myra, sowie dem gleichnamigen Abt von Sion, der Bischof von Pinora war. Der zuerst erwähnte Nikolaus lebte um das Jahr 300 und der als zweites angeführte um das Jahr 560. Es handelt sich hier also um zwei historische Persönlichkeiten, die in der christlichen Kirche eine wichtige lokale Rolle spielten ! Beide Männer waren Griechen und lebten zwischen 700 und 500 Jahren vor der schrittweisen türkischen Eroberung Kleinasiens in der Region!

Nikolaus von Myra, der Hauptcharakter hinter der Nikolaus-Geschichte, wurde gegen Ende des 3. Jahrhunderts geboren und bereits mit 19 Jahren zum Priester geweiht, schließlich wurde er dann Abt des Klosters Sion nahe dem damaligen Myra. Überliefert ist auch, dass er um das Jahr 310 zur Zeit der Christenverfolgung gefangengenommen und gefoltert wurde, worauf er nicht etwa mit Aggression sondern mit Sanftmut reagierte. Um das Jahr 350 starb er dann im Alter von rund 60 Jahren in Myra! Seine Gebeine wurden jedoch im 11. Jahrhundert von italienischen Kaufleuten aus Myra gestohlen und dann als Reliquien nach Bari gebracht!

Am 6. Dezember kommt im katholischen Europa der Nikolaus mit seinen Gaben und erfreut damit Kinder wie Erwachsene mit Geschenken. Der Nikolaustag steigert die Vorfreude auf das Weihnachtsfest und ist daher vor allem für Kinder ein Highlight im christlichen Kalender. Der Legende nach hat der historische Nikolaus all seinen Reichtum verschenkt und sein Vermögen unter den Armen verteilt. Genau daran soll die Tradition des heutigen Geschenkeverteilens erinnern ! Nikolaus Todestag war der 6. Dezember, weshalb die christliche Tradition ihn an diesem Tag feiert !

Abgesehen davon werden dem heiligen Nikolaus von der Kirche zahlreiche Wunder und christliche Taten zugeschrieben: So soll er etwa Heiden an den christlichen Glauben herangeführt haben, Tote zum Leben erweckt und Naturkatastrophen verhindert haben. Wunder werden auch seiner Anbetung zugeschrieben!

Griechische Siedlungsgebiete (in gelb) 1918 auf beiden Seiten der Ägäis

Das christliche Erbe in Kleinasien aka der heutigen Türkei

Wie die obige Karte schön zeigt, siedelten noch vor 100 Jahren an der heute türkischen Ägäisküste vor allem Griechen. Dies umfasste auch Bereiche des antiken Lykiens, wo also eine uralte griechische Tradition existierte, die wohl mehr als 3000 Jahre alt ist. Im osmanischen Reich waren die kleinasiatischen Griechen – wie alle Nichtmuslime – Bürger zweiter Klasse und einem gewissen Assimilierungsdruck ausgesetzt. Schließlich musste man als Muslime keine Sondersteuern bezahlen: Die Dschizya galt nur für Christen und Juden ! Das führte andererseits auch zu einem gewissen finanziellen Interesse der Oberschicht an deren Existenz , denn viele Christen und Juden bedeutete mehr Steuereinnahmen.

Im gesamten Bereich des osmanischen Kleinasien gab es nach griechischen Angaben im Jahr 1912 rund 2,2 Millionen Griechen. Diese waren aber bereits seit 1821 vermehrter türkischer Verfolgung ausgesetzt, weil sich das heutige Griechenland sukzessive vom osmanischen Reich abspalten konnte! Mit Armeniern (1-2 Millionen) und Aramäern waren dennoch am Vorabend des 1. Weltkriegs rund 20-25% der Bevölkerung Kleinasiens christlichen Glaubens. Dies war natürlich ein historisches Erbe des byzantinischen Reiches !

Das Ende des christlichen Kleinasiens im 20. Jahrhundert

Nachdem im Ersten Weltkrieg das osmanische Reich auf der Seite der Verlierer stand und die Siegermächte der Entente dabei waren, dieses Reich unter sich aufzuteilen, wollten sich die Griechen die Küste Westkleinasiens militärisch sichern ! Im Vertrag von Sèvres (siehe oben) war nämlich Griechenland die Provinz um Smyrna zugesprochen worden und das hatte auch die osmanische Regierung akzeptiert.

Türkische Nationalisten nahmen diesen Vertrag aber, anders als die Regierung des Sultans in Istanbul, zum Anlass aufzurüsten und die christlichen Minderheiten zu verfolgen und zu vertreiben. Griechenland schickte deswegen rund 200.000 Soldaten nach Smyrna, die dann von dort auf Ankara marschieren sollten, um die griechischen Ansprüche durchzusetzen. Im folgenden Krieg blieben sich beide Seiten wenig schuldig, militärisch aber endete dieser Krieg letztlich unerwartet mit dem Sieg der 1918 geschlagenen Reste der osmanischen Armee. Angeführt von Mustafa Kemal Atatürk siegte die türkische Armee vor Ankara gegen die Griechen.

Die türkischen Soldaten und Zivilisten vertrieben und ermordeten dann in der Folge überall in Kleinasien hunderttausende Griechen, Armenier und Aramäer und marschierten in das Herz des christlich-griechischen Kleinasiens, nämlich nach Smyrna ! Von dort wurden die geschlagenen griechischen Soldaten nach Hause evakuiert und die große christliche Stadt (heute Izmir) ließ man letztlich schutzlos zurück! Dies geschah im Vertrauen auf westlichen Schutz, was sich als fataler Irrtum herausstellen sollte!

Griechische Angehörige trauern um ihre Toten während des Massakers von Smyrna durch türkische Truppen, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Smyrna-vict-families-1922.jpg

Die Vernichtung des griechischen Erbes in Kleinasien durch die Türkei

Westliche Kriegsschiffe lagen zwar im Hafen Smyrnas vor Anker, sie griffen militärisch aber nicht ein, weshalb mehrere hunderttausende Menschen im Hafen und in den Vierteln der Stadt direkte Opfer einer entfesselten türkischen Soldateska wurden. Beobachtet wurden die furchtbaren Szenen von europäischen Kriegsschiffen aus, die im Hafen vor Anker lagen, eingreifen aber durften diese nicht. Am Ende löste dies sogar ein politisches Erdbeben in Großbritannien aus, welches Kriegspremier David Lloyd George letztlich das Amt kostete. Die Berichte über das Massaker und die Vernichtung des christlichen Smyrnas sind erschreckend:

Zwei junge Frauen wurden von den Türken ergriffen und vergewaltigt, danach schnitt man ihnen die Brüste ab und legte die Frauen vor den Oriental Works einfach auf den Gehsteig.

https://www.welt.de/geschichte/article241103759/Brand-von-Smyrna-1922-Die-Toten-stapelten-sich-in-den-Strassen.html

Geschäfte wurden geplündert, ihre Besitzer ge- und erschlagen. Dann wurden Benzinfässer herangeschafft und angezündet. „Ein Blick in die Hölle“, schrieb der Arzt Hatcherian. „Es bleibt uns keine Hoffnung: Unsere Vernichtung ist nur noch eine Frage von Stunden.“

https://www.welt.de/geschichte/article241103759/Brand-von-Smyrna-1922-Die-Toten-stapelten-sich-in-den-Strassen.html

Inzwischen drängten sich Zehntausende in Panik am Kai. Manche versuchten, die Schiffe schwimmend zu erreichen und ertranken, andere wurden Opfer der Schüsse, die Türken in die Menge abfeuerten.Der Kapitän der „Iron Duke“, der bis dahin großen Wert auf die Dinner-Etikette gelegt hatte, schickte seine Boote an Land, wo sich inzwischen „die Toten auf den Straßen stapelten und der Gestank menschlichen Fleisches drehte einem den Magen um“ (Charles Howes). Weitere Kapitäne nahmen sich ein Beispiel und nahmen Flüchtlinge an Bord.

https://www.welt.de/geschichte/article241103759/Brand-von-Smyrna-1922-Die-Toten-stapelten-sich-in-den-Strassen.html

Am Ende wurden alleine in Smyrna nur etwa die Hälfte der rund 700.000 auf den europäischen Kriegsschiffen befindlichen kleinasiatischen Christen (Griechen, Armenier, Aramäer) gerettet. Viele Kapitäne jener Kriegsschiffe hatten letztlich dann doch (leider aber zu spät) bei der Rettung der Christen geholfen, auch wenn sie politisch zur Neutralität verpflichtet worden waren ! Bis zu 100.000 Menschen wurden alleine in der Stadt Smyrna grausam ermordet, weitere 100.000 Männer deportierte man ins türkische Landesinnere zu Arbeiten und nur nur wenige von diesen kehrten zurück.

Mit diesen Massakern, sowie einem 1923 ausgehandelten Bevölkerungsaustausch Griechenlands mit der Türkei endete dann die griechische Geschichte Kleinasiens nach 3000 Jahren. Die Griechen sprechen bis heute von der „kleinasiatischen Katatstrophe“, denn in den Massakern starben letztlich zwischen 300.000 und 900.000 Griechen. Genaue Zahlen sind bis heute unklar, wohl auch natürlich, weil die türkische Regierung wenig Interesse an der Aufarbeitung hat. Türkischer Nationalismus lässt auch für die Zukunft leider nichts Gutes erhoffen: So werden von Präsident Erdogan abwärts gerne verbal griechische Inseln gefordert und es wird immer wieder mit militärischen Angriffen auf Griechenland gedroht ! Nordzypern hält die Türkei zudem seit 1974 besetzt, wo ebenfalls hunderttausende Griechen von türkischen Soldaten vertrieben wurden !

Fazit

Der heilige Nikolaus war also natürlich kein Türke, sondern Grieche und zudem eine wichtige historische christliche Figur! Wenn der Nikolaus aber – unter Ignoranz aller historischen Tatsachen – als Türke gelten sollte, dann wäre auch der griechische Schriftsteller Homer Türke! Schlichtweg deshalb, weil er ebenso im antiken Kleinasien geboren ist. Genauso wäre demnach der deutsche Philosoph Immanuel Kant Russe, weil Königsberg ja seit 1945 zu Russland gehört. Eine Geschichtsdeutung rein per Geburtsort ist also Unsinn. Die „Nationalität“ einer historischen Person bezieht sich immer auf die damaligen Zustände und Kultur! Die antike griechisch geprägte Region Lykien mag zwar in Kleinasien gelegen haben, hatte aber weder ethnisch, politisch, noch religiös etwas mit der heutigen Türkei zu tun.

Abgesehen davon hat die Türkei spätestens mit den Massakern an den Griechen und kleinasiatischen Christen, sowie aufgrund der Vertreibung dieser Minderheiten jedes Recht verloren, das griechische Erbe politisch zu instrumentalisieren, was sie im Übrigen auch nicht wirklich tut. Diskussionen darüber finden ja eher im „woken“ linken Spektrum des Westens statt. Hätte Nikolaus von Myra im 20. Jahrhundert und nicht im 3./4. Jahrhundert gelebt, dann wäre er wohl ermordet oder deportiert worden! Eben genau deshalb, weil er Grieche/hellenisierter Lykier in Kleinasien war!

Schwierig bei der Einordnung historischer Personen wird es erst dann, wenn Ethnizität und Staatsbürgerschaft mehrere Einordnungen erlauben. Der Astronom Kopernikus – übrigens auch ein Nikolaus – war der Sohn eines deutschen Kaufmanns im Königreich Polen. Dies hat zur kuriosen Tatsache geführt, dass trotz der Vertreibung aller Deutschen 1945 und damit der Auslöschung des deutschen Erbes in Polen, das polnische Toruń (das ehemalige deutsche Thorn) Kopernikus heute als polnische historische Persönlichkeit feiert. Vor 120 Jahren wiederum diente Kopernikus aber den Deutschen im preußischen Thorn wiederum als „antipolnische“ historische Figur, die den alten deutschen Charakter der preußischen Provinz unterstrich ! Die Debatte um seine Zugehörigkeit dauert bis heute an, wie man an folgenden Schlagzeilen sieht:

Polen und Deutschland streiten um Kopernikus !

https://www.focus.de/wissen/weltraum/polen-und-deutschland-streiten-um-kopernikus-woher-stammt-der-astronom_id_2378843.html

Finanzielles

Wir vom März glauben nicht an eine Paywall und stellen daher all unsere Beiträge gratis zur Verfügung ! Wir glauben hier an guten Journalismus, der Themen aufgreift, die vom Mainstream gerne ignoriert oder anders interpretiert werden, weil es den Herausgebern ideologisch gerade nicht passt ! Falls Ihnen also unser Beitrag zur Meinungsvielfalt gefällt und Sie dem „März“ finanziell unter die Arme greifen möchten, laden wir Sie herzlich ein, uns mit einem Betrag Ihrer Wahl zu unterstützen !

Falls Sie direkt überweisen möchten, ganz ohne Paypal oder Kreditkarte, dann finden Sie hier unsere Kontodaten:

IBAN: DE46 1001 1001 2622 4193 03

BIC: NTSBDEB1XXX

Vielen herzlichen Dank an alle Unterstützer !

Links & Quellen

https://www.katholisch.at/nikolaus

https://www.welt.de/geschichte/article241103759/Brand-von-Smyrna-1922-Die-Toten-stapelten-sich-in-den-Strassen.html

https://www.focus.de/wissen/weltraum/polen-und-deutschland-streiten-um-kopernikus-woher-stammt-der-astronom_id_2378843.html

https://history.stackexchange.com/questions/59900/percentage-of-christians-greeks-armenians-assyrians-in-asia-minor-anatolia-i