Kärnten & der 10.Oktober: Hintergründe zur Volksabstimmung

Feierlichkeiten zum 10.Oktober 2016 im Landhaushof in Klagenfurt

Am 10.10.2020 jährte sich jüngst der 100 Jahrestag der Kärntner Volksabstimmung ! Ein Festtag der Demokratie und der Selbstbestimmung, der an eine der wenigen Abstimmungen nach dem 1. Weltkrieg erinnert, als Europa neu nach nationalen Grenzen geordnet wurde. Vielfach wurde das politische Schicksal der Bevölkerungen von den Siegermächten entschieden ohne diese auch anzuhören. Wir zeigen ein paar Hintergründe zur Volksabstimmung und der Geschichte Kärntens auf, die erklären warum der Süden Österreichs heute ist wie er ist !

Die Abstimmung: Ein historisches Privileg

Eine relativ faire Abstimmung über die Gebietszugehörigkeit war im Zuge der Diktatfriedensverträge nach dem 1. Weltkrieg eher die Ausnahme als die Regel. So wurde nur in folgenden deutschsprachigen Gebieten 1919/1920 eine Abstimmung abgehalten: In Schleswig, Oberschlesien, Ostpreußen und eben in Kärnten ! Eine „unfaire“ Abstimmung gab es auch: Jene über die Zugehörigkeit Ödenburgs zum Burgenland oder zu Ungarn. Die fast ausschließlich deutschsprachigen Bewohner Südtirols, Elsass-Lothringens, Eupen und Malmedys, Danzigs, Marburgs in der Südsteiermark und die drei Millionen österreichischen Deutschböhmen (später Sudetendeutsche) fragte dagegen niemand. Diesen hätten nämlich allesamt für Deutschland bzw. Deutschösterreich votiert (ausgenommen wahrscheinlich das sehr frankophone Lothringen), was den Siegermächten wohl ein Dorn im Auge war. Ein ähnliches Schicksal traf die ungarischen Bevölkerungsmehrheiten in der Südslowakei und in Teilen Rumäniens und Jugoslawiens, sowie die Slowenen und Kroaten in Istrien (das an Italien fiel). Dabei galt ursprünglich US-Präsident Wilsons 14-Punkte-Programm auf Basis dessen die Mittelmächte 1918 kapituliert hatten:

Punkt 10: Den Völkern Österreich- Ungarns, deren Platz unter den Nationen wir geschützt und gesichert zu sehen wünschen, sollte die freieste Gelegenheit zu autonomer Entwicklung zugestanden werden.

14-Punkte-Programm von US-Präsident Woodrow Wilson (08.01.1918)

Ganz tragisch übrigens ist parallel dazu das Schicksal der kleinasiatischen Griechen zwischen 1914 und 1923, denn diese wurden zu Hunderttausenden von den Türken umgebracht und dann nach über 3000 Jahren Hochkultur aus Kleinasien endgültig vertrieben. Diese Massaker kommen zusätzlich zu den rund 1,5 Millionen getöten Armeniern des armenischen Genozids, der bis heute von der türkischen Regierung geleugnet wird. Die Vertreibung der Griechen ist wohl auch eines der größten Versagen der siegreichen Entente, denn Engländer und Franzosen hatten wohl ausreichende militärische Mittel um die Vertreibungen und Morde zumindest ab dem Jahr 1918 in Kleinasien zu stoppen!

Festung Hochosterwitz: steinernes Zeugnis der Kärntner Geschichte

Vorgeschichte Kärntens

Anders als heute vielfach von Historikern dargestellt entzweite zunächst ab 1848 nicht der deutschsprachige, sondern der slowenische/ slawische Nationalismus das zweisprachige Kärnten! Stand 1849 waren nämlich die slowenischsprechenden Gebiete der Habsburgermonarchie auf 4 Provinzen aufgeteilt: Steiermark, Krain, Österreichisches Küstenland und eben Kärnten ! Im Zeitalter des aufziehenden Nationalismus wurde dies dann ein Thema. Das war der Grund warum slowenische politische Aktivisten 1848 im deutschsprachigen Klagenfurt (!) den Zusammenschluss dieser vier Provinzen zu einem „Vereinten Slowenien“ einforderten. Diese nationalen Forderungen der Slowenen mitten im mehrheitlich deutschsprachigen Kärnten lösten dann einen deutschen Nationalismus gepaart mit einer Urangst vor der Teilung des Landes aus, der teilweise bis heute anhält. Ein Anspruch der zumindest kulturell auch heute noch von Slowenien auf kuriose Art hochgehalten wird: So ziert die slowenische 2-Cent Euro-Münze allen Ernstes den Fürstenstein, das älteste Rechtsdenkmal Kärntens.

Das Land Kärnten nutzt den Fürstenstein als Symbol selbst natürlich auch, welcher übrigens das obere Ende einer römischen (!) Säule darstellt. Der Legende nach wurden die Herzöge Kärntens an diesem Stein in ihr Amt eingesetzt. Wie lange diese „legendäre“ Praxis zurückgeht ist allerdings fraglich. Historiker sind sich heute ziemlich uneins, ob dieses römische Symbol überhaupt als Denkmal für die slawische Geschichte Kärntens herhalten kann und ob jemals ein nicht-deutschsprachiger Kärntner Herzog auf diesem Stein vereidigt wurde. Kärnten war nämlich nur relativ kurz von 600 bis 743 n.Chr. ein slawisches regiertes Fürstentum. Ab 743 stand das Land dann unter bayerischer Oberhoheit und wurde sukzessive von den Bayern aus besiedelt, bzw die ansässige römisch-keltische Urbevölkerung in diesem Prozess germanisiert. Die in den 150 Jahren zuvor von slawischen Stämmen slawisiert worden war.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/92/Klagenfurt_Landhaus_Gro%C3%9Fer_Wappensaal_F%C3%BCrstenstein_19072006_6295.jpg
Der Kärntner Fürstenstein; Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/92/Klagenfurt_Landhaus_Gro%C3%9Fer_Wappensaal_F%C3%BCrstenstein_19072006_6295.jpg

Kärnten vor der Volksabstimmung (1848-1918)

Kärnten war im 19. Jahrhhundert ein gemischtsprachiges Land. Im Jahr 1910 verfügte Kärnten über einen deutschen Bevölkerungsanteil von 78,61 Prozent und einen slowenischsprachigen Anteil von rund 20 Prozent. Der slowenische Anteil verringerte sich durch Assimilation ab 1880 kontinuierlich. Zwischen 1848 und 1880 betrug das Zahlenverhältnis vermutlich noch um die 70:30. Wobei viele Kärntner damals zweisprachig waren und sich nicht immer einer Nation zu 100 Prozent zuordneten. Die nationalen Grenzen in Kärnten lagen ungefähr am Fluss Drau, wobei aufgrund des Mangels an slowenischen bürgerlichen Schichten auch die Klassengrenzen nationale Grenzen darstellten.

Südlich der Sprachgrenze bestand der Großteil der Bevölkerung aus slowenischen Bauern und Landarbeitern, während das dortige lokale städtische Bürgertum in Städten wie Bleiburg und Völkermarkt, die Kapitalbesitzer, der Adel, die Verwaltungsbeamten und die freiberufliche Intelligenz weitgehend deutschsprachig waren. Gleich wie übrigens in Slowenien, wo noch Mitte des 19. Jahrhunderts alle Städte deutsche Bevölkerungsmehrheiten hatten. Laibach wurde etwa erst um 1900 herum endgültig „slowenisiert“ und die deutschen Straßennamen abgeschafft. Sozialer Aufstieg und Migration in die deutschsprachigen Städte war daher in der Regel mit Germanisierung verbunden und schuf ein großes zweisprachiges Gebiet in Südkärnten. Die Slowenen hatten damals natürlich gewisse Autonomierechte. Über das Ausmaß dieser Rechte wurde bis 1920 freilich in der Kärntner Innenpolitik heftig diskutiert: Deutschnationale sperrten sich gegen slowenische Forderungen nach mehr Mitsprache und anderer administrativer Verwaltungsgrenzen. Mehr oder weniger funktionierte das Zusammenleben aber immer reibungslos.

Im ersten Weltkrieg stemmten sich dann Slowenen wie Deutschkärntner gemeinsam gegen die italienischen Gebietsansprüche, die deutschsprachige wie slawischsprachige Gebiete umfassten und dementsprechend von allen in der Habsburgermonarchie gemeinsam abgelehnt wurden.

Die slowenischen überzogenen Forderungen 1918

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zerfall der Monarchie, verschwand auch die gegenseitige Solidarität aus der Kriegszeit. Nun versuchte jede der neuen Nationalitäten soviel Land für ihren Nationalstaat einzusammeln wie möglich. Im Oktober 1918 ging etwa der slowenische Nationalrat in Laibach her und forderte zunächst das ganze Gebiet des k.u.k. Herzogtums Kärnten für Jugoslawien ein! Slowenien war aber nicht Italien, weshalb die Siegermächte zumindest den Jugoslawen solche unbegründeten Forderungen nicht durchgehen ließen. Später reduzierte Jugoslawien dann unter alliiertem Druck seine Gebietsforderungen auf etwa ein Drittel der Landesfläche, in der allerdings noch immer etwa die Hälfte der Bevölkerung wohnte. Ein Kärntner Plakat zeichnete diesen Anspruch auf folgender Karte nach:

Kärnten in Gefahr - Plakat
Kärnten in Gefahr – Plakat zum Abwehrkampf; Quelle: https://tv.orf.at/unseroesterreich/kaernten118.html

Der Abwehrkampf Phase I

Nachdem der Kärntner Landesausschuss im Herbst 1918 Kärnten für unteilbar erklärt hatte, war man plötzlich am 5. November 1918 mit einer Invasion von jugoslawischer Polizei konfrontiert. Der neu formierte SHS-Staat versuchte in Kärnten wie der Steiermark Fakten zu schaffen. Erst am 3. November hatte Österreich-Ungarn kapituliert und noch hunderttausende deutschösterreichische Soldaten standen an den Fronten. Schon am 26. November 1918 überschritten dann slowenische Truppen erneut eine vereinbarte Demarkationslinie bei Bleiburg und rückten in deutschsprachige Gebiete wie St.Paul im Lavanttal, Völkermarkt et cetera vor. Am 5. Dezember 1918 beschloss die provisorische Kärntner Landesregierung unter dem deutschfreiheitlichen Landesverweser Arthur Lemisch deshalb den militärischen Widerstand. Der Kärntner Abwehrkampf begann! Kärnten stach damit 1918 aus allen deutschsprachigen besetzten Gebieten hervor, indem es militärisch Widerstand organisierte.

Dabei stachen 3 Politiker hervor: Oberstleutnant Ludwig Hülgerth (Landesbefehlshaber), Oberleutnant Hans Steinacher (Truppenführer) und Landesverweser Lemisch (Regierungschef). Allesamt Vertreter des Dritten Lagers – heute würde man sie der FPÖ zuordnen. Sie stehen für die traditionelle, tiefe Verwurzelung des Dritten Lagers in Kärnten. Lemisch und Hülgerth waren dann später auch Landeshauptmänner Kärntens.

Militärisch begann der Abwehrkampf am 14. Dezember 1918 mit der Abwehr eines jugoslawischen Angriffs auf die Landeshauptstadt Klagenfurt. Dann ging es Schlag auf Schlag: Bis zum 8. Januar wurde der Großteil Kärntens von kärntnerischen Truppen zurückerobert. Ein letzter slowenischer Großangriff wurde am 3. Januar an der Drau abgewehrt und am 14. Jänner wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Das wichtigste kam nun: Die Kämpfe hatten alliierte Aufmerksamkeit erregt und eine Kommission wurde nach Kärnten und in die Südsteiermark entsandt. Angeführt wurde sie von einem amerikanischen Offizier: Die Miles-Mission! Diese studierten vor Ort die strittigen Gebietsfragen und sprachen mit den Bewohnern. Das war insofern bedeutend als das im Friedensvertrag von St.Germain dann eine Volksabstimmung verankert wurde! Kärnten hatte sich also – anders als die Südsteiermark oder Südtirol – eine Chance auf Einigkeit militärisch erkämpft.

Der Abwehrkampf Phase II und III

Die Jugoslawen brachen dann am 29. April 1919 erneut den Waffenstillstand und starteten Phase II mit einen Großangriff mit dem Ziel Klagenfurt und Villach zu erobern und neue Fakten zu schaffen. Kärntner Verbände wurde ein paar Tage lang zunächst zurück gedrängt, sammelten sich aber am 5. Mai zum Gegenangriff und warfen die Aggressoren bis ins heutige Slowenien zurück. Kärntner Truppen überschritten dann sogar die Landesgrenze und eroberten etwa Windischgraz (Slovenj Gradec) in der Südsteiermark zurück. Einen weiteren Vorstoß nach Marburg, wo slowenische Truppen ein Massaker unter der mehrheitlich deutschsprachigen Bevölkerung angerichtet hatten (Marburger Blutsonntag), untersagte aber die Bundesregierung in Wien. Dort fürchtete man noch härtere Friedensbedingung in St.Germain für Deutschösterreich. Am 9.Mai 1919 zogen sich die Kärntner Verbände deshalb an die Landesgrenze zurück.

Nachdem die Volksabstimmung beschlossen worden war, versuchten die Jugoslawen dann erneut militärisch Fakten zu schaffen. Jugoslawische Truppen überschritten am 28. Mai 1919 erneut die Kärntner Grenze. Und läuteten damit Phase III ein. Diesmal waren sie von Belgrad soweit verstärkt worden, dass das Kräfteverhältnis 5:1 zuungunsten der Kärntner Verbände betrug. Kärntner Einheiten leisteten gegen diese Übermacht hinhaltenden Widerstand, konnten aber den Fall Klagenfurts am 6. Juni 1919 nicht verhindern. Nun intervenierten die Alliierten: Der Oberste Rat der Alliierten in Paris zwang Jugoslawien zum Abzug aus Klagenfurt. Italienische Soldaten marschierten ein und überwachten den Waffenstillstand, wobei jugoslawische Truppen die zukünftigen Abstimmungsgebiete der Zone A (Südkärnten) unter ihrer Kontrolle behielten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Kärnten nach 4 Jahren Weltkrieg bereits ein halbes Jahr gegen die Invasoren gekämpft, wobei es auf Kärntner Seite rund 270 Tote und 800 Verwundete zu beklagen gab.

Plakat zur Volksabstimmung in Kärnten
Wahlplakate zur Volksabstimmung 1920; Quelle: https://tv.orf.at/unseroesterreich/kaernten118.html

Die Volksabstimmung 1920

Die Vorbereitung zur Volksabstimmung, festgelegt im Friedensvertrag von St.Germain (10.September 1919), begann dann mit mehreren Handicaps für die Kärntner ! Erstens war ganz Südkärnten jugoslawisch besetzt und militärisch streng abgeriegelt. Und zweitens gaben 2/3 der Bewohner slowenisch als Umgangssprache an. Es schaute also rein am Papier nicht gut für ein ungeteiltes Kärnten aus. Wenn man jedoch heute genauer hinsieht waren die Chancen dann doch intakt: Auch slowenisch sprechende Kärntner waren beim Abwehrkampf aktiv dabei gewesen! Und die einmarschierenden jugoslawischen Truppen hatten sich äußerst unsympathisch gegenüber den lokalen Kärntner Slowenen verhalten und sich damit vor der Abstimmung unbeliebt gemacht.

Historische Karte zur Volksabstimmung: Die Abstimmungszonen A und B mit den 3 Bedingungen für das Stimmrecht; Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/21/Abstimmungsgebietekaernten.jpg

Bei der Abstimmung galt folgendes Prozedere wie am historischen Bild: Abgestimmt wurde zuerst in der mehrheitlich slowenischsprachigen Zone A. Sollte diese positiv für Jugoslawien ausfallen, hätte auch die österreichisch besetzte Zone B abstimmen sollen. Das Mießtal und die Gemeinde Seeland (hier abgetrennte Gebiete) fielen dagegen unabhängig von der Abstimmung an Slowenien. Vor der Volksabstimmung organisierte beide Seiten Propaganda, wobei pro-österreichische Propaganda massiv von den jugoslawischen Ordnungskräften unterbunden wurde.

Das Ergebnis war dann für alle Seiten unerwartet klar und eindeutig: 59 Prozent stimmten für den Verbleib bei Österreich! Frauen waren hier erstmals stimmberechtigt. Das bedeutet, dass rund jeder zweite slowenischsprachige Südkärntner damals für Österreich und die Einheit Kärntnes gestimmt hatte.

Grafik zur Kärntner Volksabstimmung 1920
Ergebnis der Kärntner Volksabstimmung; Quelle: https://kaernten.orf.at/stories/3037213/

Für die Kärntner Geschichte nach der Volksabstimmung gibt es eine gute ORF-Doku (2010) in mehreren Teilen:

Menschen und Mächte Spezial Kampf um Kärnten, ORF-Doku; Quelle: ORF

Die Behandlung der slowenischen Volksgruppe heute

Mit dem Ortstafelkompromiss 2011 von Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK/FPÖ), Minister Josef Ostermayer (SPÖ) und Valentin Inzko (Slowenenverbände) ist dann auch in der Frage topographischer Beschriftungen ein für alle Seiten tragbarer Kompromiss gefunden worden. Dieser beendete den Ortstafelstreit und sorgte für die Aufstellung von zweisprachigen Ortstafeln in 164 Orten in 24 Gemeinden. In einer Volksbefragung stimmten zwischen 6. und 17. Juni kärntenweit 68 Prozent der Teilnehmer für diese Lösung. Im Juli 2011 wurde diese Lösung dann im Volksgruppengesetz in Verfassungsrang von National- und Bundesrat beschlossen.

Zweisprachiger Unterricht erfreut sich heute (Stand 2020) wachsender Beliebtheit in Südkärnten: 58 Volksschulen, 17 Neuen Mittelschulen unterrichten heute zweisprachig. Dazu gibt es das slowenische Gymnasium in Klagenfurt, slowenische Musikschulen, eine zweisprachige Handelsakademie sowie eine Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe in St.Peter bei St.Jakob/Rosental.

Vice versa: Die Behandlung der deutschsprachigen Österreicher in Slowenien

Stand 2020 ist trotz jahrelanger österreichischer Bemühungen die deutschsprachige Minderheit in Slowenien immer noch nicht anerkannt ! Gerade heuer wurde Außenminister Schallenberg vom Parlament einstimmig erneut beauftragt das Thema in Slowenien anzuschneiden. Die deutschsprachige Volksgruppe in Slowenien kämpft dabei seit vielen Jahren vergeblich um die offizielle Anerkennung durch die Republik Slowenien. Anders als die ungarische und italienische Volksgruppe oder eben die slowenische Volksgruppe in Österreich ist die deutschsprachige Volksgruppe in Slowenien nicht als autochthone Volksgruppe anerkannt und verfügt daher über keinerlei kollektive Rechte.

In Slowenien leben nach massiven Auswanderungs- und Assimilierungsdruck heute schätzungsweise nur mehr rund 2.000 Angehörige der deutschsprachigen Volksgruppe. Vor 100 Jahren waren es noch um die 100.000 gewesen. Die meisten von Ihnen wurden nach Ersten und Zweiten Weltkrieg vertrieben oder zur Emigration gezwungen. Slowenien ist heute europaweit eines der Schlusslichter bei der Frage von Rechten für Minderheiten – auch dies ein Faktum das leider in der österreichischen Berichterstattung oft weggelassen wird. Den dort herrschte eine ziemlich minderheitenfeindliche Einstellung vor, die im 21. Jahrhundert nicht gerade vorbildhaft ist.

Fazit

Heute kann man wohl sagen das Kärnten ein Vorbild in Europa bei der Behandlung seiner Minderheit ist. Die Minderheit verfügt über ein ausgebautes Minderheitenschulwesen, Millionen an Kulturförderungen und sogar eine eigene slowenischsprachige katholische Kirchenstruktur. In Kärnten passierte trotz dreier Kriege weder ein Genozid wie am Balkan, noch gab es eine großflächige Vertreibungen der ansässigen Bevölkerung wie in Tschechien oder Slowenien. Freilich motivierte aber das zeitweise slowenenfeindliche Klima viele Kärntner Slowenen sich sprachlich zu assimilieren, was sich in vielen eingedeutschten slawischen Familiennamen der Kärntner heute wiederspiegelt. Einige Slowenen wanderten nach 1919 nach Slowenien aus, sowie einige Kärntner heute Nachkommen von Vertriebenen Deutschösterreichern vom heutigen slowenischen Staatsgebiet sind. Mit der Lösung des Ortstafelkonfliktes sollte aber einer künftigen friedlichen Entwicklung nichts im Wege stehen – vorausgesetzt natürlich Slowenien verzichtet auf nationalistische Reflexe in der Zukunft.

Quellen und weitere Links

https://kaernten.orf.at/v2/news/stories/2517090/

https://www.stern.de/politik/ausland/neuordnung-wilsons-14-punkte-plan-3870642.html

https://kaernten.orf.at/stories/3037213/

PERCHINIG, Bernhard (1989): „Wir sind Kärntner und damit hat sich´s …“ Deutschnationalismus und politische Kultur in Kärnten. Klagenfurt: Drava Verlag

https://www.meinbezirk.at/kaernten/c-politik/dritter-bericht-zur-lage-der-slowenischen-volksgruppe_a4102260

ORF

https://www.kab-or.at/73.html

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200701_OTS0002/aussenpolitischer-ausschuss-deutschsprachige-minderheit-in-slowenien-soll-offiziell-anerkannt-werden

https://www.diepresse.com/5539687/slowenien-bekraftigt-nein-zu-anerkennung-deutschsprachiger-minderheit

https://tv.orf.at/unseroesterreich/kaernten118.html

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