„Kickl, der Film“ & „Der junge Haider“: Wenn die FPÖ wie die SPÖ wäre!

Man stelle sich folgendes politisches Szenario vor: Kurz vor dem Wahlkampf 2024 würde ein Kulturminister Gernot Blümel einen Film genehmigen, versehen mit fast 600.000 Euro Steuergeld. Dieser Film bestünde aus der unkommentierten und positiven Begleitung von Herbert Kickl im Wahlkampf. Der Verdacht eines politischen Gegengeschäfts zwischen zwei ideologisch nahestehenden Parteien läge nahe. Nach der Wahl – mitten in einer der größten Budgetkrisen der zweiten Republik – würde dann Herbert Kickl, der neue Kulturminister einer schwarz blauen Koaliton, gleichermaßen beschwingt einen weiteren Film über die FPÖ fördern. „Der junge Haider“ sollte mit drei Millionen Euro Steuergeld von Regierung und ORF den Aufstieg Haiders und seinen Kampf gegen das System der zweiten Republik darstellen. Der Regisseur – natürlich aus dem nationalfreiheitlichen Milieu – würde dann in Interviews die Parallelen zur Gegenwart betonen: Die SPÖ müsse als Übel unserer Zeit im Sinne des Antikommunismus weiter bekämpft werden!

Nun machen wir einen Sprung in die Realität des Jahres 2026. All das zuvor hypothetisch Beschriebene ist genau so eingetreten, nur mit vertauschten Rollen. Statt Blümel ließ der grüne Kulturminister Werner Kogler 2024 trotz leerer Kassen und Umfrageplatz 3 einen Wahlkampffilm über Andi Babler großzügigst fördern. Dann förderte das von Linken durchsetzte Kulturministerium unter dem neuen Minister Andi Babler über das Filmförderungsinstitut den Streifen „Der junge Kreisky“ gleich mit 3 Millionen Euro. 750.000 davon „durfte“ der ORF aus Beitragsgeld beisteuern. Gedreht wurde interessanterweise kurz nach Bablers Amtsantritt ab März 2025. Woraus man als geneigter Beobachter eine Erkenntnis gewinnen kann: Sozialdemokratische Filme stehen gerade offenbar hoch im Kurs. Warum das problematisch ist, zeigt etwa der Vergleich zur Fiktion in unserem ersten Szenario.

Im hypothetischen Szenario mit den zwei FPÖ-Filmen gäbe es nämlich einen Aufstand des linken Österreich ohnegleichen. Begleitet wohl von unzähligen Zeitungsberichten, der mit Inseraten der Stadt Wien wohlgeförderten Medien. Man würde alles tun, um der FPÖ den Film zu verwehren! Wohl auch zurecht. In der Realität aber gab es trotz der fragwürdigen Vorgänge zwar gewisse kritische mediale Reaktionen, Spott und Nachfragen, aber alles blieb ziemlich verhalten. Kritik gegen Linke kommt aus dem Kulturbereich prinzipiell nur sehr selten und wenn, addressiert man eher nicht die SPÖ – zu sehr ist man da offenbar verklüngelt. Das beweist, es wird hierzulande immer noch gehörig mit zweierlei Maß gemessen: Was für Propaganda und millionenschwere Klientelwirtschaft von der SPÖ und deren Freunderln genutzt werden kann, steht den bürgerlichen politischen Gegnern schon aus Prinzip noch lange nicht zu.

Ein Förderfall, der keiner sein soll

Beginnen wir also mit der nüchternen Chronologie der Geschehnisse, ganz so als ob das Ganze nicht grotesk genug wäre. Der Dokumentarfilm „Wahlkampf“ begleitete Andreas Babler und sein Team im Nationalratswahlkampf 2024. Laut Medienberichten flossen dafür rund 553.000 Euro an Förderungen aus Bund und Landesstellen. Bemerkenswert: Die politische Dokumentation kommt dabei völlig ohne einordnenden Kommentar aus und folgt Andi Babler einfach unkritisch durch den Wahlkampf. Das Ganze wirkt also schon auf den ersten Blick wie Parteipropaganda. Die SPÖ verteidigte vielleicht auch deshalb das Projekt mit dem Hinweis, alle Förderungen seien unter der schwarz-grünen Vorgängerregierung genehmigt worden. Die Entscheidung kam vor Bablers Amtszeit als Kulturminister unter der politischen Ägedie des grünen Werner Kogler. Wer Österreich und seine traditionellen politischen Mauscheleien kennt, glaubt hier natürlich eher nicht an Zufälle. Irgendeine Gegenleistung werden sich etwa die Grünen wohl von der SPÖ für die Förderfreigabe erhofft haben.

Der Film „Wahlkampf“ lief dann ab 24. April 2026 in den österreichischen Kinos an – mit katastrophalem Ergebnis: Nur 895 Besucher gab es in den ersten Tagen. Rechnet man die öffentliche Förderung hier auf, ergibt sich laut FPÖ-Kultursprecher Wendelin Mölzer ein Förderaufwand von über 600 Euro pro verkauftem Kinoticket. Kein privater Produzent der Welt würde wohl ein solches unpopuläres Projekt finanzieren. Nur der rot-weiß-rote Förderstaat tut es – leider – und zwar vorab für ein potentielles künftiges Regierungsmitglied. Chuzpe zeigt der Regisseur, indem er den politisch stets abgeschlagenen Andi Babler verfolgt, anstatt den Wahlsieger FPÖ oder zumindest die Kanzlerpartei ÖVP zu begleiten.

Der Babler-Film kostete 617 Euro Steuergeld pro Besucher. Nur 895 Besucher wollten Werk in der ersten 10 Tagen sehen

https://www.heute.at/s/babler-film-kostete-617-euro-steuergeld-pro-besucher-120190176

In der österreichischen Filmszene etabliert sich also ein bedenkliches Muster: Zuerst wird ein Film über den aktuellen SPÖ-Chef im Wahlkampf öffentlich finanziert. Danach folgt gleich ein Film über den roten Säulenheiligen Bruno Kreisky- wieder mit einer Millionenförderung. All das passiert in einem Land, das seit 2025 im EU-Defizitverfahren steckt, nachdem der Rat der EU wegen des österreichischen Defizits von 4,7 Prozent im Jahr 2024 ein Verfahren gegen Österreich eingeleitet hat. Man spart hierzulande also bei Bürgern, Unternehmen, Gemeinden, Gebührenzahlern und Leistungsträgern, aber für die filmische Selbstvergewisserung der Sozialdemokratie und ihres Kulturministers (!) finden sich offenbar immer noch Millionen Euro Steuergeld.

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Der rote Weihrauch aus der Förderkanne

Natürlich wird man uns nun erklären, Filmförderung funktioniere unabhängig, auch wenn jeder insgeheim weiß, welche politische Schlagseite es in der Kulturszene und auch in der Filmförderung offensichtlich gibt. Jurys, Gremien, fachliche Kriterien, Kunstfreiheit und formale Zuständigkeiten sollen Kritiker besänftigen. Außerdem – wird gerne behauptet –  jeder Verdacht einer parteipolitischen Schlagseite sei Ausdruck rechter Kulturfeindlichkeit. Das wiederum ist die österreichische Beschwichtigungsliturgie in ihrer reinsten Form. Glücklicherweise hat sie mit der politischen Wahrnehmung der Bürger aber nur wenig zu tun. Politik besteht nämlich nicht nur aus Paragrafen, sondern auch aus Symbolik, Nähe, Milieu, Erwartung und Macht. Die politisch Letztverantwortlichen lassen sich hier in beiden Fällen auf linke Politiker zurückführen: Werner Kogler, Bürgermeister Ludwig, der niederösterreichische SPÖ-Landesrat Sven Hergovich und natürlich Andi Babler als SPÖ-Chef und Kulturminister. Zwei SPÖ-Filme in zwei Jahren sind also wohl kein Zufall, sondern haben offensichtlich System. Hier offenbart sich augenscheinlich ein Fördermilieu, wo Kulturförderung in parteipolitische Milieupflege kippt.

Wenn ein Film über Herbert Kickl im Wahlkampf mit einer halben Million Euro aus öffentlichen Mitteln unterstützt worden wäre, würden heute dieselben Leute, die bei den SPÖ-Filmen die Freiheit der Kunst sehen, von Staatspropaganda sprechen. Würde ein Film über den jungen Jörg Haider mit ORF-Geld, Millionenförderung und wohlwollender Kulturblase ausgestattet, gäbe es hierzulande Sondersendungen, Leitartikel, offene Briefe, Boykottaufrufe, parlamentarische Anfragen und eine Demokratie-Mahnwache vor dem Kulturministerium. Wenn ein willfähriger ORF dazu 750.000 Euro an Gebührengeld beisteuerte, wäre der Aufschrei am Küniglberg von den „üblichen Verdächtigen“ wohl biblisch. Bei „Kreisky“ hingegen senkt sich der rote Weihrauch sanft über die Republik. Die SPÖ selbst reagierte auf die erneute Kritik mit bemerkenswerter Chuzpe: Man verwies auf die Unabhängigkeit der Förderungsjurys und darauf, dass Babler „zu keinem Zeitpunkt Einfluss auf die Förderentscheidungen“ genommen habe. Das mag formal vielleicht sogar korrekt sein, aber die politische Wahrnehmung ist für den „gelernten Österreicher“ freilich eine ganz andere.

Der eigentliche Skandal liegt nicht darin, dass Bruno Kreisky als historische Figur zum Gegenstand eines Films wurde. Selbstverständlich darf und kann man über Kreisky Filme drehen, ebenso wie über Babler, Kickl, Haider, Kurz oder jeden anderen Politiker dieser Republik. Eine reife Demokratie kann politische Biografien locker aushalten, auch pathetische, parteinahe und einseitig schmeichelhafte. Der Skandal aber beginnt dort, wo der Staat und der ORF ihre Spendierhosen immer dann besonders locker sitzen haben, wenn die vertrauten Heiligenbilder des eigenen kulturellen Milieus poliert werden. Sobald hingegen rechte, freiheitliche oder auch nur bürgerlich-konservative Stoffe in den Fokus geraten, schrillt im politisch korrekten Kulturbetrieb sofort die Sirene der Demokratiegefährdung. Die vielbeschworene Moral der Linken endet eben erstaunlich oft genau dort, wo die eigene Förderzusage beginnt.

„Der junge Kreisky“: Wenn Staatsgeld Parteimythen finanziert

Der Film „Wahlkampf“ war finanziell jedoch nur der Auftakt. Als hätte der Babler-Kino-Flop nicht zur Besinnung gemahnt, folgte postwendend die nächste Übung in roter Selbstbeweihräucherung auf Kosten der Steuerzahler. Der Spielfilm „BRUNO – Der junge Kreisky“ des Regisseurs Harald Sicheritz wird laut den öffentlich einsehbaren Daten des Österreichischen Filminstituts mit einer Herstellungsförderung von einer Million Euro aus dem ÖFI Classic sowie weiteren 2,244.900 Euro aus dem ÖFI+ bedacht – zusammen also mit rund 3,25 Millionen Euro allein aus dem Filminstitut. Hinzu kommen 750.000 Euro aus dem ORF-Film/Fernseh-Abkommen, also aus jenem Beitragstopf, den österreichische Haushalte mit ihrer Rundfunkgebühr speisen. Der Kinostart ist für 1. Oktober 2026 angesetzt.

Die SPÖ selbst lädt zur Vorpremiere des Streifens – mit Arbeitersängerbund und rotem Funktionärsprogramm.

exxpress.at, Mai 2026

Das sagt eigentlich alles. Ein Film, der mit öffentlichem Geld produziert wird, dessen Kinostart die Partei im Mittelpunkt des Films selbst organisiert, und dessen inhaltliche Botschaft – der junge Sozialist als entschlossener Kämpfer gegen das faschistische Regime, Parallelen zur Gegenwart ausdrücklich erwünscht – dem laufenden politischen Betrieb der SPÖ dient. Regisseur Sicheritz ist dabei kein Unbekannter: Er hat über Jahrzehnte im gesellschaftlichen Umfeld der österreichischen Linken gearbeitet und steht für  linkes Kino. Die Steuergeldmillionen rechtfertigte Sicheritz in einem Interview dann präpotent mit dem „Kampf gegen den Faschismus“ heute, wo es doch so große Parallelen gäbe.

Wir können die politische Heuchelei in gewissen Kreisen hier also schön einordnen: Ein linker Film ist Kunst,  ein rechter Film stellt eine Gefahr dar. Ein roter Politikerfilm ist Zeitgeschichte. Ein blauer Politikerfilm wäre Demokratiezersetzung. Eine Kreisky-Verklärung ist Erinnerungskultur. Eine Haider-Erzählung wäre Revisionismus. Ein unkommentierter (!) Babler-Wahlkampffilm gilt als dokumentarische Beobachtung. Ein Kickl-Wahlkampffilm wäre dagegen wohl ein Angriff auf die Republik. Um all das zu entlarven, muss man dieses abgekartete Spiel deshalb nur einmal mit vertauschten Rollen durchdenken und schon fällt die ganze Fassade der angeblich neutralen Kulturpolitik krachend in sich zusammen. Das Feuilleton der linksliberalen Leitmedien ist kulturpolitisch auf dem linken Auge gerne blind und unkritisch. Das wiederum ist keine Überraschung – es ist die logische Folge einer Medienlandschaft, in der die Stadt Wien als größter Inserent agiert, in der das ORF-Kuratorium politisch besetzt ist und in der Kulturjournalisten und Filmkritiker mehrheitlich dem linken Milieu entstammen, das von diesem System profitiert. Zweierlei Maß ist hier nicht die Ausnahme. Es ist das Funktionsprinzip.

Noch heikler ist die Rolle des ORF. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird den Österreichern seit Jahren als demokratische Notwendigkeit verkauft. Er sei Grundversorgung, Qualitätsgarantie, Bollwerk gegen Desinformation. Deshalb sollen die Bürger zahlen, ob sie wollen oder nicht. Nun fließen 750.000 Euro aus dem ORF-Film/Fernseh-Abkommen in „BRUNO – Der junge Kreisky“. Formal mag das vielleicht korrekt sein, politisch ist es dennoch ein Schlag ins Gesicht jener Gebührenzahler, die mit der SPÖ so viel anfangen können wie ein Wiener Gemeindebau mit einem Leistungsethos-Seminar. Der ORF hat zudem schon gar nicht die Aufgabe, jene historische Erzählung zu bedienen, wonach Österreich im Grunde immer dann besonders gut war, wenn es sozialdemokratisch verwaltet, bevormundet, besteuert und pädagogisiert wurde. Genau diese Erzählung ist freilich die emotionale Grundmelodie des Kreisky-Mythos. Kreisky war ohne Frage eine historische Ausnahmefigur, aber er war nicht nur der Sonnenkönig der österreichischen Sozialdemokratie, sondern auch ein Mann jener Schulden- und Staatsgläubigkeit, deren Spätfolgen wir heute noch bezahlen. Der übertriebene und überschuldete Wohlfahrtsstaat, die Verbeamtung des Denkens, die sozialpartnerschaftliche Betäubungspille, die Vorstellung, der Staat könne jede Lebenslage mit fremdem Geld auspolstern: All das trägt hierzulande auch den Geruch einer verknöcherten Kreisky-Ära.

Fazit

Österreich lebt kulturpolitisch in einem System organisierter Heuchelei. Der Förderstaat hat sich über Jahrzehnte ein Netz geknüpft, in dem öffentliche Gelder, politische Sympathien und mediale Gefälligkeiten so eng verwoben sind, dass die Grenze zwischen Kulturpolitik und Parteifinanzierung für die Beteiligten offenbar selbst nicht mehr ganz sichtbar ist. Im Allgemeinen gilt: Wer im richtigen Milieu sozialisiert ist, wer die richtigen Themen transportiert, wer die richtigen Politiker in ein positives Licht rückt, bekommt die Förderung. Der Rest zahlt sie brav durch Steuern und Rundfunkgebühren und darf ansonsten dem cineastischen Treiben entgeistert zusehen.

Was der Fall „Wahlkampf“ und „Der junge Kreisky“ so lehrreich macht, ist nicht ihre Singularität, sondern ihre Normalität. Sie sind kein Entgleisen eines sonst funktionierenden Systems. Sie sind das System bei der Arbeit, in aller Offenheit, ohne Scham und ohne ernsthafte Konsequenzen. Das bürgerliche Österreich täte gut daran, diesen Spiegel nicht wegzulegen. Denn wer duldet, dass mit seinem Geld parteipolitische Mythen finanziert werden und wer dazu schweigt, weil die Empörung unbequem ist oder der politische Wind gerade anders weht, der hat sich das Fördermilieu, das er beklagt, selbst gezüchtet. Die Lektion lautet: Entweder gelten die Regeln für alle – oder sie gelten für niemanden.

Wer es ernst meint mit sauberer Trennung zwischen Staat, Partei und Kultur, muss solche Fälle klar benennen. Nicht irgendwann, nicht nur beim politischen Gegner, sondern gerade dann, wenn es das eigene Lager betrifft. Öffentliche Filmförderung darf nicht zur ästhetischen Verlängerung roter Erinnerungspolitik werden. Der ORF darf nicht als Gebührenzahler im Kostümfundus der Sozialdemokratie auftreten. Und Kulturministerien dürfen nicht glauben, dass der Bürger zu dumm ist, um Nähe, Milieu und Nutznießertum zu erkennen. Die alte Lebenslüge der Linken lautet: Wir betreiben keine Machtpolitik, wir verteidigen nur die Demokratie. Die Wahrheit ist allerdings prosaischer und hässlicher: Auch die Moral hat in Österreich ein Parteibuch und leider ist es sehr oft rot.

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Links & Quellen

https://www.heute.at/s/babler-film-kostete-617-euro-steuergeld-pro-besucher-120190176