New York City: Die Entzauberung des Zohran Mamdani

New York hat geliefert, was linke Milieus im Westen am liebsten sehen wollen, nämlich einen politischen Heilsbringer mit großen Parolen, viel moralischer Selbstgewissheit und der festen Überzeugung, man könne ökonomische Gesetze per Empörungsrhetorik aufheben. Zohran Mamdani, demokratischer Sozialist, muslimischer Einwanderer, Liebling der urbanen Progressiven, gewann mit einem Versprechen, das so alt ist wie der linke Populismus selbst: Die Reichen sollen zahlen, die Stadt soll fürsorglicher, billiger und gerechter werden. Das klingt in Wahlkampfzeiten immer so schön nach Robin Hood. In der Praxis enden solche Pläne oft bei der Mittelschicht, den Eigentümern und am Ende bei allen, die nicht rechtzeitig die Flucht ergreifen können. Die wirklich Reichen können nämlich mit ihren Anwälten in der Regel Schlupflöcher nutzen, weshalb am Ende der Mittelstand zahlen darf.

Gerade darin liegt stets die eigentliche Entlarvung. Nicht darin, dass Mamdani oder irgendein anderer Sozialist plötzlich ein Realist geworden wäre, sondern darin, dass immer ein linker Populist im Amt sehr rasch mit derselben banalen, aber unerbittlichen Realität kollidiert wie jeder andere: Zuständigkeiten, Budgets, Kapitalflucht, Sicherheitsfragen und der Umstand, dass eine Millionenmetropole keine studentische Vollversammlung ist. Mamdanis eigene großspurigen Versprechungen, die ihn irgendwann als gescheiterten Erlöser vorführen werden, überzeichnen daher schon jetzt seine Amtsführung und treffen einen wunden Punkt: Zwischen revolutionärer Pose und administrativer Wirklichkeit klafft ein ziemlich großer Abgrund und genau in diesen fällt nun bereits nach wenigen Monaten im Amt das ganze Projekt Mamdani. Am Ende könnte vor allem ein unguter richtungsweisender linker Islamismus übrig bleiben. Tendenzen dazu sieht man leider bereits deutlich!

Zohran Mamdani bei seiner Angelobung mit seiner Ehefrau, Quelle: NYC Mayor’s Office

Der Klassenkampf endet, sobald Albany nein sagt

Mamdani trat mit der üblichen Großstadterzählung an: Die Reichen würden New York plündern, also müsse man sie endlich stärker zur Kasse bitten. Nur gibt es dabei einen Haken, der im linken Wahlkampfprospekt nie auf der Titelseite steht: New York City kann als Stadt zentrale Einkommensteuererhöhungen nicht nach Belieben alleine beschließen. Genau deshalb musste Mamdani, als die Gouverneurin des Bundesstaates New York Kathy Hochul auf Distanz ging, bereits mit einer Erhöhung der städtischen Grundsteuer drohen, um ein Milliardenloch zu stopfen. Aus dem Slogan „Tax the rich“ wurde also sehr schnell eine Belastung, die bis in den Wohnungsmarkt und damit in die Mieten durchsickert. Der linke Populismus lebt also von der Suggestion chirurgischer Gerechtigkeit, geliefert wird am Ende dann meist eine grobe fiskalische Schrotflinte. Statt „den Reichen“ trifft es am Ende alle. Genauso wird übrigens die Vermögenssteuer der SPÖ in Österreich enden: Sie wird irgendwann als teure Grundsteuer der Mittelschicht auftauchen.

Das ist natürlich der klassische Trick einer linken progressiven Großstadtpolitik. Im Wahlkampf wird der Millionär als unerschöpfliche Geldquelle vorgeführt, im Regierungsalltag entdeckt man dann, dass Kapital mobil ist, Investitionen ausweichen und Steuerkompetenzen anderswo liegen. Andi Babler lässt grüßen. Mamdani ist damit nicht besonders originell gestartet, sondern ganz schulbuchmäßig im Handbuch der linken westlichen Möchtegernrevoluzzer. Selbst ein kleiner Protestmarsch seiner sozialistischen Verbündeten in New Yorks Hauptstadt Albany änderte nichts daran, dass die ebenfalls demokratische Gouverneurin Hochul bei noch höheren Einkommensteuern hart blieb. New York erhebt nämlich jetzt schon in den USA enorm hohe Steuern und ein weiterer Steuerrekord hätte wohl ein beschleunigtes wirtschaftliches Ausbluten zum Umland oder nach Florida und Texas zur Folge. Die Mamdani Pose war also medial schön radikal vorgetragen, das Ergebnis blieb allerdings ernüchternd. Genau hier entlarvt sich der linke Populist: Nicht an mangelndem Pathos, sondern an seiner strukturellen Ohnmacht diese Ideen vernünftig umzusetzen.

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Freie Busse, städtische Läden, teure Illusionen

Auch Mamdanis andere Lieblingsideen klingen in der digitalen Echokammer des Wahlkampfs und in Onlineforen besser als im Stadtbudget und in der konkreten Politik. Kostenlose Busse und städtische Lebensmittelgeschäfte lassen sich als soziale Romantik wunderbar vermarkten. Doch selbst bei wohlwollender Betrachtung zeigt sich: Die Finanzierung der Gratisbusse ist unsicher und die groß angekündigten City-Grocery-Stores sind eher ein Symbolprojekt als eine tragfähige Neuordnung urbaner Versorgung. AP berichtete bei seiner 100-Tage-Bilanz, dass Mamdani zwar an beiden Vorhaben festhält, die Finanzierungsfrage aber weiter offen ist. Das ist die höfliche amerikanische Formulierung für ein sehr altes Problem: Vision ohne Rechnung. Nun sollen aber 70 Millionen Dollar bereit gestellt werden, um fünf (!) städtische Supermärkte umzusetzen. So sieht unter Sozialisten dann ein vernünftiger Umgang mit Steuergeldern aus.

Gerade hier wird sichtbar, wie sehr linker Populismus vom Bühnenlicht und gewogenen Medien und Journalisten abhängt. Ein Bus ist in diesem phantasierten Bild linker Politik nämlich kein Verkehrsmittel mehr, sondern ein moralisches Statement. Ein städtischer Supermarkt ist kein 08/15 Unternehmen, sondern eine „Manifest gegen den Markt“, ein vermeintlicher Sieg gegen den Kapitalismus. Nur funktioniert eine 10-Millionen-Stadt wie New York City nicht mit Predigten. Sie basiert auf Einnahmen, Personal, Logistik und Vertrauen. Wer aus jedem Versorgungsproblem sofort ein staatliches Erlösungsversprechen macht, steigert nicht die Handlungsfähigkeit des Staates, sondern seine Blamagewahrscheinlichkeit. New York hat schon jetzt zu viel Verwaltung, zu viele Kosten und zu viele Probleme in diversesten Bereichen. Was der Stadt also fehlt, ist nicht noch ein sozialistisches Schaufensterprojekt, sondern ein politischer Realismus, der zwischen Armenhilfe und Dauerinszenierung unterscheiden kann.

Die SPÖ hat das Spiel in Österreich längst durchgespielt. Die eigenen Bäckereien gingen ebenso pleite, wie später die Supermarktkette Konsum. Wenn Sozialisten Privatwirtschaft spielen mit Steuergeld, endet das also meist in der Insolvenz.

Selbst die Polizei bleibt am Ende die Polizei

Besonders aufschlussreich war Mamdanis Kurs bei Sicherheit und Polizei. Im Wahlkampf stand er für die progressive Erzählung, wonach Polizei vor allem ein soziales Missverständnis sei, das man mit Reformrhetorik, Sensibilisierung und alternativen Strukturen schon irgendwie auflösen werde. Er implizierte vor Jahren gar eine mögliche Abschaffung – was in den USA ein Markenzeichen der „lunatic left“ ist. Im Amt wurde daraus dann aber rasch ein deutlich vorsichtigerer Ton. Selbst bei der umstrittenen NYPD-Gang-Datenbank (in der – Spoiler Alert -viele farbige Straftäter stehen), deren Abschaffung er einst forderte, signalisierte er zuletzt Offenheit für ein Fortbestehen. Die bloße Existenz dieses Schwenks sagt mehr über die Wirklichkeit New Yorks als tausend Aktivistenparolen. Eine Metropole mit Gewalt, Banden, Drogendelikten und sozialem Zerfall lässt sich schlicht nicht mit linker Wohlfühlrhetorik befrieden. Das Risiko einer Gewaltwelle wollte der linke Revoluzzer Mamdani dann am Ende doch nicht eingehen.

Damit zeigt sich das eigentliche Muster. Der linke Populist lebt oppositionell von der Verachtung für Institutionen, lässt sich in diese wählen und regiert am Ende mit eben diesen Institutionen weiter, weil ihm sonst die Stadt um die Ohren fliegt. Genau deshalb ist die Entzauberung Mamdanis politisch so wertvoll. Sie demonstriert, dass die radikale Sprache der urbanen Linken im Ernstfall in der Regel ein Rohrkrepierer ist, weil diese dann realitätsbezogen selbst vor ihrer eigenen Konsequenz zurückschrecken. Das ist einerseits beruhigend, andererseits ist es aber auch gefährlich, weil bis dahin bereits viel Vertrauen zerstört, viel Kapital verschreckt und viel Unsicherheit produziert worden sein kann. Wird das ganze aber mit letzter Konsequenz umgesetzt – siehe Venezuela, Kuba, Sowjetunion, … – dann wird es für ein Land erst richtig gruselig. Am Ende eines solchen Prozesses ist dann in der Regel eines weit verteilt, nämlich Armut!

Die Identitätsfrage bleibt sein politischer Schatten

Mamdani ist aber nicht nur ökonomisch und politish umstritten, sondern auch kulturell aufgrund seiner eigenen Rhetorik ein Reizsymbol. Er ist ein ziemlich präpotent auftretender muslimischen Einwanderer und erst seit 2018 überhaupt Staatsbürger der USA. Umso erstaunlicher leistet er sich aber seit Jahren radikale Ideen, seien das seine pro-palästinensischen Positionen, seine Unterstützung für das antisemitische BDS und seine Weigerung, radikale antijüdische Parolen eindeutig abzulehen. Das hat zurecht große Teile der jüdischen Bevölkerung tief verunsichert. Mamdani bestreitet freilich Antisemitismus und verweist darauf, dass Kritik an Israels Kriegspolitik nicht mit Judenfeindschaft gleichzusetzen sei. Genau hier liegt jedoch der politische Sprengstoff, denn in einer Stadt wie New York, die eine der größten jüdischen Gemeinschaften außerhalb Israels beherbergt (bis zu 25%), sind solche Grenzverwischungen keine akademische, sondern eine Frage des öffentlichen Vertrauens.

Seine betont öffentlichen muslimischen Akzente spielen dabei politisch zwangsläufig mit hinein. Politische Gegner lesen in seiner Rhetorik, seiner Milieuanbindung und seiner Nahostsprache islamistische Untertöne heraus. Bilder aus dem triumphal zelebrierten Ramadan im Rathaus 2026 haben diesen Eindruck bestärkt, wie auch seine Ehefrau, die Massaker an Juden in den Sozialen Medien likte. Gerade weil diese Deutung existiert, hätte Mamdani ein umso größeres Interesse daran haben müssen, politische Klarheit statt doppeldeutiger Milieusignale zu liefern. Er tat aber das Gegenteil und instrumentalisierte die Muslime in New York in seinem Sinne politisch.

Rama Duwaji, die Ehefrau des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani, hat auf Instagram mehrere Beiträge positiv markiert, die den Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 feiern.

https://www.juedische-allgemeine.de/politik/frau-des-buergermeisters-gefallen-social-media-beitraege-die-den-7-oktober-feierten

Fazit

Zohran Mamdani ist kein Betriebsunfall, sondern ein Symptom. Er steht für eine westliche Großstadtlinke, die jede ökonomische Spannung moralisiert, jede Ordnungsfrage psychologisiert und jede fiskalische Grenze als bloßes Vorurteil gegen das Gute behandelt. Gerade deshalb ist seine Entlarvung so lehrreich, denn sie zeigt, dass der linke Populismus am Ende immer an derselben Klippe zerschellt: Er verspricht eine Revolution und liefert Verwaltungsprosa, er predigt Klassenkampf und landet bei Grundsteuerdrohungen, er attackiert Institutionen und regiert dann mit genau ihnen weiter. So zerbricht der Mythos nicht in einer großen Explosion, sondern in tausend kleinen Rückzügen.

Für uns in Europa sollte das eine Warnung sein. Auch hier verkaufen linke Milieus ihre alten Rezepte noch immer als soziale Menschlichkeit: mehr Staat, mehr Umverteilung, mehr moralischer Druck auf Leistungs- und Eigentumsträger. New York führt gerade vor, wohin das führt. Nicht in eine gerechtere Zukunft, sondern in eine teurere, nervösere und politisch vergiftete Gegenwart. Mamdani mag für viele noch immer ein Hoffnungsträger sein, aber gerade das macht die Sache so unerquicklich: Selbst dann, wenn der linke Populist an der Realität scheitert, hinterlässt er der Stadt oft schon genug Schaden. Im Duktus der beigefügten März-Beispiele zugespitzt formuliert: Die Wirklichkeit ist auch in Manhattan der Feind jeder sozialistischen Liturgie.

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