Empörung nach Lagerzugehörigkeit: Wenn Proteste und Kriminalität erst ins Weltbild passen müssen

Als die Proteste in Frankreich schnell hochkochten, taten sich die Meinungsmacher im deutschsprachigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk sichtlich schwer. Da wurde lange von Schülerprotesten gesprochen, obwohl die Gucci-Geschäfte und Synagogen längst brannten. Dann sprang man notgedrungen auf den nächsten linksliberalen Narrativ über,  nach dem die so brutale französische Polizei diese Eskalation doch mitverursacht hätte. Als der französisische Innenminister aber den Kontrollverlust und die Abwesenheit der Polizei an vielen Brandherden eingestehen musste, kollabierte auch dieser Narrativ und aus den Plünderungen und Übergriffen wurden „schwere Unruhen“! Als politischer Beobachter offenbart sich somit im (linksliberalen) Mainstreamjournalismus das engagierte Ringen, die Proteste nicht ausschließlich Migranten und Linksextremen umzuhängen, obwohl es sich genau um diese zwei Gruppen handelte! Die hektische Suche nach einem politisch-korrekten Narrativ setzte sich dann auch noch weiter fort, etwa als das liberal regierte Frankreich öffentlich verkündete, die Täter seien alles Franzosen gewesen, obwohl ein Blick auf die Fahnen in vielen Randalevideos ein Sammelsurium aus Palästina und Afrika aufzeigte und quasi keine französische Trikolore auftauchte!

Diese Woche schoss dann in Frankreich ein Mann mit offensichtlichem Migrationshintergrund auf Passanten: Ein Mensch starb dabei, fünf weitere wurden verletzt, darunter ein zwölfjähriges Mädchen. Plötzlich kam nun von der Regierungsseite  schnell Klartext! Präsident Macron sprach beim Anschlag von rassistischem Terror. Ganz offensichtlich stimmte die „woke“ Täter-Opfer-Erzählung wieder! Fast gleichzeitig feuerten islamistische Terroristen in Jordanien auf eine christliche Trauergemeinde. Zunächst wurden sieben Tote gemeldet, am 24. Oktober stieg die Zahl dann auf neun. In Frankreich und Italien brannten Gebäude, Geschäfte wurden geplündert und Polizisten angegriffen. Unterdessen erleben Juden in Europa weiterhin antisemitische Bedrohungen. Verschiedene Schauplätze, verschiedene Hintergründe. Doch eine Frage verbindet sie: Ist uns das Leben eines Menschen gleich viel wert, auch wenn Täter und Opfer nicht in unser bevorzugtes politisches Weltbild passen?

Europa verfügt über ein nahezu unerschöpfliches Reservoir an moralischer Empörung. Politiker veröffentlichen Erklärungen, Aktivisten beziehen Position, soziale Netzwerke verwandeln Gewalttaten in ideologische Zugehörigkeitstests. Das Problem dabei ist nicht, dass über Verbrechen zu viel gesprochen wird, sondern dass Maßstäbe je nach politischer Verwertbarkeit viel zu sehr wechseln. Ein Täter aus dem gegnerischen Lager gilt als Beweis für das Versagen einer Weltanschauung. Einer aus dem eigenen Lager wird zum bedauerlichen Einzelfall. Wer erst Herkunft, Religion oder Gesinnung prüfen muss, bevor er Mitgefühl empfindet, der hat aus Moral eine Eintrittskarte für seine Echokammer gemacht. Eine freie Gesellschaft darf das nicht hinnehmen und muss das auch in den staatlichen Medien und von der Politik vehement einfordern!

Frankreich und Italien: Wenn „Proteste“ zur Ausrede für Gewalt wird

Seit Mitte Oktober erschüttern Ausschreitungen Frankreich. Bei Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten wurden Geschäfte geplündert, Polizeikräfte attackiert und Gebäude angezündet. In Limoges brannte etwa das historische Rathaus nach linksextremer Brandstiftung völlig nieder. Die Behörden wurden mit zwei Gruppen organisierter Gewalttäter konfrontiert: Jenen aus dem linksextremen antikapitalistischen und palästinafreundlichen Spektrum und jenem aus den migrantisch geprägten, oft brutalen französischen Vorstädten der Banlieues. Damit tun sich viele, sich selbst als links bezeichneten Menschen im Establishment entsprechend schwer – sofern sie sich noch im demokratischen Spektrum befinden und nicht von einer Revolution träumen und damit Gewaltexzesse rechtfertigen. Ihre Diktion von der gewaltbereiten faschistischen Rechten entpuppt sich als Mär, während Linksextreme und Ausländer plündern und brandschatzen. Zu lange wurde entsprechend zurückhaltend berichtet und das ist eirklich ein entsprechender Skandal! Der Rechtsstaat und die relevanten Mainstreammedien dürfen – auch wenn sie mit links denkenden Menschen übermäßig durchsetzt sind – bei Brandstiftung, Polizeiübergriffen und Antisemitismus keine ideologische Ausnahme gewähren. Wut erklärt vielleicht Gewalt, aber rechtfertigt sie nicht.

Auch in Mailand, Turin und Bologna kam es im Oktober 2026 zu Gewalttaten und verletzten Polizisten. Teile der Protestszene stammen aus dem Umfeld autonomer Jugendzentren, andere kamen aus den migrantischen Vororten Mailands und waren visuell leicht dem Nahen Osten zuzuordnen! Die genaue Zusammensetzung der zwei Tätergruppen in Italien ist aber noch zu klären! Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni agierte dann angesichts der überwältigenden Evidenz der Straße und von Social Media weit weniger zurückhaltend als Frankreichs Präsident Macron: Sie scheute sich nicht, die Linke hart zu kritisieren und in die Pflicht zu nehmen! Weil die Realität nicht zu leugnen war, distanzierten sich dann in Italien viele linke Kräfte von den Ausschreitungen. Entscheidend ist dabei als Beobachter nun, wie konsequent diese Abgrenzung ausfällt. Wer gegen die Teuerung und gegen schlechte Lebensumstände demonstriert, der übt sein demokratisches Recht aus. Wer aber Menschen bedroht, Schaufenster einschlägt oder Polizisten angreift und verletzt, der tut das nicht. Wirtschaftliche Not und selbst verfehlte politische Passion für islamistische Terroristen in Gaza verdient politische Antworten, aber sie erteilt keine Lizenz zur Zerstörung.

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Die Echokammer produziert Empörung nach Bedarf

Die auf den Straßen vorgetragene Empörung ist in sozialen Netzwerken längst zur Währung geworden. Eine Yale-Studie von 2021 zeigte anhand von Millionen Tweets, dass sogar positive Reaktionen auf empörte Beiträge spätere Empörungsäußerungen begünstigen. Auch die Normen des eigenen Netzwerks prägen das Verhalten. Eine US-Untersuchung von 2026 fand parteipolitische Doppelstandards bei der Bewertung politischer Gewalt – bei Anhängern beider großer amerikanischer Parteien. Wenn die eigene Seite auf der Täterseite vertreten war, ordnenten die Amerikaner Taten ganz anders ein, als wenn die Gegenseite betroffen war! Studien wie diese beweisen in Europa natürlich keine konkrete Voreingenommenheit einzelner Europäer, aber sie bilden natürlich auch hierzulande die veröffentlichte wie diskutierte Realität ab. Keine politische Richtung ist vor diesem Mechanismus der selektiven Wahrnehmung immun: Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe kann das Urteil über dieselbe Gewalttat verzerren.

Die Randalierer auf den Straßen sind zudem auch „Zombis“ einer digitalen Welt, die von realen Kräften beeinflusst und gesteuert werden! Während islamistische Gruppen aus dem Iran oder aus Katar längst die europäischen sozialen Netzwerke mit Propaganda und Geld gezielt bearbeiten, um die Jugend einzunehmen, säen auch China und Russland gezielt Dissens! Frankreich entpuppt sich also als schwaches Glied einer westlichen Kette, sehr zur Freude der chinesischen Staatspropaganda, die das Land der eigenen unterdrückten Bevölkerung nun als Negativbeispiel darstellen kann! Auch Russland sät in Europa Dissens, um die Ukrainefront der Europäer gegen sich aufzubrechen! Eine historische Rückschau wird also wohl irgendwann teilweise hervorarbeiten können, wie Linksextreme und Migranten als „menschliche Prellbocks“ eingesetzt wurden, um ihr eigenes Land zu destabilisieren! Getragen von vermeintlich hehren Anliegen, die aber fiskalisch für das Frankreich des Jahres 2026 ein völlig unrealistischer Wunsch ans Christkind sind!

Fazit

Die Schüsse von Trappes, das Massaker an einer jordanischen Trauergemeinde, die Ausschreitungen in Frankreich und Italien und der anhaltende Antisemitismus erzählen keine einheitliche Geschichte über Herkunft oder Religion. Sie zeigen unterschiedliche Formen von Gewalt und damit einhergehend die Versuchung, sie nach Lagerzugehörigkeit zu bewerten. Täter und Ideologien sind nicht austauschbar; manche Motive sind noch ungeklärt. Austauschbar sollte allein die moralische Reaktion sein: Mitgefühl mit den Opfern, klare Ächtung der Gewalt und der Anspruch auf rechtsstaatliche Aufklärung.

Europa muss sich von der Illusion verabschieden, die eigene politische Gesinnung garantiere moralische Integrität und diese sei stets ein Maßstab für die Realität. Das ist im Falle des Linksliberalismus offensichtlich nicht länger der Fall! Was schon immer eine Ideologie des Wunschdenkens war, hat sich leider zu einer Politik und Medienlandschaft des Wunschdenkens entwickelt! Charakter zeigt sich immer dann, wenn die Wahrheit dem eigenen Lager widerspricht. Davon sehen wir aber leider herzlich wenig und wenn ein Politinfluencer „Andreas Grassl“ das offensichtliche arabisch-afrikanische Stadtbild in Frankreichs Plünderungen beklagt, wird er sofort verbal niedergeprügelt, weil er keine mathematische Analyse seiner Beobachtungen vorlegen kann!

Wir brauchen keine Empörung, die auf Kommando aufflammt und nach Parteifarbe verstummt, sondern Maßstäbe, die politischem Druck standhalten. Terror bleibt Terror. Mord bleibt Mord. Antisemitische Einschüchterung bleibt Unrecht. Und Protest verliert seinen demokratischen Anspruch, wo Gewalt beginnt. Wer Gewalt nur dann verurteilt, wenn sie dem eigenen Weltbild widerspricht, verteidigt keine Werte: Er verrät sie. Wer das preisgibt, beschädigt das Fundament unserer Freiheit.

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Links & Quellen

https://www.deutschlandfunk.de/1-300-festnahmen-nach-gewalt-in-frankreich-proteste-auch-in-anderen-laendern-100.html