Die österreichischen Medientage: News vom Austro-Journalismus!

Kurierchefin Martina Salomon im Gespräch mit ORF-Generaldirektor Roland Weißmann und Journalist Christian Wehrschütz

Wie jedes Jahr fanden auch heuer wieder die österreichischen Medientage statt, veranstaltet von Horizont und dem Manstein Verlag am Erste Campus in Wien. Wir vom März waren erstmals präsent und durften uns dabei unter die mediale Elite Österreichs und teils auch jene Deutschlands mischen! Gleich vorab: Die österreichischen Medientage waren ein großartiges Event und sind jedem interessierten Politik- und Medienbeobachter nur zu empfehlen: Tickets wie Informationen fanden sich für 2022 (und finden sich wohl künftig für 2023) hier: https://www.medientage.at/

Was sind nun die österreichischen Medientage? Sie sind DAS österreichische mediale Branchenevent und die Kulisse für medialen Neuerungen, Debatten und ein Ort des Meet&Great. Hier trifft man Journalisten, Verleger, Werber und kann Netzwerke knüpfen und ja, die österreichischen Medientage sind auch der Ort, wo einer der vielen Journalistenpreise verliehen wird. Dabei kam es heuer auch zu durchaus spitzen Ansagen etwa in Richtung einiger ORF-Stars, die ihre einseitige politische Meinung auf Social Media nur zu gerne teilen:

Dass der ORF öffentlich-rechtlich ist, macht nicht aus jedem ORF-Mitarbeiter einen Engel. Journalisten riskieren viel zu oft ihren Ruf und den ihrer Medien, weil sie ihre Reichweiten auf Twitter etwas zu sehr genießen.

Staatsoperndirektor Bogdan Roščić

Präsent war in Form von Europaministerin Karoline Edtstadler und Medienministerin Susanne Raab natürlich auch die Politik, wie das folgende Bild der Medienministerin im Gespräch schön zeigt.

Medienministerin Susanne Raab im Gespräch

Mediale Trends 2022

Das Angebot an Medien, Social Media Plattformen, Fernsehsendern et cetera wächst kontinuierlich. Streaming, neue Formate und neue Ideen kommen beständig dazu und bereichern das mediale Geschäftsmodell. Das gilt übrigens auch für die schlechten Nachrichten auf diesen Plattformen, seien es nun jene aus der Ukraine, von Corona oder jene aktuell gerade ausgelöst durch die Energiekrise und die enorm hohe Inflation. Es gelte in Zeiten wie diesen daher, die Leute weiterhin zu informieren, so ORF Generaldirektor Weißmann bei den österreichischen Medientagen, auch wenn sich eine „gewisse Nachrichtenmüdigkeit“ breitmache. Es brauche aber auch seichtere Unterhaltung im Medien- und Nachrichtenmix, um beim Blick auf die Nachrichten nicht ganz depressiv zu werden.

Die Zukunft des Journalismus ist zweifelsohne eine digitale. Wir vom März sind als kleiner Online-Blog hier voll im Trend, nicht zuletzt weil Papierkosten sich dieses Jahr verdoppelt haben und steigende Energiekosten klassischen Zeitungsjournalismus immer unfinanzierbarer machen., sofern Leser nicht bereit sind, für eine gedruckte Zeitung mehr Geld auszugeben als bisher.

Der ORF als größtes Medienhaus (mit einem Budget von rund 1 Mrd. Euro) hadert hier mit österreichischen Gesetzen, die seiner weiteren digitalen Expansion im Weg stehen. So müssen Inhalte des ORF in der Tvthek bereits nach 1 Woche gelöscht werden, was in unserem digitalen Zeitalter ziemlich anachronistisch anmutet. Dennoch findet man natürlich auch den ORF digital, etwa in Form der ZIB auf TikTok oder natürlich auch auf Instagram und Facebook. Besserung in dieser Hinsicht gelobte Medienministerin Raab hier bei den österreichischen Medientagen in Form eines neuen Mediengesetzes.

Ebenso wird sich zeigen, ob künftig jeder Haushalt den ORF statt über die GIS künftig über eine Haushaltsabgabe nach deutschem Vorbild finanzieren muss. „Schuld“ daran ist der Verfassungsgerichtshof, der festgestellt hat, dass künftig auch Leute für das Streamen, ORF-Gebühren zahlen müssen.

Die „blaue Seite“ des ORF

ORF: Der Streit um die „blaue Seite“ (https://orf.at/)

Die privaten Medien setzen im Internet zunehmend auf bezahlte Inhalte, um ihr analoges Geschäftsmodell (Zeitungsverkauf) ins Internet zu übertragen und die dortige Gratis-Mentalität wieder etwas einzufangen. Dabei hilft ihnen wenig, dass der ORF als größtes Nachrichtenmedium des Landes mit seiner blauen Seite (aka https://orf.at/) ein sehr reichweitenstarkes zeitungsähnliches Angebot am Start hat. Wer zahlt denn noch für Onlineinhalte der Presse (https://www.diepresse.com/), Kleine Zeitung (https://www.kleinezeitung.at/) und Co. wenn der ORF ähnliche Inhalte im Kurz-Format gratis auf seiner Website zur Verfügung stellt? Dies war naturgemäß eines der Themen der österreichischen Medientage.

Die Gratisangebote des ORF führen zu einem Marktversagen!

VÖP-Chef Stögmüller (Verband Österreichischer Privatsender)

Finanziert wird der ORF mit Gebührengeldern, während die privaten Medien diese naturgemäß nicht bekommen. Es gibt also infolge der staatlichen Gelder eine gewisse Marktverzerrung. Dies räumt auch ORF-Chef Roland Weißmann ein und versprach daher auf den Medientagen eine Reduzierung der blauen Seite im Umfang um rund 50%. Weniger Inhalte und mehr Videos sollen sich künftig dort finden, sodass die Konsumenten nicht länger so viele Artikel und Kurzartikel gratis und in kompakter Form vorfinden werden.

Fazit: Die blaue Seite wird vom ORF freiwillig um 50% im Umfang reduziert werden. Ebenso wird es künftig weniger Text und mehr Bewegtbild geben. Ziel ist es hier, auf diese Weise die Abomodelle der privaten Medien nicht länger so stark zu untergraben ,um die österreichischen Medien besser finanzieren zu können!

Hochkarätige Debatten gab es auch um den Zustand der Wirtschaft in unruhigen Zeiten

Die Zukunft der österreichischen Medienlandschaft

Bei den österreichischen Medientagen ging es natürlich auch um die Zukunft der österreichischen Medienlandschaft. Radio, Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften konkurrieren um einen immer kleineren Markt, denn über das Internet werden natürlich auch viele Medien aus dem deutschsprachigen oder globale aus dem englischsprachigen Raum konsumiert. Die Zuschauer sehen heute das Begräbnis der Queen auch auf BBC und News aus Afghanistan oder der Ukraine finden sich zuallererst auf CNN.

Dazu kommen wegbrechende Werbeeinnahmen, weil Google, Facebook, Tiktok, Instagram und Co. einen immer größeren Anteil der Werbegelder aufsaugen. Aktuell sind das 2 Milliarden vom rund 4 Milliarden schweren österreichischen Werbemarkt. Das Werbegeld der österreichischen Wirtschaft, welches einst fast 1:1 den Journalismus bei Presse, Standard und Co. finanzierte, landet also nun immer stärker bei den Milliardenkonzernen im Silicon Valley.

Eines sollte jedem Österreicher klar sein: Qualität in der Berichterstattung kostet. Auch wir hier beim März opfern, wie jedes andere Medium auch, unsere Zeit und unser Geld, um Artikel zu verfassen und dann zu publizieren. Gleichzeitig kommt durch die Werbung immer weniger Geld herein. Die österreichischen Medien werden deshalb immer stärker abhängig von Medienförderung und Inseraten. Besonders in der Coronazeit haben sich hierzulande viele Medienhäuser damit über Wasser gehalten.

„Der März“ auf den österreichischen Medientagen

In eigener Sache

Auch den März, also uns, kann man finanziell unterstützen. Wir würden uns über jeden Beitrag Ihrerseits sehr freuen, denn er würde uns unsere journalistische und auch lektorische Arbeit erleichtern.

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