
Während in Washington im Weißen Haus des Donald Trump noch immer von einem „kurzen, notwendigen Krieg“ gegen Teheran die Rede ist, zeichnet sich am Golf seit Monaten längst ein anderes Bild ab. Seit die USA und Israel am 28. Februar gemeinsam gegen den Iran losschlugen, ist die Straße von Hormus, durch die einst rund ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion verschifft wurde, faktisch geschlossen. Tanker meiden nach iranischen Drohungen die Passage, iranische Schnellboote und Drohnen greifen weiterhin Schiffe an und was von Trump und Israels Premierminister Netanyahu als chirurgischer Schlag gegen das Atomprogramm verkauft wurde, ist zu einem langen zähen Abnutzungskrieg geworden, der inzwischen den siebten Monat zählt.
Je länger dieser Konflikt dauert, desto mehr erholen sich die Gegner des Westens und können via Iran neuen Druck auf die Weltwirtschaft, die USA und ihre Verbündeten ausüben! Somit entpuppt sich bei nüchterner Betrachtung dieser Krieg als eine Kette westlicher Fehlentscheidungen. Der Ölpreis ist seit Kriegsbeginn um über 50 Prozent gestiegen, die amerikanischen Munitionslager für die Raketenabwehrlager sind massiv geplündert, Kiew wartet deshalb vergeblich auf Nachschub und muss Nacht für Nacht schwere Raketen- und Drohnenangriffe wehrlos hinnehmen! Ausgerechnet der, dank Ukraine, wirtschaftlich massiv angeschlagene Wladimir Putin kassiert nun mit weniger Erdölproduktion (dank ukrainischer Drohnenangriffe auf Raffinieren) wieder mehr Einnahmen und kann den Ukrainekrieg weiter fortsetzen. Wer diese Abfolge an Ereignissen durchgeht, fragt sich also zwangsläufig, ob hier noch amerikanische oder westliche Interessen verfolgt werden oder ob nicht mit jedem Tag immer mehr das eintrifft, was man sich im Kreml nicht besser hätte ausdenken können.
So far, it hasn’t happened. Might happen, but we take care of things.
Donald Trump, auf die Frage nach der Houthi-Blockade gegen Saudi-Arabien, Oval Office, Juli 2026
Der militärische Vorstoß der Huthis auf Bab al-Mandab, die zweite wichtige Mehrenge des Nahen Ostens, bringt weiteres Eskalationspotential mit sich. Davon sind vor allem die Golfaraber und die Europäer betroffen, die über den Suezkanal und diese Meerenge Handel mit Asien betreiben! Weil Trump saudische Ansuchen um Hilfe ablehnte und gleichzeitig die US-Luftabwehr erschöpft ist, sind die USA (und damit der Westen) im Nahen Osten wohl so schwach wie schon lange nicht mehr!

Die Front, die niemand einplante
Als Washington und Jerusalem im Februar den Angriff auf den Iran beschlossen, wurde der Preis dafür öffentlich kleingeredet. Die Straße von Hormus, für ein Fünftel des Welthandels mit Öl verantwortlich, sollte binnen weniger Wochen wieder gesichert sein, sobald das iranische Regime in die Knie gezwungen war. In Interviews spielten Trump und sein Verteidigungsminister Hegseth das Risiko einer Blockade gleich ganz herunter, obwohl US-Geheimdienste den Präsidenten gewarnt hatten! Am Ende trat dann aber leider das Gegenteil ein: Aus der Angst um das eigene Überleben legten die Iraner die Wasserstraße mit Drohungen lahm. Der Brent-Preis für Rohöl, der vor Kriegsbeginn bei rund 65 Dollar lag, kletterte im Mai auf 114 Dollar und pendelt seit dieser Woche wieder über der 100-Dollar-Marke, nachdem die USA ihre Blockade durchgesetzt und Teheran mit neuen Angriffen auf Schifffahrt und Infrastruktur reagiert hatte. Diesel kostet in amerikanischen Bundesstaaten inzwischen Rekordpreise und was als begrenzte Militäraktion verkauft worden war, bindet seit einem halben Jahr erhebliche Teile der amerikanischen Marine im Persischen Golf.
Während die US Navy noch versucht, die Straße von Hormus für Tanker halbwegs passierbar zu halten, hat sich mit der Houthi-Blockade der Bab-el-Mandeb-Straße eine zweite Front aufgetan, die Riad seit Wochen fassungslos macht. Saudi-Arabien hatte seine Ölexporte über die Route bei Yanbu via Rotes Meer massiv ausgeweitet, nachdem Hormus praktisch unpassierbar geworden war. Statt über ihre östlichen Häfen pumpten die Saudis also das Öl quer durchs Land in ihre westlichen Häfen und von dort auf Tankschiffe! Genau dort setzten die vom Iran unterstützten Houthi im Juli mit Angriffen und einer Blockade an! Sie zerstörten die saudische Ost-West-Pipeline, griffen dann saudische Tanker im Roten Meer an und rollten binnen weniger Wochen die gesamte jemenitische Rotmeerküste hinunter vor. Drohnenangriffe legten also eine zentrale saudische Ost-West-Pipeline lahm und gleichzeitig verhängten die Huthis eine Schiffblockade gegen die Saudis. Damit setzen die Huthis auf die Strategie, die Saudis von ihren dringend benötigten Einnahmen abzuschneiden! Wer wie Saudi Arabien lange glaubte, als Weltmarktführer für Öl im Ernstfall auf amerikanischen Beistand zählen zu können, muss die letzten Kriegsmonate nun als Weckruf verstehen.
Der Krieg dauert bereits viel zu lange und erlaubt dem Iran mit russischer und chinesischer Hilfe und seinem traditionellen Terrornetzwerk, weitere Karten wie die Huthis in Position zu bringen! Deren irreguläre Armee dürfte bei der Mannstärke mittlerweile größer sein als die regulären saudischen Streitkräfte und dazu ist sie weit kampferfahrener, motivierter und damit gefährlicher! Geld und teure Abfangraketen gewinnen im Nahen Osten offensichtlich keine Kriege mehr, wenn der Gegner listenreich auf Low Tech und Opferbereitschaft setzt!
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Jemen: Geisterbataillone und ausbleibende Jets
Wie hohl die ganze saudisch-amerikanische Rückendeckung der regulären Armee im Jemen in Wahrheit war, zeigte der Fall der strategischen Hafenstadt Mocha am vergangenen Donnerstag. Die dort stationierten jemenitischen Bataillone existierten laut einer CNN vorliegenden westlichen Quelle größtenteils nur auf dem Papier: Die Listen waren mit „Geisternamen“ aufgebläht, die Sold kassierten, ohne je an der Front gestanden zu sein, sodass die tatsächliche Kampfkraft nur rund ein Fünftel der gemeldeten Stärke betrug. Als die Houthi-Kämpfer zu einem massiven Angriff anrückten, wandten sich jemenitische Generäle verzweifelt an das amerikanische Zentralkommando CENTCOM und erhielten die Zusicherung, Washington beobachte die Lage genau, saudische Kampfjets seien unterwegs. Am Ende flog dann wohl mangels Sinnhaftigkeit kein einziger. Somit tut sich eine Parallele zu Afghanistan 2021 auf, wobei allerdings die Meerenge von Bab al-Mandab viel zu wichtig ist, um sie den Huthis länger zu überlassen!
Ein regionaler Gesprächspartner nannte das Endergebnis gegenüber „CNN“ dann ein Desaster epischen Ausmaßes. Verschärfend kam hinzu, dass die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Truppen bereits im Jänner auf saudisches Drängen abgezogen hatten, ohne dass die frei gewordenen Stützpunkte je wieder besetzt wurden. Die Emirate und die Saudis sind nämlich seit geraumer Zeit miteinander politisch und militärisch im Clinch und finanzieren jeweils andere Armeen und Milizen in Konflikten wie dem Sudan oder eben im Jemen. Kronprinz Mohammed bin Salman bat Trump dann in der Not persönlich um einen Militärschlag gegen die Houthi. Trump lehnte das kurz vor den Wahlen in den USA aber ab! Vor Ort gibt es die amerikanische militärische Unterstützung ja längst! Mehr als hundert amerikanische Militärberater unterstützen dort die saudischen Operationen gegen die Huthis ohnehin seit Jahren.
Putins Gewinn aus Washingtons Not
Der eigentliche Skandal mit Folgen für Europa liegt jedoch weniger direkt am Golf, sondern in Washington selbst. Um die explodierenden Energiepreise abzufedern, hob das amerikanische Finanzministerium im März die Sanktionen gegen russisches Öl, das bereits auf Tankern lag, für dreißig Tage auf und erlaubte Indien zusätzlich, sanktioniertes russisches Rohöl aus festsitzenden Schiffen zu kaufen. Die Kremlführung, die zuvor monatelang um genau diese Lockerung gerungen hatte, bekam sie geschenkt – als Kollateralnutzen eines Krieges gegen einen Verbündeten Moskaus. Senator Angus King errechnete im Streitkräfteausschuss, Russland habe binnen zwei Kriegswochen rund sechs Milliarden Dollar an Zusatzeinnahmen eingestrichen. Kanzler Friedrich Merz stellte trocken fest, es gebe derzeit ein Preis-, aber kein Versorgungsproblem – und fragte, welche zusätzlichen Motive Washington bewogen hätten. Aktuell wiederholt sich diese Politik erneut und zwar mit der Anweisung Trumps an die Ukraine, die Dieselproduktion der Russen nicht länger anzugreifen!
Noch gravierender ist der Zustand der amerikanischen Raketenabwehr. Nach Einschätzungen des Center for Strategic and International Studies hat der Krieg gegen den Iran bis zu drei Fünftel der Patriot-Bestände und rund die Hälfte der THAAD-Bestände aufgezehrt, ohne dass eine rasche Wiederauffüllung in Sicht wäre – die Wiederbeschaffung werde Jahre dauern. Die Folgen davon trägt vor allem die Ukraine, denn Kiew hat seine eigenen Patriot-Bestände praktisch aufgebraucht. Deutschland hat ein Drittel seiner Systeme abgetreten und Polen hat weitere Abwehrraketen geschickt, ohne den eigenen Bedarf decken zu können. Währenddessen laufen Russlands Nachtangriffe auf ukrainische Städte ungebremst weiter. Wer glaubt, ein derart geschwächtes Abwehrschild sei der Preis für einen offenen Nahostkrieg, hat die Kernaufgabe amerikanischer Sicherheitspolitik – Abschreckung durch Stärke – bereits aufgegeben. Die Amerikaner und ihre Verbündeten sind entzaubert. Saudi Arabien hat sich deswegen kürzlich seine eigene Mini-NATO mit Pakistan und der Türkei im sogenannten Mekka-Verteidigungspakt gebastelt. Ob diese ihren ersten kriegerischen Härtetest im Ernstfall allerdings überstehen wird, darf bezweifelt werden.
Fazit
Die vergangenen sieben Monate haben gezeigt, wie schnell vermeintliche amerikanische, israelische und damit westliche Stärke in ihr Gegenteil umschlägt, wenn ihr die strategische Kohärenz fehlt. Wer einen Krieg gegen den Iran führt, ohne die eigenen Munitionsreserven vorab aufzufüllen, wer Sanktionen gegen Russland lockert, um dessen Folgen abzufedern und wer einen Partner wie Saudi-Arabien an einer zweiten Front im Stich lässt, betreibt keine Außenpolitik im amerikanischen Interesse, sondern liefert dem gegnerischen Lager, der „Achse der Dikatoren“, ihre Argumente frei Haus. Die trumpsche Lebenslüge, dieser Krieg diene der Stabilität am Golf, wird sich als teure Illusion erweisen, sobald die Rechnung in Form von 150 oder 200 Dollar pro Barrel bei den Verbrauchern ankommt. Auch der Iran steht wirtschaftlich vor dem Kollaps, weshalb in diesem „geopolitischen Spiel“ das finale Blatt noch nicht verteilt wurde! Bis dato sieht es für die USA aber wenig prickelnd aus! Beide Seiten stecken in einem Krieg aus Prestigegründen fest und finden keinen gesichtswahrenden Ausweg!
Wer die politische Ordnung am Golf im westlichen Sinne tatsächlich sichern will, müsste zuerst die eigene Handlungsfähigkeit sichern – durch volle Munitionslager, durch verlässlichen Beistand für Partner wie Riad und vor allem durch eine Sanktionspolitik gegenüber Moskau, die nicht bei jeder neuen Krise geopfert wird. Solange Washington stattdessen von einer selbstverschuldeten Eskalation in die nächste taumelt, wird sich am Ende dasselbe Muster wiederholen: hohe Preise, leere Lager – und ein selbst angeschlagener Kreml, der sich derweil wirtschaftlich dank hohem Ölpreis die Hände reibt. Sollte der Seeweg über den Suezkanal dank Huthi-Angriffen im Roten Meer schließen müssen, wäre das auch für Europa wirtschaftlich ein schwerer Schlag!
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