Leak: Wie der Ukraine-Krieg in 8 Szenarien enden könnte!

Hacker sind offenbar an ein bemerkenswertes internes Papier der größten russischen Bank, der staatlich kontrollierten Sberbank, gelangt. Darin wird aus mutmaßlicher Sicht russischer Finanzstrategen durchgespielt, wie der Krieg gegen die Ukraine enden könnte. Das unabhängige Exilmedium Meduza hat diese Analyse nun öffentlich gemacht – und ihr Inhalt dürfte sowohl in Moskau als auch in europäischen Hauptstädten für Aufmerksamkeit sorgen, denn der große russische Triumph, den die Kreml-Propaganda seit Jahren beschwört, spielt in dieser internen Szenarienwelt nur noch eine Nebenrolle: Das von der Hackergruppe „Black Mirror“ veröffentlichte und der Sberbank zugeschriebene Papier beziffert die Wahrscheinlichkeit eines entscheidenden russischen Militärsieges auf gerade einmal sieben Prozent. Den beiden mit Abstand wahrscheinlichsten Varianten – einem von Donald Trump erzwungenen Deal vor den US-Midterms 2026 sowie einem „koreanischen“ Einfrieren der Front – räumt die Analyse dagegen zusammen 54 Prozent ein. Damit zeichnet das Papier ein weit nüchterneres Bild des Krieges, als es die offiziellen Siegesparolen aus Moskau vermuten lassen. Das ist brisant und vielleicht hat die Sberbank auch deshalb seine Authentizität bis heute nicht bestätigt! Vielleicht ist das Papier auch nur gut erfunden, aber es gibt jedenfalls einen diskutablen Mix an Szenarien wieder, die wir hier nun vorstellen wollen!

Noch wichtiger als die geschilderten Szenarien ist die Logik dahinter: Das Memo analysiert Ressourcen, Mobilisierung, Sanktionen und westliche Geschlossenheit. Nicht die Seite mit der schönsten Erzählung gewinnt den Krieg, sondern jene, die militärische Ziele, wirtschaftliche Belastbarkeit und politische Kosten am realistischsten verkraften kann und will! Putin träumt wohl weiter vom Einknicken der Ukraine und der Westen träumt vom Sieg der Ukraine, aber beide absoluten Szenarien sind nach 4 Jahren Krieg erfahrungsgemäß wenig wahrscheinlich! Interessant sind daher die Zwischenszenarien: Zu 12% rechnet das Papier etwa mit einer Erschöpfung im Westen, infolgedessen die Ukraine wichtige Militär- und Finanzhilfen verliert! Aber auch dann würde der Krieg „nur“ eingefroren werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Fortsetzung des Krieges für weitere zwei Jahre schätzt man dagegen auf 15%, was dafür spricht, dass nun beide Seiten endgültig zunehmend erschöpft sind! Ein Kompromissfrieden, bei dem Russland 2 der 4 besetzten Regionen wieder abtreten muss, liegt bei 5% Wahrscheinlichkeit. Ein absoluter Sieg der Ukraine und ein Kollaps von Russland wiederum wird mit 2% Wahrscheinlichkeit erwartungsgemäß niedrig bewertet!

Frontverlauf in der Ukraine: Rot bedeutet hier russisch besetztes Gebiet, grün von der Ukraine zurückerobertes Gebiet;
Quelle: https://deepstatemap.live/en#6/47.9457865/36.4206336

Russland stößt an seine Grenzen

Das bemerkenswerteste Detail dieser Analyse ist die Definition dessen, was ein wirklicher russischer Sieg überhaupt verlangen würde. Das Szenario eines entscheidenden militärischen Vorteils setzt laut Papier eine neuerliche Mobilisierung von 300.000 bis 500.000 Soldaten voraus. Die laufende Rekrutierung reiche im Wesentlichen nämlich nur dazu, Verluste zu ersetzen, nicht aber, neue große Offensivverbände aufzubauen. Zusätzlich müsste Russland seine rückwärtige Luftverteidigung verbessern, die Luftunterstützung massiv ausweiten und womöglich einen technologischen Sprung bei autonomen Drohnenschwärmen schaffen. All das zusammen erhält lediglich sieben Prozent Wahrscheinlichkeit. Diese Einschätzung klingt also weniger nach einer bevorstehenden russischen Siegesparade als nach der nüchternen Kalkulation einer Bank, die weiß, dass auch große Staaten wie Russland keine unbegrenzten Ressourcen besitzen.

Politisch unangenehmer würde es etwa im Zuge einer etwaigen großen Mobilisierung von Russen, die so gezwungen werden würden gegen ihren Willen in der Ukraine zu kämpfen. Das Dokument behauptet, Putins tatsächliche Zustimmung liege bei 55 bis 65 Prozent und könnte durch eine neue Mobilisierungswelle um weitere zehn bis 15 Prozentpunkte sinken. Diese Zahlen sind freilich nicht unabhängig bestätigt und dürfen daher nicht wie amtliche Meinungsforschung behandelt werden. Interessant ist aber vielmehr die Logik dahinter: Der Kreml kann den Krieg zwar militärisch eskalieren lassen, aber eben nicht länger kostenlos. Russland ist groß, hat aber keine unbeschränkten menschlichen Ressourcen. Je tiefer der Staat in die Gesellschaft mit Rekrutierungen eingreift, desto stärker wird aus einem Krieg im Fernsehen ein persönlicher Krieg für Millionen Familien. Genau deshalb dürfte eine Massenmobilisierung aus Sicht jeder russischen Machtelite die politisch gefährlichste Karte sein.

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Der wahre Favorit heißt nicht Sieg, sondern Einfrieren

Mit 32 Prozent Eintrittswahrscheinlichkeit führt im Papier die sogenannte „Trump-Lösung“ das Ranking an: Die Front wird nach Druck der USA eingefroren, die Ukraine bleibt außerhalb der NATO! Dafür fällt dann ein Teil der Sanktionen gegen Russland und Washington akzeptiert die russische Kontrolle über die besetzten Gebiete faktisch, ohne aber die ukrainischen Grenzen von 1991 rechtlich aufzugeben. Weitere 22 Prozent erhält eine Art koreanisches Szenario: kein richtiger Friedensvertrag, keine umfassende politische Lösung, aber ein faktisches Abflauen der großen Kampfhandlungen. Zusammen stehen diese beiden Varianten somit für 54 Prozent des erwartbaren Ergebnisses in der nächsten Zeit. Das ist die reale Botschaft dieses Leaks: Weder Moskau noch Kiew setzen ihre historischen Maximalforderungen durch. Wahrscheinlicher ist eine schmutzige Zwischenlösung, bei der niemand zufrieden ist und trotzdem alle behaupten müssen, etwas gewonnen zu haben.

Für Donald Trump wäre eine solche Konstruktion politisch durchaus attraktiv. Das angebliche Memo unterstellt dem US-Präsidenten Trump den politischen Wunsch, noch vor den amerikanischen Zwischenwahlen im November 2026 einen Deal vorweisen zu können. Sein Druckmittel wäre dabei gerade seine Unberechenbarkeit: Moskau könnte mit einer weiteren Öffnung der amerikanischen Waffenarsenale für die Ukraine bedroht werden, Kiew umgekehrt mit dem Ende amerikanischer Unterstützung. Genau darin unterscheidet sich Trumps Transaktionspolitik vom europäischen Ansatz der vergangenen Jahre. Brüssel denkt gerne in Rechtspositionen, langfristigen Prozessen und Gipfelerklärungen. Trump denkt in Hebeln. Ob daraus stabiler Frieden resultiert, steht auf einem anderen Blatt. Das Papier selbst warnt, dass ein bloßer Waffenstillstand beiden Seiten drei bis fünf Jahre zur technologischen Aufrüstung geben könnte.

Europas finanzielle Bürde und Russlands kurzer Atem

Ein eingefrorener Konflikt wäre dabei für die EU wohl keineswegs billig: Die Ukraine müsste militärisch weiter hochgerüstet, wirtschaftlich stabilisiert, infrastrukturell wiederaufgebaut und möglicherweise viel schneller an die EU herangeführt werden. Gleichzeitig könnte Russland die Pause nutzen, um seine ausgezehrte Armee, die Drohnenproduktion und industrielle Kapazitäten neu zu ordnen. Ein instabiler Waffenstillstand bedeutete somit nicht zwingend Frieden, sondern wäre womöglich nur das kostspielige Vorzimmer des nächsten Krieges. Europas Politik müsste sich endgültig von der angenehmen Vorstellung verabschieden, Washington werde auf unbegrenzte Zeit zugleich Sicherheitsgarant, Hauptwaffenlieferant und geopolitischer Vollstrecker europäischer Wünsche bleiben. Die Geographie diktiert nämlich eines uneindeutig: Die Ukraine ist für die EU ein wichtiger Pufferstaat, um Russlands Expansionswillen gen Baltikum wirksam einzudämmen!

Das angebliche Sberbank-Papier enthält zugleich eine zweite Botschaft, die auch Moskaus Propagandisten weniger gefallen dürfte. Die Zeit arbeitet demnach keineswegs unbegrenzt für Russland. Die Analyse nennt einen hohen Leitzins, ein massives Budgetdefizit, sinkende Öl- und Gaseinnahmen, Schäden an Raffinerien, sowie Engpässe in Teilen der Rüstungswirtschaft als signifikante Probleme. Auch der liquide Teil des russischen Nationalen Wohlstandsfonds werde nach der Darstellung des Dokuments schrittweise aufgezehrt. Reserven schwinden und wirtschaftliche Schäden wirken sich immer mehr negativ aus! Auch Moskaus günstigstes Verhandlungsfenster könnte also nur bis zum Herbst 2026 offen sein. Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj selbst sprach am 25. August von einem Zeitfenster für amerikanische Vermittlung bis Sommer 2027. Nach Reuters arbeiten die Ukraine, die USA und europäische Partner an Vorschlägen, die eine Waffenruhe und besondere Regelungen für Teile des Donbas einschließen! Russland beharrt aber zugleich auf weitreichenden Gebietsansprüchen.

Fazit

Sollte das Sberbank-Papier wirklich echt sein, wäre seine wichtigste Botschaft für Moskau verheerend nüchtern: Der totale militärische Sieg ist selbst aus russischer Perspektive kein wahrscheinliches Ergebnis. Für Kiew und Europa ist die Botschaft aber leider ebenso unbequem: Auch die vollständige Rückabwicklung der russischen Eroberungen erscheint in diesem Modell extrem unwahrscheinlich. Zwischen diesen Wunschbildern liegt dann jene graue Zone, in der Kriege oft enden – durch Zwang, Erschöpfung, Abschreckung und unvollkommene Vereinbarungen.

Europa sollte sich deshalb von der Vorstellung verabschieden, Realismus sei Verrat und Maximalismus automatisch Haltung. Eine belastbare Ukraine braucht genügend Waffen, Geld und Sicherheitsgarantien; ein belastbares Europa braucht zugleich einen Plan für den Tag, an dem nicht Sieg, sondern ein bewaffneter Waffenstillstand auf dem Tisch liegt. Der Frieden, falls er denn 2026/27 endlich kommt, wird wahrscheinlich nicht gerecht aussehen. Entscheidend wird aber vielmehr sein, ob er denn stabil genug ist, Russland daran zu hindern, ihn als Atempause zu benutzen.

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Links & Quellen

https://meduza.io/en/feature/2026/08/25/hackers-published-a-sberbank-memo-war-gaming-eight-endings-to-the-war-in-ukraine-one-source-in-russia-s-financial-market-thinks-a-chatbot-wrote-it

https://www.diepresse.com/41202283/nutzen-wir-diesen-moment-selenskyj-sieht-zeitfenster-fuer-us-im

https://deepstatemap.live/en#6/47.9457865/36.4206336