
Brüssel hat ein bemerkenswertes politisch korrektes Talent entwickelt: Es kann eine Migrationsagenda, die Europas Bürger mit Recht skeptisch macht, in die wohltönende Sprache von „Mobilität“, „Talenten“, „People-to-People Contacts“ und „Skills“ kleiden. Was früher offen als Einwanderungspolitik diskutiert worden wäre, wandert heute durch die Hintertür der Bildungs-, Nachbarschafts- und Partnerschaftspolitik. Man verwendet dazu das in Europa höchst positiv konnotierte Wort „Erasmus“. Das klingt nach Austausch, nach Jugend, nach Zukunft und viel Party. In Wahrheit geht es mittlerweile aber um etwas viel Grundsätzlicheres: Um die politische Pläne einer Union, die ihre durchlässige Südgrenze nicht länger abschotten, sondern zugleich systematisch durch legale Kanäle durchlässig machen will. Genau darin liegt der Widerspruch – und die eigentliche Brisanz dieser Brüsseler Pläne. Ziel ist nämlich viele neue Menschen nach Europa zu holen unter der irrigen Annahme es würde helfen illegale Migration einzuschränken und Europas Wirtschaft würde das brauchen!
Besonders aufschlussreich ist dabei der Blick nach Süden: Gaza beziehungsweise Palästina auf der einen Seite, Nordafrika auf der anderen. Die EU verfolgt hier keinen singulären Masterplan mit der Aufschrift „Muslime in die Union bringen“ – so plump findet sich das in keinem offiziellen Papier. Aber die Stoßrichtung ist klar erkennbar. Einerseits erklärt Brüssel die südliche Nachbarschaft, darunter ausdrücklich Algerien, Ägypten, Libyen, Marokko, Tunesien und Palästina, zur Prioritätsregion von Erasmus+. Andererseits schließt die Union mit eben diesen Staaten oder ihren Nachbarn Migrations- und Mobilitätspartnerschaften, in denen Grenzschutz, Rückübernahme, legale Wege und Talentprogramme zusammengedacht werden. Das ist keine Verschwörung, sondern offizielle Politik. Gerade deshalb muss man sie ernst nehmen. Gleichzeitig weigern sich aber diese „Partner“ der EU, die mit Erasmus und Migrationstickets belohnt werden sollen, ihre eigenen Staatsbürger vielfach zurückzunehmen!
Die Gemeinsame Mitteilung von 2021 über eine erneuerte Partnerschaft mit der südlichen Nachbarschaft unterstreicht, dass es von entscheidender Bedeutung ist, den Zugang zu EU-Programmen für unsere südlichen Partner zu öffnen und zu erleichtern, und legt fest, dass der südliche Mittelmeerraum im Rahmen des Erasmus+-Programms weiterhin eine Prioritätsregion bleiben wird.
Europäische Kommission, Erasmus+ Arbeitsprogramm 2025, Quelle: https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2024-10/awp-erasmus-oct-2025_en.PDF

Erasmus für Gaza, Syrien & Co.
Palästina gehört in der Erasmus-Systematik der Europäischen Union zur so genannten „Southern Neighbourhood“, also genau jenem Raum, den die Kommission in ihren Planungen ausdrücklich priorisiert. Zusätzlich sieht das Erasmus-Arbeitsprogramm für 2025 und 2026 sogar Zusatzstipendien für (naturgemäß vor allem muslimische) Studierende aus Zielregionen wie dem Mittleren Osten und der südlichen Nachbarschaft vor. Parallel dazu existiert gar ein National Erasmus+ Office in Palästina, ausdrücklich für das Gebiet Westjordanland und Gazastreifen. Wer also behauptet, es gebe hier keinerlei Öffnung und die Schaffnung von weiteren Pullfaktoren in der Migration gen Europa, der ignoriert EU-Pläne.
Das bedeutet politisch etwas sehr Konkretes: Brüssel behandelt die palästinensischen Gebiete nicht bloß als humanitären Krisenraum, sondern auch als Rekrutierungs- und Austauschraum für akademische Mobilität. Man tut also so als ob der extrem islamistisch indoktrinierte akademische Output etwa aus Gaza oder aus Syrien (immerhin Heimat des IS) problemlos in Europas Hochschullandschaft inkludiert werden sollte. Der technische Jargon lautet „International Credit Mobility“, „Capacity Building“, „additional scholarships“, „people-to-people contacts“. Der politische tief progressive (und gefährlich naive) Gehalt lautet: Die EU baut institutionelle Brücken, über die Ausbildung, Netzwerke, Aufenthalte und im weiteren Sinn auch neue Migrationspfade Richtung Europa möglich werden.
Man kann das Ganze naiv gutheißen. Man sollte es aber besser kritisieren, denn schon die arabischen Nachbarländer tun alles damit die Menschen in Gaza auch genau dort bleiben wo sie sind: In Gaza. Nicht weil sie rassistisch wären, sondern weil sie deren islamistische Indoktrination fürchten. Europa hingegen will seine Tore weiterhin naiv für unzählige potentielle radikale Islamisten öffnen. Dabei lehrt die Vergangenheit wie desaströs die Folgen sein können:
9/11: Terror in den USA – Spur der Attentäter führte nach Hamburg. Mehrere Jahre bevor Atta bei dem Anschlag mit dem American-Airlines-Flug 11 mit weiteren 91 Menschen an Bord und einer unbekannten Anzahl von Opfern an der Einschlagstelle am Twin Tower stirbt, studiert er an der TU Hamburg-Harburg.
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Die nordafrikanische Doppelstrategie: Grenzen schließen, Zugänge öffnen
Noch deutlicher wird die Linie in Nordafrika: Mit Tunesien schloss die EU 2023 ein Memorandum über eine „strategische und globale Partnerschaft“ entlang von fünf Achsen, darunter „people-to-people contacts“ sowie „migration and mobility“. Mit Ägypten hob sie 2024 die Beziehungen auf eine „strategic and comprehensive partnership“ mit den Prioritäten Migration und Mobilität, Sicherheit sowie „People and Skills“; unterlegt ist das mit einem Paket von 7,4 Milliarden Euro für 2024 bis 2027. Mit Mauretanien startete die Kommission 2024 ausdrücklich eine Migrationspartnerschaft. Wer diese Abkommen nebeneinanderlegt, erkennt die Formel: Geld, Grenzmanagement, Rückführungen, legale Mobilität, Talentschienen.
„Beide Parteien kommen überein, legale Wege der Migration zu fördern, einschließlich saisonaler Beschäftigungsmöglichkeiten, um die internationale Mobilität auf allen Qualifikationsebenen anzukurbeln.“
Memorandum of Understanding zwischen EU und Tunesien, 16. Juli 2023, Quelle: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_23_3887%3Futm_source%3Dchatgpt.com
Und als wäre das noch nicht deutlich genug, erklärt die Kommission in ihrer Asyl- und Migrationsstrategie von Anfang 2026, sie wolle bestehende Talent Partnerships mit Marokko, Tunesien und Ägypten ausbauen. Das ist die eigentliche ideologische Handschrift dieser Politik: Irreguläre Migration soll eingedämmt werden, aber nicht zugunsten echter Souveränität, sondern zugunsten eines stärker gesteuerten, von Brüssel verwalteten legalen Imports von Arbeitskraft, Studenten und „Talenten“. Der Kontinent soll also nicht weniger muslimische Einwanderung in islamistische Parallelgesellschaften erleben, sondern eine andere, technokratisch veredelte Form davon. Man vermeint in Brüssel Migration nicht stoppen zu können und will diese deshalb legalisieren. Das diese Ansicht aber natürlich völliger Unsinn ist, demonstriert ein Blick in die USA unter Donald Trump, oder nach Australien.

Die semantische Tarnung der Realität
Genau hier beginnt die europäische Lebenslüge. Denn der Bürger hört „Erasmus“ und denkt an den spanischen Architekturstudenten in Wien oder die Grazerin in Bologna. Er hört „Talent Partnership“ und denkt an einige hochqualifizierte Spezialisten, die gezielt angeworben werden. Die Brüsseler Dokumente sprechen jedoch viel weiter. Sie reden von „all skill levels“, von regional priorisierten Zusatzstipendien, von legalen Wegen, von Mobilität als Kernbestandteil umfassender Partnerschaften. Zugespitzt gesagt: Aus dem klassischen europäischen Austauschprogramm wird Stück für Stück ein geopolitisches Instrument der Nachbarschafts- und Migrationspolitik. Mittlerweile machen auch Nichtstudenten mit einer Lehre „Erasmus“, womit man sich vorstellen kann welche Arbeitskräfte dann künftig aus dem Nahen Osten und Nordafrika importiert werden: Viele wenig qualifizierte.
Die Verteidiger dieser Linie werden einwenden, Europa brauche Fachkräfte, Einfluss im Mittelmeerraum und geordnete statt chaotische Migration. Das ist nicht völlig falsch. Nur verschweigt es die politische Kostenrechnung. Wer legale Kanäle aus hochgradig instabilen, kulturell oft weit entfernten und demographisch dynamischen Regionen ausbaut, verändert langfristig die kulturelle und demographische Zusammensetzung Europas. Wer „People and Skills“ mit Milliarden finanziert und Bildungsprogramme zur Prioritätsachse der südlichen Nachbarschaft macht, betreibt eben nicht nur Außenpolitik, sondern auch Demographiepolitik. Und wer diese Realität hinter dem Vokabular von Austausch und Partnerschaft versteckt, handelt nicht aufgeklärt, sondern irreführend. Zudem stehen wir vor einer KI- und Automatisierungsrevolution, die genau die klassische illegale Migration aus dem Nahen Osten völlig obsolet machen wird. Europa braucht künftig nämlich keine ungelernten Arbeitskräfte mehr.
Hinzu kommt der moralische Zynismus der Konstruktion. Nach außen verkauft die EU die Nordafrika-Abkommen als Bollwerk gegen irreguläre Migration. Nach innen betreibt sie gleichzeitig den Ausbau legaler Mobilität, von Studenten- und Talentpfaden bis zu saisonaler Beschäftigung. Die Union kauft also einerseits Grenzschutz in Tunis, Kairo oder Nouakchott ein und öffnet andererseits neue institutionelle Türen. Kritiker monieren seit langem, dass diese Deals zudem oft mit autoritär regierten Staaten geschlossen werden und menschenrechtlich heikel sind. Selbst die europäische Ombudsstelle äußerte 2024 Bedenken zum Ägypten-Deal; das Europäische Parlament problematisierte später auch die informelle und schlecht kontrollierte Konstruktion beim Tunesien-Abkommen.
Fazit
Das Resultat dieser höchst schädlichen wie naiven Politik ist eine typische Brüsseler Mixtur aus Selbsttäuschung und Hypermoral: Man will keine Bilder chaotischer Bootslandungen, aber forciert dafür sehr wohl die langfristige Umschichtung von arabisch-afrikanischer Mobilität und Migration in geregelte, unionskompatible Bahnen. Man will zwar im Sinne der Bürger die Außengrenze härter machen, aber die Eintrittskanäle für schwer integrierbare Muslime zugleich selektiv vervielfachen. Man spricht von Sicherheit und europäische Identität und organisiert parallel neue Verflechtungen, die unzählige Islamisten, Frauenfeinde und Vertreter einer fremden Kultur nach Europa holen werden. Wer darin einen Widerspruch sieht, hat die Sache verstanden. Wer darin bloß moderne Steuerung oder wichtige Symbolpolitik erkennt, unterschätzt die kulturelle und politische Langzeitwirkung.
Die EU priorisiert also künftig die südliche Nachbarschaft einschließlich Palästinas und Syriens im Erasmus-System, vergibt Zusatzstipendien für den Mittleren Osten und die Southern Neighbourhood und baut mit Nordafrika zugleich umfassende Migrations- und Mobilitätspartnerschaften aus. Wer also kritisiert, Brüssel öffne massive Bildungs- und Mobilitätskanäle Richtung Union für Gaza und Nordafrika, beschreibt im Kern eine reale und sehr gefährliche Entwicklung.
Die eigentlich relevante politische Frage ist daher nun die Frage ob irgendjemand die EU in ihren naiven Plänen einbremsen kann. Mittel- und Westeuropa haben schon jetzt ein riesen Problem mit muslimischen Parallelgesellschaften und nun will man NOCH MEHR Migration aus genau dieser Region. Während etwa in Süd- und Nordamerika ein großes Potential an europäischstämmigen Menschen wäre, die für die EU ebenfalls gewinnbar wären. Ganz ohne kukturell unüberbrückbare Barrieren. Die Frage ist, ob die kritischen Eruopäer hier endlich den Mut finden, die Dinge beim Namen zu nennen. Erasmus ist längst nicht mehr nur Erasmus. „Talent Partnerships“ sind längst nicht nur Fachkräftepolitik. Und Nordafrika-Abkommen sind vieles aber kein Grenzschutz. Alles zusammen ergibt jedenfalls eine neue Einwanderungsarchitektur der EU: technokratisch, semantisch weichgespült und demokratisch erstaunlich wenig hinterfragt. Wer Europas Zukunft und Kultur ernst nimmt, sollte sich von diesen Sirenengesängen der Brüsseler Mobilitätsrhetorik jedenfalls nicht einlullen lassen.
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Links & Quellen
https://erasmus-plus.ec.europa.eu/sites/default/files/2024-10/awp-erasmus-oct-2025_en.PDF