9/11: Die Lehre von den Anschlägen für den Westen

Terroranschläge auf das World Trade Center; Fotograph: Michael Foran, Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/35/WTC_smoking_on_9-11.jpeg

Mit dem 20 Jahrestag der Anschläge von 9/11 und dem unrühmlichen Abzugs des Westens aus Afghanistan ist es nun an der Zeit ein ungeschminktes Resümee zu ziehen. Ideologisch motiviert und angeleitet vom saudischen Islamisten und Terrorfürsten Osama bin Laden hat eine Gruppe von idR saudischen Islamisten (übrigens mit Wohnort Hamburg) die Anschläge von 9/11 durchgeführt. Fast alle der Terroristen kamen also aus Saudi Arabien und waren zudem Salafisten. Was bedeutet das sie die Anhänger einer radikalen saudischen Version des Islam waren. Der Salafismus richtet sich explizit gegen den Westen und alle anderen „Ungläubigen“.

Der Westen wurde durch diese Anschläge also militärisch wie ideologisch herausgefordert. Was nun natürlich die Frage aufwirft, welche Lehren der Westen aus diesen furchtbaren Ereignissen gezogen hat! Wurden etwa die richtigen Maßnahmen im „Krieg gegen den islamistischen Terror“ ergriffen? Welche Fehler wurden in diesem Zeitraum bis heute gemacht ? Sind alle möglichen Strategien im ideologischen Kampf mit dem Islamismus letztlich auch versucht worden? Diese Fragen werden nun im folgenden Artikel ausführlich diskutiert.

Die direkten Reaktionen des Westens auf die Anschläge vom 9/11

Die direkte Reaktion der USA und der NATO bestand in einer rasch erfolgreichen Invasion Afghanistans 2001, nachdem die dort regierenden Taliban sich geweigert hatten den Massenmörder bin Laden und seine Komplizen auszuliefern. Man griff dabei richtigerweise bei den Bodentruppen unter anderem auf die afghanische Nordallianz, die innenpolitischen Kriegsgegner der Taliban, zurück. Gemeinsam mit amerikanischen Spezialeinheiten und massiven Bombenangriffen wurden die Taliban dann erfolgreich von der Nordallianz vertrieben. Dann versuchten die Amerikaner aus dem Bündnis der alten Warlords und der kleinen afghanischen Zivilgesellschaft einen funktionierenden Staat zu formen.

Doch schon 2003 übertrieb es die Bush-Administration indem sie auch im Irak intervenierte um mit Saddam Hussein ein weiteres Mitglied der „Achse des Bösen“ zu stürzen. Mit zwei parallelen Kriegen demonstrierte man zwar das enorme militärische Potential der USA, verzettelte sich letztlich aber dann doch. Denn nirgends konnten die USA ausreichend Truppen konzentrieren um die Länder auch nachhaltig zu befrieden. Anders als Japan und Deutschland 1945 wurden sowohl der Irak wie auch Afghanistan nicht in der Breite besetzt. Der aufkeimende Widerstand konnte deshalb nicht schon im Ansatz vereitelt werden.

Weshalb sich die Taliban nach einiger Zeit im Untergrund wieder neu formieren konnten. Wenig half auch, dass der Westen sich notegedrungen auf lokale Hilfskräfte in Afghanistan wie im Irak verlassen musste, die ihre eigenen Agenden verfolgten. Und den Westen für jede Hilfe in ihrem eigenen Land teuer bezahlen liesen. Um am Ende dann doch keine Verantwortung zu übernehmen, wie der Fall Afghanistans demonstriert.

Nationbuilding im Nahen Osten

Großspurig kündigten die Amerikaner die neue Freiheit der Iraker und Afghanen von ihren Unterdrückern an. Und ignorierten dabei die Tatsache das beide Länder aus Völkern und Glaubensgruppen bestanden, die sich alles andere als positiv gesinnt waren. Die Mehrheit der Schiiten im Irak warteten bereits seit Jahrhunderten auf ihre Chance endlich der Demographie genüge zu tun und an die Macht zu kommen. Die schiitischen Iraker strömten also auf Geheis ihrer Ayatollahs zu den Urnen, was im naiven Westen Applaus über die gelungene Demokratisierung auslöste, aber am Ende doch ein willkommenes Revanchefaul für die bisher herrschenden Sunniten war. Die dann in der Folge zu den Waffen griffen, weil sie mit ihren rund 20 Prozent in der Demokratie des neuen Irak naturgemäß ihren dominanten Einfluss unter Saddam Hussein verloren.

Die Entlassung von Saddam Husseins Armee und Geheimdienst befeuerte später den IS, der mit arbeitslosen sunnitischen Saddam-Armee Kadern später den halben Irak und halb Syrien erobern konnte und eine Terrorherrschaft ohnegleichen errichtete. In Afghanistan gerieten die USA ebenfalls in ethnische Konflikte und Stammeskriege. Und bombardierten 2002 eine Hochzeitsgesellschaft, wofür sie viel Kritik einstecken mussten. Mittlerweile weiß man dass dem ein innerafghanischer Stammeskonflikt voranging. Und ein „Stamm“ die „Hochzeits-Fraktion“ bei den Amerikanern als Taliban denunzierte und die US-Lufwaffe ganz bewusst kaltblütig auf diese hetzte. In Afghanistan rüsteten die USA dann die alten Warlords ab und setzten eine korrupte Regierung ein. Eine Administration, die ohne enorme amerikanische Finanzhilfe nicht überlebensfähig war.

„Immerhin“ fiel der Irak letztlich den Schiiten zu (und damit dem Iran). Was aufgrund der klaren Bevölkerungsmehrheit eine historische wie demographische Gerechtigkeit darstellt. Dafür hätte man allerdings keinen Tag nach Saddams Sturz im Land bleiben müssen.

George W. Bush auf dem Flugzeugträger Abraham Lincoln am 01. Mai 2003
Mission leider doch nicht „accomplished“; Quelle: https://orf.at/stories/3227703/

Der militärische Preis

Für die militärisch, wirtschaftlich und politisch weitgehend wertlose Wüstenprovinz al-Anbar opferten die USA letztlich 1335 gefallene Soldaten wie über 8000 Verwundete. Mehrmals musste etwa das bis zum US-Abzug rebellische Falludscha unter schweren US-Verlusten erobert werden. Nur um dann 2011 zum zehnjährigen Jahrestag von 9/11 unrühmlich abzuziehen. Nachdem die USA sogar mit viel Geld lokale Scheichs bestochen hatten, um dieses Gebiet irgendwie zu befrieden. Lokale Eliten die 2015 ihr Gebiet dem Islamischen Staat (IS) überließen, woraufhin die irakische Armee mit US-Waffenhilfe die Provinz Anbar in schweren Kämpfen bis 2018 wieder zurückerobern musste. Insgesammt fielen im Irak 4800 Soldaten der westlichen Koalitionskräfte, darunter 4500 Amerikaner.

Im letztlich militärisch ebenso fragwürdigen Krieg in Afghanistan verloren die westliche Koalitionskräfte 3576 Soldaten, darunter 2420 Amerikaner, 456 Briten, 159 Kanadier, 89 Franzosen und 62 Deutsche. Nach mehr als 6,4 Billionen Dollar an alleine US-Kriegskosten regieren 2021 wie zuletzt 2001 wieder die Taliban. Und der Westen darf zudem mehr als 100.000 afghanische Flüchtlinge aufnehmen, die sich mit ihren Hilfsdiensten Tickets in die westlichen Sozialstaaten erarbeitet haben. Zur militärischen Schmach kam dann auch die Verantwortung für Ortskräfte die irgendwann westlichen Truppen – etwa mit Reinigungsdiensten oder Dolmetscherdiensten – assistiert hatten.

Es sind also tausende westliche Soldaten gefallen, um Hochburgen des Dschihadismus wie Afghanistan (und Pakistan) und den Irak zu befrieden. Regionen und Staaten die aber gar nicht befriedet werden wollten.

Memorial für die Terroropfer beim ehemaligen World Trade Center

Der Heilige Kriege (aka Dschihad) gegen den Westen

Nach 20 Jahren „War on Terror“ zeigt ein Blick auf den Globus das die Ideologie des Heiligen Krieges höchst lebendig ist. Bin Ladens Erbe besteht auch 10 Jahre nach seiner Liquidierung fort. Fairerweise muss man natürlich anmerken, dass der Islam seit dem 7. Jahrhundert immer wieder Heilige Kriege gegen seine Gegner erklärte und bin Laden diese Tradition lediglich vereinnahmte. Nur im Westen scheint man in diesem ideologischen Wettstreit nach 20 Jahren ideologisch immer noch ratlos zu sein. Ansonsten würde man nämlich stärker daran arbeiten mit den Herausforderungen des radikalen Islams umzugehen. Sowie sich die 9/11 Attentäter einst großteils in Hamburger Moscheen (!) radikalisierten, so existieren mittlerweile in allen westlichen Ländern unzählige radikalislamische Moscheen. Moschen mit radikalen Imamen, die ungehindert ihre antiwestliche Message mitten im Westen fast ungestraft predigen können. Die westliche Religionsfreiheit – einst eine Errungenschaft im Kampf gegen die Kirchen – wendet sich hier mehr als deutlich gegen ihre Erfinder.

Mit der Ausbreitung des Islam und dabei insbesondere des radikalen Islams in alle westlichen relevanten Städte in den letzten Jahren hat in Wahrheit bin Laden einen enorm wichtigen Sieg erzielt. Den der Kampf wurde seit 2001 tatsächlich in die westlichen Städte getragen. Das Pariser Bataclan, der Berliner Breitscheidplatz, die Wiener Judengasse, London und der Bahnhof in Madrid wurden Schlachtfelder für die Islamisten. Orte an denen sie ihre verabscheuungswürdige Mission, möglichst viele Nichtmuslime zu töten, praktizieren konnten. Diese islamistischen Attentäter waren einerseits Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, die der Westen naiverweise aufnahm, aber andererseits auch heimische Muslime. Muslime die sich in der zweiten oder dritten Generation im Land radikalisiert hatten und dann den Hass auf „ihre“ Gesellschaft projizierten, von deren Sozialsystem sie und ihre Verwandten profitierten.

Nur ein kleiner Teil der westlichen Muslime radikalisiert sich. In Relation zum muslimischen Bevölkerungswachstum wird das für die Polizeibehörden aber eine immer größere Belastung.

Die Ausbleibende ideologische Identifikation des Gegners

Eigentlich von Beginn an – schon in der ersten Rede von Präsident Bush nach den Anschlägen von 9/11 – wurde betont, dass nicht „der Islam“ der Feind des Westens sei. Und das Islamisten nicht im Sinne ihrer Religion handeln würden. Was eine grundsätzlich im Sinne des Zusammenlebens eine verständliche aber realistisch betrachet etwas haarsträubende These war. Welche man ruhig als Europäer oder Amerikaner in Frage stellen darf. Bis heute wird sie nämlich von Muslimen im Westen rhetorisch aufgegriffen, um jedwede Kritik an ihrer Kultur, Religion und Einstellung als Islamfeindlichkeit zu geiseln. Indem westliche Liberale nun dieses falsche Bild viel zu lange hochgehalten haben, wurden die wahren Probleme des Islam mit dem ihm imanenten Islamismus zugedeckt. Und den Muslimen im Westen eine essentielle Debatte erspart.

Man sollte dabei freilich nicht den Eindruck erwecken, dass der durchschnittliche Muslim in Ägypten oder Bangladesh per se ein Feind des Westen sei. Schon alleine deshalb nicht, weil das nicht der Fall ist. Der radikale oder konservative Muslim im Westen hingegen, der aktiv westliche Werte ablehnt und an ihrer Abschaffung arbeitet, ist es aber durchaus. In diese offene Flanke der naiven Toleranz des Westens sind trotz aller terroristischen Geschehnisse in den letzen drei Jahrzehnten unzählige Islamisten eingedrungen. Die sich im Westen nun ein schönes Leben machen und gleichzeitig vom Sieg des Islams hier träumen.

Nicht ein analphabetischer Taliban, der nichts außer seinem Tal am Hindukusch kennt und dort dann zur Waffe greift, ist ein Feind des Westens. Sondern der Betreiber einer radikalen islamischen Moschee im Westen. Das ist die Lehre die der Westen endlich lernen muss! Der Gegner sitzt unter uns. Und nicht in entfernten radikalkonservativen und islamistischen Staaten. Ausgenommen diese finanzieren die Islamisierung im Westen, womit sie Teil des Problems werden.

Die Wunden blieben: Skyline von New York mit den Lichtsäulen wo die Twin-Towers einst standen

Die Bekämpfung der Ideologie des Gegners

Eines ist nach dem Abzug des Westens auf Afghanistan klar: Die Motivation der islamistischen Terrorgruppen ist dementsprechend hoch. Auch wenn viele Netzwerke zerschlagen wurden, gibt es doch unzählige willige islamistische Fusssoldaten. Denn deren Ideologie und Motivation ist nicht ausreichend vom Westen bekämpft worden. Die Strategie bin Ladens eine Überreaktion des Westens auf muslimisches Gebiet zu provozieren und diesen in einen teuren Abnutzungskrieg zu zwängen hat dagegen wunderbar geklappt. Auf der Heimatfront haben die westlichen Dienste die Islamisierung des Abendlandes aber nicht wirklich behindert oder aufgehalten. Anstatt reihenweise radikale Moscheen zu schließen und Hassprediger auszuweißen, wird beobachtet und jahrelang ermittelt.

Es braucht deshalb einen neuen Ansatz in der Bekämpfung des islamisch motivierten Terrorismus! Dieser muss in Zukunft – wie einst der Antikommunismus – auch ideologische Kriegsführung beinhalten. Westliche Soldatenleben sollen nämlich nicht länger im nahöstlichem Wüstensand vergeudet werden, während man ideologisch in Europa höchst defensiv agiert. So gewinnt man vielleicht Schlachten, aber verliert langfristig den Krieg. Auch an der Heimatfront muss vor allem den Europäern wiederholt klar gemacht werden, dass die Stabilität Europas einen Preis hat. Und das mit dem Islamismus ein ernstzunehmender ideologischer Gegner den Westen attackiert und infiltriert.

Westliche Verbündete wie Saudi Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate haben direkt und indirekt (über ihre Bürger) weltweit salafistische und islamistische Strömungen finanziert und unterstützt. Der Westen ließ ihnen das bis dato Durchgehen, obwohl man gleichzeitig zuhause wie auch im „Krieg gegen den Terror“ gegen die Auswirkungen ankämpfte. Hier liegen also eigentlich genügend Gründe und Möglichkeiten vor, um politischen Druck auf diese Staaten auszuüben, diese Politik zu beenden.

Die saudische Frage: Wie sehr waren die Saudis in 9/11 involiert?

Kürzlich errang eine Initiative amerikanischer Hinterbliebener einen seit Jahrzehnten überfälligen Erfolg im Kampf um die Wahrheit. Sie erreichten bei Präsident Joe Biden, dass Dokumente mit Erkenntnissen über die saudische Involvierung um die Anschläge auf das World Trade Center veröffentlicht werden. Dies soll in den nächsten Monaten geschehen. Und wir neue Detailkenntnisse zu Tage fördern inwieweit Saudi Arabien, oder zumindest saudische Bürger hier unterstützt, weggesehen und agitiert haben. Das Mutterland des salafistischen Islam spendierte nämlich nicht nur die Ideologie der Terroristen, ein Großteil der Attentäter waren schließlich auch Saudis. Sie wurden durch saudisches Geld von ihrem Mentor Osama bin Laden aber mutmaßlich auch von anderen Saudis unterstützt. Ohne Geld und Unterstützung von Teilen der vermögenden Bevölkerung in den Golfstaaten hätten sich Salafismus, wie Islamismus und der islamische Terrorismus wohl nicht so schnell ausgebreitet.

Mit der schwindenden politischen Bedeutung Saudi Arabiens für die USA bleibt nun zu hoffen, dass der politische Druck steigt. Das diese Dokumente die kollektive Verantwortung der saudischen Gesellschaft herausarbeiten. Und die lange Toleranz und der westliche Langmut gegenüber den reichen Öl-Potentaten am Golf endlich ein Ende haben. Den Eliten vor Ort muss baldigst deutlich klargemacht werden, dass der Westen nicht länger die Ausbreitung des Salafismus tolerieren wird. Besonders nicht im eigenen Land und auch nicht in Ländern an Bruchlinienkonflikten. Wo seit Jahrhunderten Muslime mit ihren Nachbarn aneinander geraten. Bosnien ist so ein Beispiel, wo saudisches Petrogeld salafistische Enklaven am Balkan geschaffen hat. Die so rein gar nicht zum liberalen Islam des Balkans passen und in der Region ganz neuen Zündstoff erzeugen.

Abschließend: Was ist den USA im „Krieg gegen den Terror“ gelungen?

Nun abgesehen von ein paar „lone wolfs“, also Einzeltätern, konnte jeder geplante Großangriff auf die USA vereitelt werden. Die 17 amerikanischen Geheimdienste haben den USA und noch mehr dem vom islamistischen Terror besonders geplagten Europa viele Anschläge erspart. Deutsche wie französische Geheimdienste profitierten massiv von amerikanischen Tipps. Westliche Spezialkräfte wie die Navy Seals, Kommando Spezialkräfte (KSK) und die britischen SAS gehen rund um den Globus in erfolgreichen Kommandoaktionen gegen Terroristen vor. Die Ausschaltung bin Ladens in Pakistan ist da nur das berühmteste Beispiel. Ausbildungslager und Rückzugsorte in Afghanistan, Pakistan, Irak, Syrien, im Maghreb et cetera wurden zerstört und unzählige Extremisten unschädlich gemacht. Das passiert natürlich auch weiterhin konventionell militärisch indem man lokalen Kräften assistiert. Die amerikanische Mission Operation Juniper Shield in der Sahelzone ist hierfür ein gutes Beispiel. Gelungen ist es den Amerikanern auch die Sicherheit in der Luftfahrt massiv zu verbessern, um weitere desaströse Anschläge zu verhindern.

Mit dem amerikanischen Rückzug aus Zentralasien wird nun die islamistische Bedrohung für Russland und Europa steigen. Europa muss dabei lernen vor allem in der Sahelzone mehr militärische Verantwortung zu übernehmen. Russland exerziert dies seit jeher im Kaukasus vor, wo es traditionell bereits hunderttausende seiner Soldaten opferte, um die Region zu stabilisieren. Putin verteidigt in Syrien nämlich auch den russischen Nordkaukasus, indem er Terrorausbildungslager vernichten lässt. Ähnliches passiert heute schon in der Sahelzone, wo Franzosen und Amerikaner militärisch gegen Terroristen kämpfen. Eine Stärkung der zentraleuropäischen Geheimdienste etwa in Deutschland nach Vorbild der Five Eyes wäre ebenso wichtig, um bei der wachsenden Zahl islamistischer Gefährder weitere Anschläge zu vereiteln. Ebenso müssen die Kapazitäten der europäischen Armeen ausgebaut werden, wie auch die Überwachung der EU-Außengrenzen. Die „Festung Europa“ muss endlich fertiggestellt werden.

Fazit

Zum zwanzigsten Jahrestag der Anschläge von 9/11 kann man also durchaus resümieren, dass amerikanische Hybris und westliche politische Korrektheit dazu geführt haben, dass die völlig falschen Schlüsse gezogen wurden. Militärisch wurde der islamistische Terror zwar teils sehr erfolgreich bekämpft, aber gleichzeitig gerieten die USA in die Schlamassel im Irak und Afghanistan. Wo ihre konventionellen Interventionen sie Billionen Dollars und tausende Leben kosteten und gleichzeitig unzählige neuer Terrorsympathisanten erschufen. Wie den Islamischen Staat mit seinem Terror-Kalifat. Solche direkten Interventionen exponierten den Westen militärisch, anstatt stärker auf lokale Kräfte zu setzten. Dabei hatten schon die alten Römer nach dem Fehlschlag bei der Eroberung Germaniens erkannt, dass man manchmal eine eine „Divide et Impera“ Strategie verfolgen muss. Diese Strategie sieht vor eine zu besiegende Gruppe in einander bekämpfende Interessensgruppen zu spalten.

Die naive Idee in Washington, dass man im islamischen Raum eine westliche Demokratie mittels „Nationbuilding“ aufbauen könne, ist gleich zwei mal krachend gescheitert. Wo mittelalterliche Stämme, eine erzkonservative Einstellung und politische wie religöse Extremisten dominieren, ist es offensichtlich schwer einen Staat aufzubauen. Der Wunsch nach Veränderung muss aus dem islamischen Raum selbst kommen.

Wenn der Westen einst so naiv mit dem Kommunismus umgegangen wäre wie mit dem Islamismus heute, dann würden wir wohl längst alle in kommunistischen Einparteiendiktaturen leben. Nach dem 2. Weltkrieg lief es aber zum Glück anders. Der Kommunismus wurde in Europa und den USA zuerst gezielt eingedämmt. Solange bis die Kommunisten in den meisten Ländern, wo sie ihre wirtschaftlich mäßig erfolgreichen Dikaturen betrieben, wirtschaftlich und politisch scheiterten. Und der Welt bewiesen, dass sie eben kein erstrebenswertes System bieten konnten. Es ist daher längst an der Zeit, dass der Westen politisch aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und gegnerische Ideologien wie den Islamismus heute aktiver bekämpft. Auch wenn es politisch unkorrekt sein mag und diese Ideologien sich hinter dem Label Religion verstecken.

Links & Quellen

https://www.spiegel.de/politik/ausland/luftangriff-usa-beschiessen-afghanische-hochzeitsgesellschaft-a-203478.html

https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/gibt-das-scheitern-in-afghanistan-dem-dschihad-auftrieb-17531016.html

https://orf.at/stories/3227703/

Burkhard Bischof (13.09.2021): Was hat der „Krieg gegen den Terror“ gebracht? In: „Die Presse“ vom 13.09.2021: S. 26f.