Andi Babler in „Wahlkampf“: Ein „Filmstar“ auf Staatskosten!

Kulturminister Andi Babler ist nicht nur der zweitunbeliebteste SPÖ-Vorsitzende, ein überforderter Minister und Verlierer aller jüngsten Politumfragen (~16% für die SPÖ), sondern nun auch ein „Filmstar“. Babler avancierte nämlich zum „Star“ der Politdokumentation „Wahlkampf“ von Regisseur Harald Friedl. Anders als beispielsweise „KURZ- Der Film“ (2023) hat der Babler-SPÖ-Film „Wahlkampf“ aber einen kleinen Schönheitsfehler: Er wurde mit mehr als 533.000 Euro Steuergeld aus diversen Filmförderungsfonds gefördert. Die großzügigen Fördergeber hatten dabei – Überraschung – allesamt einen linken politischen Hintergrund: Kulturminister a.D. Werner Kogler (Grüne), die Stadt Wien über ihre Filmförderung und das Land Niederösterreich via dem zuständigen „Film-Landesrat“ Sven Hergovich (SPÖ). Man kann sich diese Republik inzwischen also wie ein schlecht bewirtschaftetes Programmkino vorstellen: Draußen ächzen die Steuerzahler unter Rekordsteuern und Defiziten, drinnen läuft eine politisch gefärbte teure Eigenproduktion, finanziert aus öffentlichen Töpfen, inszeniert als „Langzeitbeobachtung“ und verkauft als „Kulturleistung“.

Der Film „Wahlkampf“ ist deshalb kein bloßer Förderskandal am Rande. Er ist ein Lehrstück über die unsymapthische und ungute Verfilzung von Politik, Kulturapparat und Parteienproporz. Das Geld für dieses Machwerk wurde schließlich anderen Filmschaffenden letztlich weggenommen, die damit wohl einen künstlerisch wertvolleren Film hätten drehen können. Für das Machwerk wurden nämlich gleich mehrere Fördertöpfe genützt: Das Österreichische Filminstitut weist für „Wahlkampf“ 190.000 Euro Herstellungsförderung und weitere 158.000 Euro über ÖFI+ aus; als weitere Förderstellen nennt es Filmfonds Wien und das Land Niederösterreich. Exxpress berichtet zusätzlich von 160.000 Euro Herstellungsförderung und 23.000 Euro für den Kinostart durch den Filmfonds Wien. Das macht aus den transparent bezifferten Mitteln bereits mehr als eine halbe Million Euro – und die niederösterreichische Förderung ist dabei noch nicht einmal konkret ausgewiesen.

Andi Babler im Wahlkampf 2024 beim SPÖ Parteitag in der Steiermark; Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/73/Parteitag_Steiermark_2024_%2853499851085%29.jpg?uselang=de

Ein „Wahlkampf“-Film über den Falschen

Wenn man einen Wahlkampffilm über das Österreich des Jahres 2024 drehen möchte, dann würde ein rationaler Dokumentarfilmer wohl eher nicht bei Andi Babler primär anklopfen. Die offiziellen Umfragen wiesen jahrelang die FPÖ als den Sieger aus, der sie mit 28,8 Prozent als stärkste Partei am Ende auch waren. Dramaturgisch hätte der Film daher sie ins Zentrum rücken müssen oder zumindest Bundeskanzler Nehammer in seinem „dramatischen Ringen gegen die Rechten“, nicht jedoch die chancenlose, abgeschlagene SPÖ unter Andreas Babler mit ihren letztlich 21,1 Prozent. Trotzdem folgte die Kamera nicht dem damaligen Wahlsieger, nicht dem damaligen Kanzler, nicht dem Machtzentrum der Republik, sondern ausgerechnet einem Populisten, der von Anfang an keine Chance auf einen Wahlsieg hatte.

Das ist kein Zufall. Das ist politische Dramaturgie. Die Diagonale beschreibt den Film selbst mit der Frage, wie man „den eigenen Spitzenkandidaten ins beste Licht“ rückt. Der Filmfonds Wien wiederum schwärmt von einem jungen Team rund um den SPÖ-Spitzenkandidaten Andreas Babler, das gegen „globalen Rechtsruck, medialen Gegenwind und innerparteiliche Zerwürfnisse“ ankämpfe. Damit ist die Blickrichtung offengelegt: Hier wird nicht neutral seziert, hier wird ein kleines Denkmal gemalt und gerahmt. Nicht Distanz prägt die Geschichte, sondern Deutung. Nicht Beobachtung, sondern Schonraum. Das wäre freilich alles okay, wenn dieser Film auf „SPÖ-TV“ gelaufen und produziert worden wäre. Bei einer halben Millionen Euro Steuergeld darf man sich dagegen fragen, was bei der Fördergeldvergabe eigentlich schief läuft. Wer so eine Filmförderung ernsthaft für einen neutralen kulturpolitischen Vorgang hält, hält vermutlich auch das Kopieren von Parteiprospekten für demokratietheoretische Grundlagenforschung.

Aus nächster Nähe beschreibt Regisseur Harald Friedl das Aufeinandertreffen eines jungen, engagierten Wahlkampfteams rund um den SPÖ-Spitzenkandidaten Andreas Babler mit einer Gegenwart, die von globalem Rechtsruck, medialem Gegenwind und innerparteilichen Zerwürfnissen geprägt ist.

Filmfonds Wien, Beschreibung zu Wahlkampf; https://www.filmfonds-wien.at/filme/wahlkampf

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Die Förderrepublik kennt ihre Lieblinge

Natürlich kann man jeden Einwand mit dem üblichen Weihrauch abwehren: Kunstfreiheit, dokumentarischer Blick, gesellschaftliche Relevanz oder wie es die SPÖ nun versucht, mit: „Werner Koglers wars – Danke lieber Werner!“ Aber genau dort beginnt die intellektuelle Unredlichkeit. Denn eine Demokratie darf Kunst fördern, sie darf aber nicht so tun, als wäre parteipolitische Heldenpflege im Wahljahr ein neutraler Akt kultureller Daseinsvorsorge. Laut Exxpress flossen rund 350.000 Euro über das Österreichische Filminstitut beziehungsweise ÖFI+ in das Projekt; dazu kamen 160.000 Euro Herstellungsförderung und 23.000 Euro Verleihförderung vom Filmfonds Wien. Das Österreichische Filminstitut selbst nennt als Förderstellen für den Film ÖFI, Filmfonds Wien und das Land Niederösterreich. Damit ist klar: Hier reden wir nicht über ein privates Liebhaberprojekt, sondern über einen politisch hochsensiblen Film, der breit aus öffentlichen Töpfen getragen worden ist.

All diese Fördergeber lassen sich letztlich auf linke Politiker als politisch Letztverantwortliche zurückführen: Werner Kogler, Sven Hergovich und natürlich Wiens Bürgermeister Ludwig. Damit lernen wir also eine wichtige Lektion: In Österreich existiert ein Fördermilieu, das offenkundig gar nicht mehr merkt, wann Kulturförderung in politische Milieupflege kippt. Selbst wenn Babler persönlich keinen Antrag unterschrieben und keine Szene freigegeben hätte, bleibt die Grundfrage bestehen: Warum hält der Staat es für seine Aufgabe, einem Oppositionspolitiker eine 97-minütige Leinwandbühne zu finanzieren? Bekommt bei der nächsten Wahl dann jeder Politiker seinen staatlich finanzierten Kino-Dokumentarfilm, um hier Fairness walten zu lassen? Noch unangenehmer wird die Sache dadurch, dass Babler inzwischen selbst Kulturminister und Vizekanzler ist. Die SPÖ betont zwar, die Förderungen seien vor seiner Amtszeit erfolgt, gerade deshalb aber bleibt dennoch ein schaler Nachgeschmack: Ein nunmehriges Regierungsmitglied wird mit Hunderttausenden Euro aus öffentlichen Kassen filmisch erhöht!

Man muss „Wahlkampf „außerdem nicht einmal unterstellen, dass er plumpes Propagandakino sei, denn schon die weichere Variante genügt: ein ästhetisch veredeltes Politikerporträt, das Nähe, Authentizität und Haltung produziert. Genau darin liegt nämlich ja die moderne Form politischer Werbung. Sie kommt heute nicht mehr mit Parteilogo und Slogan daher, sondern als „Beobachtung“, als „Einblick“, als scheinbar intime Reportage über einen „so sympathischen“ Politiker und sein Team. Das ist die raffinierte Form der Imagepflege für das Streaming- und Festivalpublikum.

Von Politikern zu „Filmstars“: Sandra Breiteneder und Klaus Seltenheim als SPÖ-Bundesgeschäftsführer*innen (2023); Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sandra_Breiteneder_und_Klaus_Seltenheim_sind_neue_SP%C3%96-Bundesgesch%C3%A4ftsf%C3%BChrer*innen_(52971580281).jpg?uselang=de

Freunderlwirtschaft: Das System im Kulturbetrieb

Der eigentliche Befund reicht über Babler hinaus. Dieser Fall zeigt, wie sehr sich in Österreich ein geschlossenes System aus Politik, Kulturförderung und Gesinnungsbetrieb eingerichtet hat. Es ist ein Kosmos, in dem man sich wechselseitig für relevant erklärt, sich gegenseitig finanziert und am Ende jede Kritik als Angriff auf Kunst und Demokratie umdeutet. Genau so entsteht jene Voodoo-Vollkaskomentalität, die das Land lähmt: Für jeden Unsinn ist scheinbar Geld da, solange es ins richtige Milieu fließt. Während der Bürger die Rechnung zahlt, wird ihm erklärt, er habe hier bitte zwischen Kunst und Politik fein säuberlich zu unterscheiden. Nur: Der Staat selbst hat diese Grenze längst verwischt. Wer einen Wahlkampffilm über einen aktiven Spitzenpolitiker mit Steuergeld großzieht, kann sich hinterher nicht beleidigt geben, wenn Bürger darin keine Hochkultur, sondern geförderte Parteinähe erkennen. Selbst das eher linke Grazer Diagonale Publikum und der linke „Standard“ erkannten ein „Problem“:

Spannend war, angesichts der umstrittenen Rolle, die Babler derzeit im Kulturbetrieb spielt, dass auch hier leise Kritik aus dem Publikum aufbrandete: Wo denn die notwendige Distanz zum Porträtierten sei, fragte eine junge Frau.

https://www.derstandard.at/story/3000000313674/vom-regen-in-die-traufe-politfilme-ueber-sozis-und-nazis-auf-der-diagonale

In ihren Rechtfertigungsstatements verwies die SPÖ dann auf unabhängige Jurys, die doch „unabhängig entscheiden würden“. Tatsächlich sind diese Jurys aber natürlich eingesetzt und zwar von jenen politisch Verantwortlichen, die für die Förderpolitik im Kulturbereich eine sehr wichtige Rolle spielen. Es floss Bundesgeld, Wiener Geld, niederösterreichisches Geld – und am Ende steht ein Film, der einem SPÖ-Politiker freundlich folgt, dessen politische Bilanz man mit viel gutem Willen als unerquicklich und mit etwas Ehrlichkeit als gescheitert bezeichnen muss. Noch pikanter wird es dadurch, dass die Diagonale sogar ein Nachspann-Gespräch mit Regisseur Harald Friedl und Sandra Breiteneder, der Kabinettchefin von Vizekanzler Andreas Babler, ankündigte. Spätestens dort verfliegt der letzte Rest des Märchens von der kühlen, unbeteiligten Außenperspektive. FPÖ-Kultursprecher Wendelin Mölzer äußerte deshalb den „Verdacht einer indirekten Parteienfinanzierung“ und sah „Propaganda auf Kosten der österreichischen Steuerzahler“.

Babler steht politisch für jene Rezepte, die Österreich seit Jahren tiefer in Umverteilungsromantik, realitätsblinde Sozialstaatsrhetorik und klassenkämpferische Nostalgie führen. Gerade deshalb wirkt dieser Film wie eine Zeitkapsel aus einem politischen Paralleluniversum: Da wird einer porträtiert, der mit alten Rezepten auf neue Krisen antwortet, der Populismus gegen „die da oben“ pflegt, obwohl er selbst längst Teil der Apparate ist, und der am Ende nicht triumphiert, sondern abstürzt.

Fazit

Der Babler-Film ist kein Nebenschauplatz. Er ist ein Lehrstück über die moralische Schieflage des österreichischen Fördersystems. Formal mag vieles gedeckt sein, politisch bleibt es aber unerquicklich: Ein Film über einen SPÖ-Spitzenkandidaten im Wahlkampf wurde mit mindestens 533.000 Euro aus öffentlichen Mitteln alimentiert, getragen von Bundes- und Landesförderung sowie dem Filmfonds Wien. Wer darin kein Problem sieht, hat sich an die Unkultur der parteinahen Selbstbedienung bereits gewöhnt. Der Film zeigt, wie schamlos sich in Österreich der parteipolitische Apparat in die Nischen von Kunst, Förderung und Kulturverwaltung hineingefressen hat.

Die Republik braucht hier keine semantischen Nebelgranaten, sondern einen klaren Grundsatz: Keine staatlich geförderten Politikerporträts im laufenden Machtbetrieb. Kulturförderung darf kein Umweg der politischen Milieupflege sein, denn sonst finanzieren die Bürger am Ende nicht Kunst, sondern den weichgezeichneten Narzissmus einer politischen Klasse. Und genau damit muss endlich Schluss sein! Wo der Staat politische Nähe als Kunst tarnt, wird Förderung zur Beute und Kultur zum Vorzimmer der Macht. Eine Republik, die so mit Steuergeld umgeht, verliert nicht nur Maß und Mitte, sondern auch den letzten Anspruch auf politische Hygiene. Der Wähler hat Babler 2024 keinen Siegerkranz aufgesetzt und der Förderstaat wollte diese Entscheidung offenbar schon vorab korrigieren . Genau das ist der Skandal.

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Links & Quellen

https://exxpress.at/politik/skandal-um-babler-film-so-viel-kostet-das-festival-rund-um-die-premiere

https://www.derstandard.at/story/3000000313674/vom-regen-in-die-traufe-politfilme-ueber-sozis-und-nazis-auf-der-diagonale

https://www.derstandard.at/story/3000000313886/fpoe-kritisiert-foerdergelder-fuer-andreas-babler-doku-wahlkampf?ref=loginwall_widget

https://www.filmfonds-wien.at/filme/wahlkampf