
Österreich sieht sich selbst bis heute gerne als reines Erfolgsmodell: als Insel der Seligen, als Hort des Ausgleichs, als Land der politischen Vernunft. Blickt man jedoch nüchtern auf die eigene politische Geschichte der letzten 200 Jahre, dann zerbricht dieses Selbstbild erstaunlich schnell. Hinter der Fassade von Stabilität und Kontinuität verbirgt sich eine lange Tradition politischer Entscheidungsverweigerung, des Hinauszögerns notwendiger Reformen und des fatalen Wartens auf äußere Ereignisse, die Probleme „lösen“ sollen. Während die Wirtschaftsentwicklung Österreichs der letzten Jahrzehnte wahrlich großartig war und die Kultur seit Jahrhunderten nach Europa und die Welt hinausstrahlt, war es die österreichische Politik meistens beileibe nicht. Deshalb wollen wir diese Geschichte des Versagens nun einmal genauer unter die Lupe nehmen.
Der österreichische politische Weg war über weite Strecken kein Weg mutiger Gestaltung, sondern einer der Verwaltung des Unvermeidlichen. Reformen kamen meist zu spät, Budgets wurden überzogen, Kompromisse waren selten strategisch, sondern defensiv und die politische Verantwortung wurde regelmäßig an äußere Umstände, fremde Mächte oder historische Zwänge delegiert. Es wurde jahrzehntelang politisch „durchgewurstelt“ wie man in Wien so schön sagt. Solche politischen Muster ziehen sich – natürlich mit gewissen Ausnahmen – wie ein roter Faden durch die letzten zwei Jahrhunderte. Wer heute über Reformstau, Stillstand und politische Lethargie klagt, sollte daher nicht nur auf die Gegenwart blicken. Österreichs politische Geschichte liefert eine erstaunliche Kontinuität des Versagens an der Spitze – mit wenigen, aber umso auffälligeren politischen Ausnahmen. Mit seinem politischen Spitzenpersonal war Österreich also oft nicht gerade gesegnet.
Blickt man nun rein rational auf die österreichische Politgeschichte der letzten 200 Jahre, dann wird man an der politischen Entscheidungsspitze meistens eines finden: Entscheidungsunwilligkeit, politischen Stillstand, überforderte Staatsoberhäupter und zu viele fatale Fehlentscheidungen. Wer den politischen Stillstand, die Lethargie und die Reformunwilligkeit der Gegenwart beklagt, der wird in der politischen Geschichte von Österreich noch viele weitere schlechte Beispiele finden. Nehmen wir alleine zwei Staatsoberhäupter und Regierungschefs her, die bis heute seltsamerweise teils verklärt werden. Kaiser Franz-Joseph führte das Land in unzählige Kriege, die es mit wenigen Ausnahmen nicht gewinnen konnte und sein Reich verlor alleine im Ersten Weltkrieg über 1,6 Millionen Soldaten sowie österreichisches Investment in den verlorenen Kronländern in Milliardenhöhe. Am Ende von Bruno Kreiskys Ära stand Österreich 1984/85 vor dem Bankrott der Verstaatlichen Industrie und fast 20 Jahre lang folgte Milliarden-Sparpaket auf Sparpaket. Werner Faymann wiederum schließlich steht als Bundeskanzler nicht nur für Stillstand, sondern auch stellvertretend für die desaströse Entscheidung des Jahres 2016, die endgültig die Islamisierung und Arabisierung Österreichs auf ein neues Niveau heben sollte.

Politisches Versagen auf höchster Ebene (1800-1866)
Kaiser Franz I. von Österreich, seit 1804 der erste österreichische Kaiser, begann unzählige Kriege gegen Napoleon, die er bis auf den letzten 1814/15 nicht gewinnen konnte. Hunderttausende österreichische Soldaten fielen, man musste zwangsweise mit Napoleon 1812 gen Russland marschieren und Österreich war nach fast 20 Jahren Krieg ziemlich bankrott. Nur Dank Napoleons desaströsem Russlandabenteuer 1812 blieb die Anti-Napoleon-Koalition 1814/15 im letzten Anlauf siegreich und Österreich überlebte als Staat. Dann setzte Kaiser Franz I. auf eine völlig unaufgeklärte, aus der Zeit gefallene, Diktatur inklusive metternichschem Polizeistaat und Spitzelwesen. Dabei hatte Metternich beim Wiener Kongress die größte österreichische diplomatische Leistung der letzten 200 Jahre erzielt und war mit viel Hoffnung in seine politische Karriere gestartet. Dem Volk blieb nichts anderes übrig als sich im Biermeier in die eigenen vier Wände zurückzuziehen und dann im Vormärz langsam zu revoltieren.
Das harsche Regime des Franz I. wurde dann 1830 von seinem krankheitsbedingt regierungsunfähigen Sohn Ferdinand „dem Gütigen“ ersetzt. Dem gab der Vater in seinem politischen Testament die Devise mit: „Regiere und verändere nichts!“ Da Ferdinand unfähig war, zog weiterhin Metternich politisch die Fäden und machte sich im geknechteten Volk zunehmend verhasst. Im Zuge europäischen Aufbegehrens verspielten beide – Metternich und Ferdinand dann 1848 fast die Monarchie. Wien ging an demokratische Revolutionäre verloren und die Habsburger retteten sich ins erzkatholische Tirol nach Innsbruck. Mithilfe tschechischer und kroatischer Soldaten unterdrückten kaiserliche Generäle aber dann den Unwillen der Wiener und ihren Wunsch Teil eines demokratisch regierten Deutschlands zu sein. Nur dank russischer Bajonette wiederum gewann Ferdinands junger Nachfolger Franz-Joseph I. mit 19 Jahren dann den Krieg 1849 gegen die ungarischen Aufständischen. Man ließ die Revolution im zwischenzeitlich völlig verlorenen gegangenen Ungarn mit russischen Soldaten (!) blutig unterdrücken. Der Wiener Spottname für Kaiser Franz-Joseph lautete damals der „blutjunge“ Kaiser und war durchaus wörtlich gemeint.
Auf das Desaster 1848/49 folgte eine „großösterreichische“ Diktatur, welche die Probleme zwar unterdrückte aber nicht lösen konnte. Die Monarchie verlor in Kriegen deshalb 1859 zunächst Mailand und 1866 dann Venedig sowie paralllel dazu das ganze habsburgisch regierte Mittelitalien (Sekundogenituren) an das Königreich Sardinien-Piemont. Im Jahr 1866 verspielte eine kaputt gesparte österreichische Armee in der Schlacht von Königgrätz dann auch noch die Jahrhundete alte (!) politische Vormachtstellung und die Teilhabe im politischen Deutschland. Mit dem politisch-militärischen Hinauswurf aus gleich Deutschland und Italien ließen sich wiederum die Ungarn nicht länger von Wien unterdrücken. Um den weiteren politischen Zerfall zu vermeiden verhandelte Franz-Joseph dann mit den vormaligen Rebellen einen Ausgleich und eine Ende der großösterreichischen Diktatur. Damit wurden aber neue politische Gräben geschaffen, denn statt einer privilegierten Nationalität gab es nun zwei und entsprechenden Neid der übrigen.
Die Verwaltung in den Untergang (1866-1918)
Die Doppelmonarchie war ab 1866 dann politisch endgültig der Anfang vom Ende des Habsburgerreiches. Kaiser Franz Joseph mied weiterhin notwendige Reformen, wo nur möglich, und führte das Land letztlich in die Stagnation und am Ende schließlich in den ersten Weltkrieg. Nach dem Börsenkrach 1873 fiel Österreich auch noch in eine lange wirtschaftliche Stagnation, während der Nationalitätenstreit immer mehr an Fahrt bekam. Bis man sich in den ersten Weltkrieg „retten wollte“ nach dem seltsamen Motto: „Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende!“ Der Kaiser drückte das freilich nobler aus: „Wenn die Monarchie schon zugrunde gehen soll, so soll sie wenigstens anständig zugrunde gehen.“ Das mag aus monarchischer und adeliger Sicht ein ehrenhaftes Ende gewesen sein, blieb aber ein Desaster für die Bevölkerung des Landes.
Im Ersten Weltkrieg fielen rund 1,5 Millionen österreichische Soldaten und von 12 Millionen deutschsprachigen österreichischen Bürgern lebte 1920 fast die Hälfte im Ausland. Aus nationaler österreichischer Sicht war der Krieg also ein absolutes Desaster. Der Nationalstaat „Deutsch-Österreich“ hatte nach dem Diktat der Siegermächte somit die Hälfte seiner Staatsnation ans Ausland verloren. Das war ein geradezu beispielloses politisches Versagen und eine totale Niederlage, gegen die selbst das ungarische Diktatfrieden in Trianon harmlos wirkt. Dabei hatten die deutschösterreichischen Politiker seit der Demokratisierung 1866 politisch genau gegen so ein Schreckensszenario angekämpft. Kaiser Franz Joseph löste mit dem ersten Weltkrieg einen Weltenbrand aus, der 17 Millionen Tote und letztlich unzählige weitere Nachfolgekriege auslöste. Millionen seiner deutschsprachigen Untertanen wurden in den kommenden Jahrzehnten aus ihrer Heimat vertrieben, wo ihre Vorfahren jahrhundertelang gelebt hatten.
Dabei wurde die österreichisch-ungarische Monarchie vor allem von den Steuern der (in Relation zum Rest reicheren) deutschsprachigen Österreicher finanziert und politisch wie wirtschaftlich mit ihrer Initiative getragen. Die Theater und Schulen in Slowenien oder im tschechischen Böhmen finanzierte der Kaiser primär also mit dem Geld seiner deutschsprachigen Untertanen. Im Parlament des österreichischen Gliedstaates der Doppelmonarchie stellten die Deutschsprechenden deshalb am Ende 55 Prozent der Abgeordneten. Das war das Ergebnis eines Kompromisses, da die Deutschsprachigen zwar nur 45% der Einwohner ausmachten, aber gleich zwei Drittel der Steuerleistung erbrachten. Die Slawen der Monarchie akzeptierten diese politische Vormacht der Deutschsprachigen widerstrebend – freilich im Austausch gegen viel Bares für ihre jeweilige Nationsentwicklung.
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Die verlorenen Jahre der Ersten Republik (1918-1938)
Auch in der ersten Republik fanden sich keine überzeugenden visionären politischen Anführer und Staatsmänner, die im „Rest“ der Monarchie das Einigende über das Trennende stellen konnten. Es fanden sich zudem keine (Exil-)Politiker, die für Österreich irgendwie eine bessere Lösung im Frieden von St. Germain herausschlagen konnten, obwohl der Diktatfrieden die 14 Punkte des US-Präsidenten Wilson dramatisch verletzte. Südtirol, Deutschböhmen und Deutschmähren waren überwiegend deutschsprachige Gebiete. Dennoch wanderten diese Gebiete an feindlich gesinnte Nachbarländer, die in der Folge die Österreicher in diesen Gebieten diskriminierten und letztlich den zweiten Weltkrieg nutzten, um sich dieser jahrhundertelangen Minderheit überhaupt zu entledigen. Aus nationaler Sicht spielte sich somit im 20 Jahrhundert eine beispiellose politische, wirtschaftliche und kulturelle Tragödie für viele Österreicher ab.
Die Politik des Landes war in der Zwischenkriegszeit kleingeistig, reaktionär und man verwaltete mit dem überdimensionierten Beamtenapparat der Monarchie nun ein 6,4 Millionen-Einwohner-Land. Die Bevölkerung war tief gespalten in Deutschnationale (später Nazis), Sozialisten und Christlichsoziale und die Politiker befeuerten diese Spaltung noch weiter indem sie sich bewaffneten. Österreich führte deshalb 1934 gleich zwei kurze Bürgerkriege um die Macht und behalf sich dann mit einem diktatorischen „Neoabsolutismus“ des Ständestaates 1934-1938. Ganz analog übrigens zur Franz-Josephs dikatorischer Politik 1849-1866.
Als Hitler 1938 in Österreich einmarschierte, war das Land längst so in der Sackgasse, dass viele Menschen das politische Ende des Landes als Ausweg begrüßten. Auch ein gewisser Karl Renner, den die SPÖ später als „Bauherr zweier Republiken“ feiern sollte. Die Geburtenrate war im Keller, die Wirtschaft litt in den 1930ern massiv und politisch verbot das Dollfuß-Regime lieber Wahlen nach 1933 analog zu Deutschland und Italien. Anstatt adäquat zu investieren wurde gespart. So hortete Österreich bis 1938 eifrig seine Goldreserven und bereitete den Nazis eine freudige unerwartete Überraschung. Das sauer angesparte rot-weiß-rote Vermögen parallel zu hoher Arbeitslosigkeit wusste das nationalsozialistische Regime gleich für seine Aufrüstung zu nutzen. Zehntausende arbeitslose Facharbeiter wanderten ab 1938 von Österreich ins „Reich“ ab – ein weiterer wirtschaftlicher Aderlass.
Die goldene Ära Österreichs (1945-1975)
Erst nach 1945 zeigt sich eine bemerkenswerte Ausnahme in dieser langen Geschichte des politischen Versagens. Ausgerechnet aus der totalen Niederlage Nazi-Deutschlands, der moralischen Katastrophe des Nationalsozialismus, der vollständigen Zerstörung des Staatswesens und aus zehn Jahren alliierter Besatzung erwuchs jene Phase des Wohlstands und der Stabilität, auf der Österreich bis heute aufbaut. Das Land lag wirtschaftlich, infrastrukturell und gesellschaftlich am Boden, und gerade diese Ausweglosigkeit zwang die politischen Eliten erstmals zu Pragmatismus, Selbstdisziplin und Kooperation.
Der Wiederaufbau, der Staatsvertrag, die institutionalisierte Sozialpartnerschaft und der bewusste Wille zum inneren Frieden schufen eine politische Kultur, die nicht von ideologischer Überhöhung, sondern von nüchterner Zweckmäßigkeit geprägt war. Die Zweite Republik setzte auf Ausgleich statt Konfrontation, auf Leistung statt Gesinnung und auf Ordnung statt revolutionärer Experimente. Infrastruktur wurde konsequent ausgebaut, Bildung massiv gestärkt, Industrie und Exportwirtschaft systematisch entwickelt. Der Wohlstand wuchs, soziale Aufstiegschancen entstanden und die Gesellschaft stabilisierte sich über Parteigrenzen hinweg. Diese Jahre waren kein historisches Wunder und kein Zufall, sondern das Ergebnis politischer Disziplin, klarer Prioritätensetzung und eines gemeinsamen, übergeordneten Ziels: Nie wieder Staatsversagen, nie wieder ideologische Selbstzerstörung, nie wieder Bürgerkrieg im Inneren. Freilich profitierte Österreich auch massiv von deutschen Investitionen in die Kriegswirtschaft des Landes 1938-1945. Darauf konnte man nämlich aufbauen – siehe https://www.dermaerz.at/oesterreich-die-einstige-industrielle-ruestungsgrossmacht/
Dass diese Phase bis heute verklärt wird, ist daher nur allzu verständlich. Sie war objektiv die wohl erfolgreichste politische Epoche des Landes. Problematisch ist jedoch, dass sie zunehmend als Dauerzustand missverstanden wurde – als Beweis dafür, dass Österreich strukturell „fertig gebaut“ sei und keine tiefgreifenden Reformen mehr brauche. Was nach 1945 als Notmaßnahme sinnvoll war, wurde mit der Zeit zur politischen Bequemlichkeit. Der Proporz mag in den ersten Jahrzehnten der Zweiten Republik ein Instrument zur Befriedung einer traumatisierten Gesellschaft gewesen sein, heute ist er ein Relikt, das Leistungsprinzip, Verantwortungsklarheit und Effizienz systematisch untergräbt. Gleiches gilt für überbordende Kammerprivilegien, verkrustete Interessenvertretungen und einen Föderalismus, der sich vielfach als Blockadesystem entpuppt. Spitäler, Bildung, Verwaltung und zentrale Infrastrukturen ließen sich auf Bundesebene effizienter, transparenter und kostengünstiger organisieren – politische Besitzstände jedoch verhindern bis heute notwendige Reformen. So wurde aus der einstigen Erfolgsformel schrittweise ein Bremsklotz, der den Geist der Zweiten Republik konserviert, ihren Reformwillen aber längst verloren hat.

Schuldenkrise, Migration und die EU-Ära (1975-heute)
Die Parteipolitik ohne Kompromisse kehrte 1966 mit der ersten „Absoluten“ der ÖVP zurück. Die Regierung Klaus tat dem Land zwar im Nachhinein gut, aber schon 1971 folgte eine „Absolute“ der SPÖ. Bundeskanzler Kreisky regierte Österreich 13 Jahre lang und ein Großteil dieser Jahre sind nüchtern betrachtet als verlorene Zeit einzustufen. Nachdem man die – bis heute gefeierten sozialen Reformen (teils initiiert von der konservativen Vorgängerregierung) umgesetzt hatte, klammerte sich die Kreisky-SPÖ ab 1975 mit immer höheren Sozialausgaben auf Pump an die Macht. Genau so exerzierte es die SPÖ in Wien im Jahr 2025 vor: Rekorddefizite finanzierten ein Spektakel an Verschwendung bis tiefrote Zahlen irgendwann ein Umdenken erzwangen. 1984/85 stand die Verstaatliche Industrie und damit auch Österreich vor einer enormen wirtschaftlichen Pleite, weil sie von den Sozialdemokraten in den Bankrott gewirtschaftet worden war.
Die Sanierung von Österreichs Budget nach der Schuldenära Kreisky dauerte dann bis Anfang der 2000er Jahre an. Es folgten unter Vranitzky und Sinowatz – auch auf Druck der EU aufgrund der Euro-Einführung – eine ganze Ära von indirekt extern verordneten Sparpaketen garniert mit großkoalitionärer politischer Blockade. Parallel dazu gab die große Koalition die politische Neutralität Österreichs mit dem EU-Beitritt auf, verabsäumte es aber meist, in Brüssel eine relevante Rolle zu spielen! Die Regierungszeiten von Wolfgang Schüssel und Sebastian Kurz (Stichwort „Sparsame Vier“) muss man hier freilich ausnehmen. Nachhaltig blieb aber nichts davon. Während die Visegrad-Staaten einen konservativen mitteleuropäischen Block in der EU formten, blieb Österreich ein politischer Luftikus. Der unter Faymann und Kern alle Wünsche Merkels gern kritiklos absegnete. Bis zu jenen desaströsen Tagen des Jahres 2015 – Stichwort „Wir schaffen das!“ Während konservative Kanzler wie Schüssel Österreichs Spielraum in der EU also etwas vergrößerten, konnte man das von einer Gestalt wie SPÖ-Kanzler Viktor Klima nicht behaupten. Dessen peinliches politischem Wehklagen 1999 verdankte Österreich nämlich die für die EU ziemlich peinliche Ära der Sanktionen, die sang und klanglos scheitern sollte.
Seit Jahrzehnten zeigt sich nun gerade in der Migrationspolitik ein besonders eklatantes Auseinanderklaffen von politischem Handeln und dem klar artikulierten Willen der Bevölkerung. Unabhängig von Wahlresultaten, Volksbefragungen, Umfragen oder kommunalen Erfahrungen wurde die Migration kontinuierlich ausgeweitet, beschönigt und moralisch überhöht, während legitime Sorgen der Österreicher systematisch delegitimiert oder diffamiert wurden. Das Resultat ist nun eine unübersehbare Islamisierung und Migrantisierung weiter Teile des öffentlichen Raums, die so von einer Mehrheit der Bevölkerung nie gewollt wurde. Anstatt Migration aktiv zu steuern, zu begrenzen und kulturelle Integration konsequent einzufordern, agierte die rot-weiß-rote Politik über Jahre hinweg hilflos, reaktiv und verantwortungslos. Während andere wie die Dänen handelten und ihr Land abschotteten schimpften Österreichs Politiker über die EU und nickten dort alles ab.
Nationale Regierungen versteckten ihr Nichtstun in der Migration gerne hinter europäischem Recht, während die EU ihrerseits durch offene Grenzen, dysfunktionale Asylregeln und eine realitätsferne Moralpolitik die Lage im Land weiter verschärfte. So entstand ein politisches Niemandsland der Verantwortungslosigkeit, das niemand im Land aktiv steuerte. Missstände werden wie gewohnt verwaltet, nun aber leider nur auf Kosten gesellschaftlicher Kohäsion, der inneren Sicherheit und des Vertrauens der Bürger in den Staat. Die Migrationspolitik wurde damit zum Sinnbild eines Systems, das nicht mehr im Interesse seiner Bevölkerung handelt, sondern sich gegen sie richtet. Die fast 40 Prozent der FPÖ in den jüngsten Umfragen resultieren aus diesem Staats- und Politversagen.

Die Lehren der österreichischen Geschichte
Österreichs politische Geschichte ist somit keine Abfolge unglücklicher Zufälle, sondern das Ergebnis wiederkehrender Muster:zu spätes Handeln, Angst vor Konflikten, fehlende Visionen und zu viele Kleingeister. Die wenigen durchgehend erfolgreichen Phasen – insbesondere 1945 bis 1975 – zeigen aber, dass es auch anders ginge. Heute wiederholt sich vieles in neuer Form: Missmanagement bei der Migration, der Demografie, den Staatsfinanzen und in der kulturellen Kohäsion wird einfach weiter verwaltet und nicht gestaltet. Entscheidungen werden vertagt, Konflikte moralisiert und Verantwortung externalisiert. Der politische Wille zur Gestaltung fehlt einmal mehr erneut. Nicht einmal Rekorddefizite 2024/25 konnten die Austro-Politik aus ihrer reformerischen Letargie reisen. Österreich bräuchte keine neuen Mythen, sondern politischen Mut, eine Führung, die bereit ist, unangenehme Wahrheiten auszusprechen und langfristige Interessen über kurzfristige Popularität und Angst vor Medien und linken Eliten zu stellen. Ohne eine solche Zäsur droht der Stillstand zur dauerhaften Staatsform zu werden.
Gegenwärtig ist Österreichs Politik durch Schlamperei, Inkonsequenz und Wegschauen einmal mehr dabei, einen weiteren Teil des Rests von dem Rest des einst großen Österreichs zu verspielen. Durch die Migrationspolitik leben viele Menschen in Österreich die mit hiesiger Kultur, Geschichte, Sprache, Gebräuchen wenig bis nichts anfangen können. Während die Österreicher als Titularnation immer weniger werden, werden diese Menschen stetig mehr und die Politik sieht zu. Manche linken Politiker befeuern gar diesen Wandel aus einem falschen Verständnis von Humanität. Weil nun auch die Wirtschaft massiv schwächelt schrumpft nun der Kuchen, der bisland in Österreich großzügig zwischen den Menschen verteilt wurde. Harte politische Verteilungskämpfe um knappere Ressourcen könnten daher in nicht so ferner Zukunft wieder bevorstehen.
Österreichs politische Staatskunst der letzten 200 Jahre war also oft wenig erfolgreich – sieht man von den wenigen Jahrzehnten in der zweiten Republik ab, als das Fundament für unseren heutigen Erfolg gelegt worden ist. Es wurde verwaltet, vertagt und abgewartet. Spätestens seit 1975 wird in Österreich mit wenigen politischen Ausnahmen (z.B. der Ära des Wendekanzlers Wolfgang Schüssel) wieder ziemlich viel gewurstelt und ohne große Vision verwaltet. Es wäre allerdings politisch höchst an der Zeit für eine ganze Reihe an neuen „politischen Lichtgestalten“, um diesen politischen Zyklus des Herabwirtschaftens, des Verwaltens, des Wegsehens und träger politischer Kultur endlich wieder einmal längerfristig zu durchbrechen.
All diese Kritik soll aber keinesfalls bedeuten, dass Österreich kein tolles Land ist und war! Wirtschaftlich, wissenschaftlich und kulturell war Österreich nämlich in diesen 200 Jahren in der Regel wirklich großartig, teilweise sogar eine intellektuelle Großmacht mit globaler Ausstrahlung! Die Kritik liegt nur bei der heimischen Politik, welche die fleißigen und produktiven Bürger dieses Landes leider viel zu oft im Stich gelassen hat. Gerade deshalb wiegt das politische Versagen der Eliten so schwer. Nicht das Land ist das Problem – sondern jene, die es seit 200 Jahren zu selten konsequent führen.
Fazit
Zum Abschluss wollen wir eine kontroverse hypothetische Frage stellen: Was wäre eine politische Alternative zu all dem Untertanengeist und dem Wiener Politversagen gewesen? Man hätte vielleicht schon im Jahr 1848 auf das Volk hören sollen – so wie man es in Frankreich getan hat. Es gab nämlich 1848 die erste freie demokratische Abstimmung und in der Folge die Formation eines Parlaments in Mitteleuropa – und zwar jenem in der Frankfurter Paulskirche. Dort saßen Abgeordnete aus allen deutschsprachigen Ländern unter dem Vorsitz eines Österreichers – des Parlamentspräsidenten Erzherzog Johann. Diese Abgeordneten wollten auf dem Gebiet des deutschen Bundes ein großes parlamentarisch regiertes Land in Mitteleuropa erschaffen, bestehend aus vielen Gliedstaaten. Ähnlich wie in den USA hätte das Gebiet aus selbst regierten Bundesstaaten bestehen können, was letztlich eigentlich auch dem angestrebten Modell der EU eines Vereinten Europas nicht ganz unähnlich gewesen wäre.
Pikanterweise warnte sogar ein weitsichtiger Parlamentsauschuss dieses Parlaments in der Paulskirche bereits 1848/49 davor, dass die Politik Österreichs am Balkan irgendwann nicht gut ausgehen werde. Im Rückblick, nach Millionen Toten des Ersten Weltkrieges, ist nun klar, dass diese Warnungen mehr als berechtigt waren. Hätten sich die Parlamentarier damals durchgesetzt, wäre Österreich wahrscheinlich friedlich zerfallen – aber längst nicht so dramatisch wie es dann 1919 der Fall war. Statt einem aggressiven preussischen Militärstaat nach 1871, hätte sich in Frankfurt ein defensiver EU-ähnlicher Staatenbund aus deutschsprachigen Mitteleuropäern a la Heiliges Römisches Reich bilden können, mit einer demokratischen Verfassung und gewählten Abgeordneten und einem österreichischen Parlamentspräsidenten. Statt nach Brüssel würde der österreichische Kanzler heute dann vielleicht nach Frankfurt fahren.

Teil dieses neuen demokratischen Staates in Mitteleuropa wäre wohl ein „Basis“-Habsburgerreich gewesen, geschrumpft auf das heutige Österreich, Südtirol, Slowenien, Böhmen, Mähren und Triest als einer von mehreren Gliedstaaten. In der Folge wären diese Regionen – allesamt die reichsten Teile der Monarchie – um die Aufgabe umgefallen, das völlig unterentwickelte Ungarn, Siebenbürgen, Galizien, Bosnien oder Kroatien wirtschaftlich, infrastrukturtechnisch und bildungspolitisch jahrzehntelang um enorme Summen weiterzuentwickeln. Kaiser Franz-Joseph hätte in der heutigen Ukraine keine schönen Modellstädte a la Czernowitz zur Werbung für die Monarchie errichten lassen und der Staat dort keine teuren Eisenbahnlinien finanzieren müssen, die 1918 auf einmal im feindlichen Ausland lagen.
Man hätte in diesem Parallelszenario wohl – analog zur Schweiz – das Geld der deutschsprachigen Österreicher eben jenen Österreichern uneingeschränkt zugute kommen lassen können und zwar ohne in die „imperiale Falle“ zu tappen. Für das Fortbestehen der Dynastie des kriselnden Habsburgerreiches wanderten schließlich enorme Summen an Steuergeld in die slawischen und ungarischen Provinzen. Es hätte in diesem Szenario vielleicht auch gar kein Österreicher am Balkan sterben müssen, weil ein Serbe in Bosnien einen österreichischen Thronfolger ermordet hatte. Der Balkan und seine alten ethnischen Konflikte wären in diesem Szenario nämlich geographisch weit weg gewesen – abgeschirmt von einem längst unabhängigen Staat Ungarn-Kroatien.
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