Quer durch Italien: Reisen in Corona-Zeiten

Rom: Engelsburg

Das Reisen ins europäische Ausland war ja in der Corona Pandemie über ein Jahr lang nicht oder nur eingeschränkt möglich. Ab dem 15. Mai wurden die Maßnahmen aber dann nach Monaten wieder schrittweise gelockert und unser südliches Nachbarland Italien öffnete die Grenzen auch wieder für Touristen. Die Einreisebestimmungen wurden gelockert und wir ergriffen die Chance, um einen schönen Urlaub gleich nach Öffnung der Grenzen zu erleben. Im folgenden Artikel berichten wir über unsere Reise quer durch Italien in Corona-Zeiten.

Wir waren dabei nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und versuchten dabei unsere Reise so angenehm wie auch Covid-sicher zu gestalten. Darüber möchten wir in diesem Artikel nun berichten. Vorab sei gesagt: Ein Blick auf die Seiten von Außenministerium und Wirtschaftskammer ist immer empfohlen, vor allem wenn man die gerade geltenden Einreisebestimmungen wissen will, die sich regelmäßig ändern. Wir brauchten etwa das Europäische Digitale Passagier-Lokalisierungsformular, eine Meldung an den Grenzübergang (per Mail), sowie einen gültigen negativen Covidtest. Kontrolliert wurden wir allerdings nur von den ÖBB bei der Abreise in Wien. In Italien sollte man die Dokumente allerdings mit sich führen.

Unsere Reiseroute

Am 30.05.2021 starteten wir mit dem ÖBB Nightjet in Wien und erreichten am nächsten Tag unser erstes Reiseziel: die italienische Hauptstadt Rom, um ein paar Tage mit Sightseeing zu verbringen. Anschließend machten wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: Die Insel Ischia. Neapel war ein Zwischenstopp auf unserer Reise zur Insel. Nach ein paar Tagen am Meer in Ischia ging es wieder zurück in Richtung Österreich – aber dieses Mal mit einem kurzen Aufenthalt in Venedig, bevor es mit dem Bus zurück nach Villach und danach nach Wien ging. Insgesamt waren wir neun Tage unterwegs und legten alle Strecken am Festland mit dem Zug zurück, um die italienische Landschaft genießen zu können. Nach Ischia gings natürlich mit Fähren.

First things first: Einreisebestimmungen in der Covid-Ära

Die Einreisebestimmungen nach Italien änderten sich von Mitte Mai bis Anfang Juni stetig, deswegen war es wichtig für uns, ein gute Übersicht mit allen aktuellen Änderungen zu haben. Hierbei half uns die Website der WKO (siehe Links) sehr gut weiter, denn dort werden alle Änderungen rechtzeitig bekannt gegeben. In unserem Falle war es für die Einreise nach Italien nötig, ein digitales Passagier- und Lokalisierungsformular auszufüllen und ausgedruckt mitzuführen. Zusätzlich ist ein negativer Covid-Test Voraussetzung für die Einreise, welcher ein PCR-Test oder Antigentest sein kann. Die eben genannten Dokumente wurden vom Zugpersonal auch kontrolliert. Für geimpfte oder genesene Personen aber gab es keine Vorteile. In Italien selbst gab es keine Einschränkungen bezüglich der Reisedauer oder der angestrebten Reiseziele. Natürlich muss man sich als Tourist aber auch an die Corona Maßnahmen halten, wie zum Beispiel an die Ausgangssperren ab Mitternacht oder Maskenpflicht im Freien.

Italien ist in Corona-Zeiten in verschiedene Zonen unterteilt, für die unterschiedliche Regeln gelten. Wir waren Anfang Juni durchgehend in gelben Zonen unterwegs, das bei Österreich beliebte Oberitalien mit Grado, Lignano, Jesolo und Caorle ist aktuell beispielsweise dagegen eine weiße Zone. In weißen Zonen gelten so gut wie keine Einschränkungen mehr, während in den gelben Zonen etwa die Maskenpflicht im Freien gilt! Während wir in Rom, Ischia, Venedig und Neapel Masken im Freien tragen mussten, ist dies heute anders weil viele Regionen mittlerweile „weiß“ geworden sind. Die Unterteilung in Italien ist wie folgt: gelbe Zonen (normales Sicherheitsrisiko), orange Zonen (mittleres bis hohes Sicherheitsrisiko) und rote Zonen (höchstes Sicherheitsrisiko) sowie eben die weißen Zonen (geringes Sicherheitsrisiko mit einer wöchentlichen Inzidenz von Infektionen weniger als 50 Fälle pro 100.000 Einwohner für drei aufeinanderfolgende Wochen).

Covid-sichere Anreise per ÖBB-Nachtzug (mit privatem Badezimmer)

Bei der Anreise boten sich nun mehrere Optionen: Auto, Flug, wie auch ein Nachtzug. Wir entschieden uns dabei aber bald für den Nachtzug, da es von Wien exzellente Verbindungen nach Rom gibt. Man startet dabei circa um 20 Uhr in Wien und ist rechtzeitig zum Frühstück um circa 9 Uhr in der ewigen Stadt. Im Falle eines Fluges hätten wir etwas Geld gespart, dafür aber eine zusätzliche Übernachtung gebraucht, ohne am Anreisetag viel unternehmen zu können. Deshalb bliebs beim Zug ! Die Reise mit dem ÖBB Nightjet von Wien nach Rom dauerte also circa 14 Stunden. Nächstes Thema war nun die Covid-Sicherheit! 14 Stunden in einem Sitzabteil mit anderen erschien dabei wenig sicher und nicht bequem, weshalb wir uns für eine sichere Anreise im privatem Zweierabteil mit Dusche und WC entschieden.

Erste Station: Rom

Spanische Treppe in Rom: Viel Platz, wenige Touristen

Wie oft kommt es wohl vor, dass die spanische Treppe leer ist? Oder man keine Wartezeiten hat, um in das Kolosseum oder in die vatikanischen Museen zu kommen? Die Antwort ist einfach: So gut wie nie, außer jetzt, nach der Pandemie und vor dem großen Touristenansturm im Sommer. Rom bietet extrem viel an Sightseeing-Möglichkeiten, Kultur und Geschichte. Es würde bestimmt eine Woche dauern, bis man das meiste der ewigen Stadt besichtigt hat. Wir haben uns daher für die klassischen Highlights der Stadt entschieden, wie beispielsweise das Kolosseum, den Palatin, das Forum Romanum und den Vatikan.

Es ist unmöglich zu sagen, was uns am besten gefallen hat, denn alles hat seinen ganz eigenen, besonderen Charme. Einen Hauch der Antike haben wir in den Ruinen des Palatin ergattert, so wie auch im Kolosseum, welches seine beeindruckende Größe und erstaunliche Baukunst im Inneren besonders zur Geltung bringt. Auch die vatikanischen Museen gehörten zu unseren Highlights! Die prunkvoll bemalten Räume, die Szenen aus der Geschichte widerspiegeln, haben uns sehr gut gefallen. Ein Highlight war natürlich auch die sixtinische Kapelle, die den Abschluss des Rundgangs in den vatikanischen Museen bildet.

Für alle Besichtigungen war es wichtig, alle Karten im Vorhinein online zu kaufen, da kein örtlicher Ticketverkauf stattfand. Im Pantheon war etwa der Eintritt gratis, aber auch hier musste man sich zuvor online registrieren. Das hat sich aber auf jeden Fall ausgezahlt: aufgrund der niedrigen Touristenanzahl hatten wir nirgends Wartezeiten und die Tickets konnten auch kurz vor der Besichtigung online erstanden werden. Für die einzelnen Besichtigungsorte ist es notwendig, immer genügend Zeit einzuplanen. In den vatikanischen Museen verbrachten wir beispielsweise drei Stunden. Gleiches gilt etwa auch für das Palatin und Forum Romanum, wo man überall freilich noch viel mehr Zeit verbringen kann.

Ditto im Kolosseum: Keine Wartezeiten, wenige Touristen ! Wichtig: Alles online vorreservieren, sonst wirds kompliziert !
Undenkbar in Österreich: Durchgehende Maskenpflicht mit vorgeschriebenem Mundnasenschutz (MNS) überall im Freien in der gelben Zone / zona gialla in Rom, bzw. hier im Vatikan

Kulinarik

Typisch römisch in der Osteria Delle Coppelle: Vermicelli alla Carbonara

Wir lieben italienisches Essen! Wer auch nicht? Rom hat kulinarisch natürlich viel zu bieten. Wichtig ist, dass man etwas abseits von den großen Touristenplätzen essen geht. Denn da schmeckt es erstens besser und zweitens ist es auch billiger und authentischer. Aber natürlich hat es auch seinen Charme, einen teuren Aperitivo mit Blick auf die spanische Treppe zu genießen. Die Covid-Regeln sind dabei weit weniger streng als in Österreich: für den Lokalbesuch braucht es keine 3-G-Regel. Abstände sollten freilich eingehalten und Masken im Lokal abseits des Tisches getragen werden. Abends wars dann allerdings ganz anders: In den Restaurants, etwa im quirligen Partyviertel Trastevere, fielen schnell alle Hemmungen und Masken und es gab ein typisch italienisches Chaos!

Typisch für Rom ist Pasta alla Carbonara, Pasta alla Gricia, Pasta all‘ Amatriciana und Cacio e Pepe (Pasta mit Pfeffer). Frittierte Artischocken jüdischer Art, die Carciofi alla Guidìa, sind außen knusprig, innen weich und schmecken leicht süß, ein absoluter Klassiker der römischen Küche. Supplì ist ein beliebtes Streetfood, das überall in Rom zu finden ist. Es ist ein Ball aus cremigen Reis, vermischt mit Fleischragout und mit einem herzhaften Kern aus Mozzarella.

Zu Italien gehört auch natürlich ein toller Aperitivo ! Hier ein Beispiel aus dem Szenelokal La Palapa

Zweite Station: Neapel

Pizza vom weltbekannten Pizzabäcker Gino Sorbillo

Die nächste Station auf unserer Reise war die wilde, ursprüngliche Stadt Neapel. Mit den italienischen Schnellzügen Italo und Frecciarossa erreicht man die antike Hafenstadt von Rom aus in nur rund einer Stunde. Wir kamen um durch die mittelalterliche Altstadt zu spazieren und natürlich, um die beste Pizza der Welt von Gino Sorbillo zu probieren. Den Pizzakönig Sorbillo findet man in einem etwas verruchten Viertel in einer engen Straße mitten in der Altstadt. Es ist dabei sicher ratsam auf das eigene Gepäck dort etwas besser aufzupassen. Man wird dafür aber mit einem Gotham-City Flair und der besten Pizza der Welt belohnt. Denn Neapel ist voller ausgezeichneter Pizzaiolos!

Von Neapel ging es dann per Fähre weiter zu den Inseln im Golf: Zuerst nach Procida und dann nach Ischia. Auf der anderen Seite des Golfes von Neapel liegt in Sichtweite noch die berühmte Insel Capri. Am Schiff war natürlich Maskenpflicht – egal ob wir wie auf der Hinfahrt drinnen oder auf der Rückfahrt im Außenbereich des Schiffs saßen.

Fährverkehr zu den Inseln im Golf von Neapel: Auf der Hinfahrt hieß es: Sitzen mit Maske im geschlossenen Innenraum

Dritte Station: Ischia

Castello Aragonese

Unseren Aufenthalt in Ischia haben wir zwischen den Orten Ischia Ponte und Ischia Porte verbracht. Ischia ist eine berühmte, alte Vulkaninsel Italiens, deswegen gibt es dort viele heiße Thermalquellen und schwarzen Sand. Normalerweise wird die Insel von sonnenhungrigen Touristen gestürmt, aber Anfang Juni war auch hier die Touristenzahl noch überschaubar. Und das obwohl die Insel (wie auch Capri) bereits vollständig durchgeimpft worden war.

Unser Hotel hatte einen privaten Strandzugang, was ideal zur Entspannung war und uns lästiges Maskentragen am Strand ersparte. Abends genossen wir dann die lokalen Köstlichkeiten Ischias. Auf der Insel, direkt am Meer, kommen dazu aber natürlich auch Meeresfrüchte aller Art. Aber es gibt auch eine typische Speise vom Land, das Kaninchen. Dieses wird extra für die Gäste frisch zubereitet. Es hat uns sehr geschmeckt, jedoch war es etwas befremdlich, das ganze coniglio, mit all den Innereien, serviert zu bekommen.

Coniglio alla Ischia: Gegessen wirds mit Beilagen wie Pommes als Secondi Piatto, nach einem Primo Piatto: Pasta in Kannichen-Sud

Auf Ischia ist das Castello Aragonese ist ein absolutes Muss. Die Burg ist wunderbar restauriert und bietet eine tolle Sicht über den Ort Ischia, den Golf von Neapel und die Insel Procida. Es gibt zwei Cafés, in welchen man die wunderbare Aussicht über das Meer genießen kann.

Die beiden Orte Ischia Ponte und Ischia Porte sind durch eine Einkaufsstraße miteinander verbunden. Ersterer ist ruhiger, mit vielen Porzellangeschäften und netten Restaurants. Der Hafenort Ischia Porte zieht dagegen eher junge Leute an. Auch hier gibt es zahlreiche Restaurants, aber auch viele Bars und Souvenirgeschäfte. Für einen kurzen Aufenthalt sind die beiden Orte ideal zum Erkunden. Allerdings könnte man auch locker eine Woche auf der Insel Ischia verbringen. Deren Küsten bieten viele malerische Örtchen und das Innere der Insel eignet sich gut zum Wandern. Mit der Fähre wäre es zudem auch leicht möglich, Tagesausflüge nach Capri oder Procida zu unternehmen.

Reisen mit den Schnellzügen Frecciarossa & Italo

Für die Reise innerhalb Italiens entschieden wir uns für die Schnellzüge Italo und Frecciarossa. Diese verbinden Norditalien wunderbar mit dem Golf von Neapel. In fünf Stunden etwa erreicht man Neapel von Venedig mit einem der beiden Schnellzüge. Mit beiden Linien waren wir sehr zufrieden, in letzterem wurde sogar jeder zweite Platz Covid-bedingt frei gehalten. Die Reise war also wieder ziemlich Covid-sicher. Gebucht haben wir last-Minute, es empfiehlt sich aber sicher früher zu buchen, um Angebote wie ein gratis-Upgrade in die erste Klasse oder günstigere Fahrpreise in Anspruch nehmen zu können.

Vierte Station: Venedig

Panorama von Markusplatz, Dogenpalast und Markusturm

Venedig, die Stadt am Meer, war dann das letzte Ziel auf der Rückfahrt nach Österreich. Hier waren deutlich mehr Touristen vor Ort als südlicher in Italien. Dennoch war wenig los, wenn man weiß, wie viele Touristen zu Normalzeiten in Venedig sind. Die Wartezeiten zu touristischen Highlights wie dem Dom waren ebenfalls sehr kurz. Ziemlich günstig waren auch die Übernachtungsoptionen, da der Stadt die ausbleibenden Touristen immer noch zu schaffen machten. Was sich in tollen Preisen für uns Reisende manifestierte. Kulinarisch orientierten wir uns hier ebenfalls an den lokalen Spezialitäten. Wobei die Gefahr in eine Touristenfalle zu tappen in Venedig natürlich dementsprechend groß ist.

Bigoli in salsa aus der Osteria Antico Dolo

Für die Rückreise nach Österreich ist ein negativer Covidtest nötig. Im Ganzen gab es in Venedig aber nur drei (!) Covid-Teststationen, wovon zwei eine telefonische Anmeldung erforderten. Die dritte befand sich am Bahnhof und wird vom roten Kreuz geleitet, die aber lediglich von 8:00 bis 14:00 geöffnet ist. Es empfiehlt sich also, den Test gleich nach der Einreise in Österreich nachzuholen oder als geimpfte Person zu verreisen.

Schwüles Wetter plus Maskenpflicht am Markusplatz im Freien = etwas anstrengend, vor allem wenn man viel in der Stadt zu Fuß unterwegs ist
San Giorgio Maggiore-Kirche

Fazit

Kurz zusammengefasst kann gesagt werden, dass unser Urlaub durch Italien, gleich nach der Öffnung der Grenzen, die absolut richtige Entscheidung war. Die Organisation der Reise war unkompliziert, das Wetter ideal und die großen, bekannten Plätze und Museen der ewigen Stadt luden zum Verweilen ein. Die Insel Ischia bietet aufgrund ihres vulkanischen Ursprungs viele Möglichkeiten, um entspannte Tage am Meer verbringen zu können. Egal ob es die Besichtigung der malerischen Städtchen entlang der Strände ist, baden im Meer oder Wandern im Inneren der Insel. Venedig, die Stadt in der Lagune, fasziniert immer wieder mit ihrer Extravaganz. Das Reisen mit dem Zug nach Italien erwies sich als überaus praktisch, denn es war möglich, auch kurzfristig zu buchen und nicht alles eine Woche vor der Abreise zu planen.

Nützliche Links

Einreisebestimmungen nach Italien- hilfreicher Check bei der WKÖ: https://www.wko.at/service/aussenwirtschaft/italien-bulletin-corona-virus.html

Historischer Rückblick in den Corona-Herbst 2020: